EZB unter Druck Euro-Inflation steigt auf Rekordhoch

Die Inflationsrate in der Euro-Zone ist wider Erwarten im Dezember auf einen Rekordstand gestiegen. Unter Druck gerät dadurch vor allem die Europäische Zentralbank mit Chefin Christine Lagarde, die auf die Preissteigerungen bislang kaum reagiert hat.
Drohender Gesichtsverlust: EZB-Chefin Christine Lagarde spielt das Inflationsrisiko bislang herunter

Drohender Gesichtsverlust: EZB-Chefin Christine Lagarde spielt das Inflationsrisiko bislang herunter

Foto: POOL / REUTERS

Die hohen Energiepreise haben die Inflation in der Eurozone überraschend auf einen neuen Höchststand getrieben: Die Verbraucherpreise stiegen im Dezember im Schnitt um 5,0 Prozent im Vorjahresvergleich, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat am Freitag auf Grundlage einer ersten Schätzung mitteilte. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Statistik 1997. Im November hatte die Teuerungsrate noch bei 4,9 Prozent gelegen, seinerzeit ebenfalls ein Höchstwert. Von Reuters befragte Ökonomen hatten einen Rückgang auf 4,7 Prozent vorhergesagt.

Die Preise für Energie legten dabei zuletzt um 26,0 Prozent zu. Nahrungsmittel wurden um 3,2 Prozent teurer, Dienstleistungen um 2,4 Prozent.

In Deutschland lag die Inflationsrate im Dezember nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom Donnerstag bei 5,3 Prozent. Nach der Berechnungsmethode von Eurostat, einem harmonisierten Verbraucherpreisindex, lag die Rate in Deutschland im vergangenen Monat bei 5,7 Prozent.

Ökonomen lenken in ersten Reaktionen den Blick vor allem auf die Europäische Zentralbank (EZB), die bislang kaum auf den Inflationsanstieg reagiert hat. "Die Inflation im Euroraum ist überraschend auf 5,0 Prozent gestiegen", sagt etwa Jörg Kramer, Chefvolkswirt der Commerzbank. "Der Inflationsdruck ist hoch. Worauf wartet die EZB noch?"

"Im Hinblick auf die EZB-Politik ist das heutige Ergebnis ambivalent", sagte Ralf Umlauf von des Helaba. "Zum einen liegt der Wert über den Erwartungen, zum anderen deutet sich im laufenden Monat und im weiteren Jahresverlauf eine geringere Inflationsrate an. Die EZB steht unseres Erachtens dennoch weiter unter Druck."

Thomas Gitzel von der VP Bank glaubt, EZB-Chefin Christine Lagarde könne noch lange nicht durchatmen. "Die EZB setzt mit ihrer noch immer ultra-expansiven Geldpolitik fest auf niedrigere Teuerungsraten", so Gitzel. "In den USA möchte man mittlerweile von einem nur temporären Anstieg der Inflationsraten nichts mehr wissen. Die EZB hält aber genau an dieser Sichtweise fest." Entscheidend sei nun, dass ein erstes Zeichen gesetzt werde, sonst sähen sich die Währungshüter weiterer heftiger Kritik ausgesetzt, meint Gitzel.

cr/afp
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