Europäische Aktien Die Topbranchen für die kommenden Monate

Wenn es nach den Analysten führender europäischer Banken geht, dann sollten Anleger in nächster Zeit vor allem auf vier Branchen setzen: Auf Versorger und Telekomkonzerne sowie auf Versicherer und Unternehmen aus dem Gesundheitssektor. Aktionären von Banken und Automobilfirmen drohen dagegen Einbußen.

Europas Banken waren die großen Gewinner der vergangenen Monate an den Börsen in Frankfurt, London und Paris. Um mehr als 160 Prozent legten die Aktien der Geldkonzerne von Mitte März bis Anfang Oktober zu. Mit Kurssteigerungen in dieser Größenordnung dürfte es nach Einschätzung der Analysten aber erst einmal vorbei sein.

In den kommenden zwölf Monate erwarten die Branchenexperten in den Researchabteilungen der großen Finanzkonzerne durchschnittliche Einbußen von knapp 19 Prozent. Besonders düster sind die Erwartungen für die britische Royal Bank of Scotland (-51,5 Prozent), die schwedische SE Banken (-40,9 Prozent) und die Frankfurter Commerzbank (-40,5 Prozent).

Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Untersuchung der 500 größten europäischen Börsenfirmen, die manager magazin zusammen mit Professor Bernhard Pellens, Inhaber des Lehrstuhls für Internationale Unternehmensrechnung an der Ruhr-Universität Bochum und Kapitalmarktexperten der Unternehmensberatung Deloitte durchführte. Die Basis der Studie bilden 14.000 Analystenschätzungen zur Kurs- und Dividendenentwicklung für die kommenden 12 Monate.

Die Analysten schätzen Branchen deren Unternehmen mit einem konservativen Geschäftsmodell operieren für die kommenden Monate am aussichtsreichsten ein. Stabile Margen, krisensichere Cashflows und eine gesicherte Finanzierung sind für die Ertragschätzungen der Analysten derzeit offenbar die schlagkräftigsten Argumente für ein Aktienmarktinvestment.

Die Gewinner der kommenden Monate dürften deshalb aus dem Bereich der Versorger (+15,4 Prozent), dem Telekommunikationssektor (9,7 Prozent), den Versicherungskonzernen (+4,4 Prozent) sowie dem Gesundheitssektor (+4,1 Prozent ) kommen. Hinzu kommt, dass die Kurse dieser potentiellen Renditebringer im Börsen-Comeback der vergangenen Monate weit hinter der Entwicklung der Banktitel zurückgeblieben sind.

Einzelnen Titeln wie dem spanischen Versorgungsriesen Endessa, oder den beiden französischen Konzernen Gas Natural und EDF trauen die Analysten in den kommenden Maten Wertsteigerungen durch Kursgewinne und Dividenden von über 20 Prozent zu. Für Telekommunikationsunternehmen wie die britischen Cable & Wireless, die niederländische KPN und die belgischen Mobistar sehen die Branchexperten Wertzuwächse zwischen 16 und 24 Prozent.

Ganz düster sieht es dagegen für die Aktionäre der Automobilindustrie aus. Für keines der analysierten Unternehmen erwarten die Analysten positive Ergebnisse, im Schnitt drohen den Anlegern Wertverluste von etwas mehr als 12 Prozent.