Kursrallye an der Börse Erneuerbare Energien, Panzer und Raketen – die Technologien der Zukunft

Deutschland will möglichst rasch unabhängig von russischen Gasimporten werden - und zugleich seinen Verteidigungsetat massiv erhöhen. An der Börse legen die Anbieter Erneuerbarer Energien zweistellig zu. Auch Rüstungsunternehmen gelten wieder als Zukunftswerte.
An der Börse gefragt: Windräder gelten schon länger als Technologie für eine bessere Zukunft. Nun kommt auch Rüstungstechnologie dazu

An der Börse gefragt: Windräder gelten schon länger als Technologie für eine bessere Zukunft. Nun kommt auch Rüstungstechnologie dazu

Foto: GEORGES GOBET/ AFP

Panzer, Flugzeuge, Windräder, Solaranlagen: Diese Dinge sind ein begehrtes Gut, wenn Deutschland seine Sicherheits- und Energiepolitik langfristig neu ausrichten will. Bundeskanzler Olaf Scholz hatte in einer Sondersitzung des Bundestages am Sonntag nicht nur einen "Sonderetat Bundeswehr" in Höhe von 100 Milliarden Euro vorgestellt, sondern auch betont, dass Deutschland die Abhängigkeit von Erdgas aus Russland verringern werde. Dies soll kurzfristig über höhere Importe von Flüssiggas gelingen, mittel- und langfristig aber vor allem auf den beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energiequellen.

In der Hoffnung auf eine beschleunigte Energiewende steigen Investoren am Montag bei Ökostrom-Werten ein. Die Aktien des Windkraftanlagen-Bauers Vestas steuerten am Montag in Kopenhagen mit einem Plus von zeitweise knapp 13 Prozent auf den größten Tagesgewinn seit mehr als sieben Jahren zu. Die Titel des Rivalen Nordex legten etwa 18 Prozent zu, so stark zu wie zuletzt vor eineinhalb Jahren. Siemens Gamesa rückte in Madrid gut elf Prozent vor. Die Papiere der Ökostrom-Anbieter Orstedt und EDP Renovaveis gewannen bis zu zehn Prozent. Im Dax legte die Aktie von Siemens Energy um mehr als 6 Prozent zu.

Der Anstieg der Erdgaspreise als Folge des russischen Einmarschs in die Ukraine werde europaweit und vor allem in Deutschland den Ausbau Erneuerbarer Energien beschleunigen, prognostizierten die Analysten der Citigroup. Viele Länder hinkten bislang ihren eigenen Plänen hinterher.

Sollte Deutschland seine ehrgeizigen Ziele erreichen, könnte dies Vestas und Nordex bis 2026 zusätzliche Umsätze von bis zu etwa 15 Prozent bescheren. Mit zusätzlichen Ökostrom-Kapazitäten würde sich Deutschland unabhängiger von russischen Erdgas-Lieferungen machen.

Damit gehörten die Anbieter Erneuerbarer Energien am Montag in einem schwachen Börsenumfeld zu den wenigen Gewinnern, gemeinsam mit europäischen Rüstungsfirmen wie Rheinmetall oder Hensoldt, die zeitweise Kursgewinne von mehr als 40 Prozent verbuchten.

la/dpa