Zinsdebatte in der Türkei Erdoğan schickt Lira auf weiteres Rekordtief

Murmeltiertag in Ankara: Einmal mehr wettert der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan gegen hohe Zinsen, mit denen die Zentralbank die Inflation bekämpft. Und einmal mehr schickt er die Landeswährung Lira so auf ein neues Rekordtief.
Nebenjob Volkswirt: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan bringt mit seinen Ansichten Investoren gegen sich auf

Nebenjob Volkswirt: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan bringt mit seinen Ansichten Investoren gegen sich auf

Foto: ADEM ALTAN / AFP

Vor einer wichtigen geldpolitischen Entscheidung der türkischen Zentralbank hat sich Präsident Recep Tayyip Erdoğan (67) erneut deutlich für niedrige Zinsen ausgesprochen und Zinsen als "Plage" bezeichnet. "Wir werden die Zinsplage von den Schultern unseres Volkes nehmen", sagte Erdoğan am Mittwoch vor der Fraktion seiner islamisch-konservativen Regierungspartei AKP in Ankara. "Wir werden definitiv nicht zulassen, dass Zinsen unser Volk in die Knie zwingen", sagte er. "Solange ich in diesem Amt bin, werde ich meinen Kampf gegen die Zinsen bis zuletzt weiterführen. Und ich werde auch meinen Kampf gegen die Inflation fortführen."

Die türkische Landeswährung Lira ist in den vergangenen Monaten zum US-Dollar und zum Euro erheblich unter Druck geraten und jeweils auf Rekordtiefstände gefallen. Inzwischen bekommt man für einen Dollar mehr als zehn Lira. Verschärft wird die Situation durch den lockeren geldpolitischen Kurs der Zentralbank, die ihren Leitzins trotz der gestiegenen Inflation zuletzt zweimal verringert hat.

Auf der Zentralbanksitzung am Donnerstag wird erneut eine Zinssenkung erwartet. Spekulationen auf diese mögliche Zinssenkung ließen die Lira am Mittwoch erneut auf ein Rekordtief abrutschen. Der Dollar stieg in der Spitze um 1,1 Prozent auf 10,4558 Lira. Erdoğan betonte nach seiner Fraktionsrede nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu, dass die Notenbank unabhängig entscheide.

Kritiker monieren dagegen, der Kurs werde maßgeblich von Erdoğan beeinflusst, der als erklärter Gegner hoher Zinsen gilt. Wiederholt hat der türkische Präsident die Notenbankspitze ausgewechselt. Entgegen der gängigen Lehre ist Erdoğan der Meinung, dass hohe Zinsen Inflation verursachen, statt sie zu bekämpfen. Erdoğan betonte am Mittwoch: "Zinsen sind die Ursache, Inflation das Resultat." Mit Befürwortern von hohen Zinsen könne er nicht zusammenarbeiten. Erdoğan beklagte zudem, dass Investoren trotz Zinssenkungen davonliefen. "Was seid ihr für Menschen?", sagte er.

cr/dpa/Reuters
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