Digitaler Yuan China könnte wieder die Welt des Geldes verändern

In China können Menschen bereits mit einem digitalen Yuan zahlen. Im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr soll der E-Yuan auch bald eine Rolle spielen. Die Vorherrschaft des Dollar wird Pekings Vorstoß so schnell nicht brechen - aber vieles verändern.
Künftig keine Münzen und Scheine mehr? Ein digitaler Yuan erscheint auf einem Smartphone mit der Silhouette von Mao Tse-tung

Künftig keine Münzen und Scheine mehr? Ein digitaler Yuan erscheint auf einem Smartphone mit der Silhouette von Mao Tse-tung

Foto: Barcroft Media / Getty Images

Schon einmal, als Geld in erster Linie Münzen bedeuteten, revolutionierte China mit der Einführung des Papiergeldes die Welt der Zahlungsmittel. Grob gerechnet 1000 Jahr später ist das Reich der Mitte erneut die treibende Kraft für einen Paradigmenwechsel. Während Europa noch über die mögliche Einführung digitalen Zentralbankgeldes diskutiert, ebnet Peking dem digitalen Yuan bereits den Weg und erhöht damit auch den Druck auf westliche Zentralbanken.

Die People's Bank of China (PBOC) hat in den vergangenen Monaten hunderttausenden zufällig ausgesuchten Landsleuten ein überschaubares Guthaben an E-Yuan via App zukommen lassen, das sie testweise an mittlerweile weit mehr als 10.000 Akzeptanzstellen ausgeben können. Diese Tests sind Teil des jüngsten Fünfjahresplans, der zum Beispiel auch die Einführung von definierten Handelszonen für Kryptowährungen vorsieht.

Zahlen per App ist längst Alltag in China

Dabei ist das digitale und mobile Bezahlen oder Spenden via App längst Alltag in China. Die enorm schnelle Verbreitung von Apps wie Alipay oder WeChat machen im Reich der Mitte das Bezahlen mit physischem Geld immer entbehrlicher und sind einem auf Kontrolle von Menschen und Finanzen bedachten Parteiapparat ein Dorn im Auge. Dieser schleichende Kontrollverlust, verstärkt durch den unregulierten Bitcoin-Hype, ist auch einer der Gründe für das harte Vorgehen Pekings gegen mächtige Fintechs wie die Ant Group.

Somit stellt der vom Staat geschaffene und verbreitete E-Yuan auch den Versuch dar, wieder mehr Kontrolle über Zahlungsströme zu bekommen und zugleich eine wichtige Eigenschaft von Kryptowährungen wie Bitcoin zu bekämpfen: die Anonymität seiner Nutzer.

Peking braucht Kontrolle über Zahlungsströme

Noch lässt Peking offen, wie weit es beim E-Yuan gehen will. Banker und Analysten glauben laut "Wall Street Journal" , dass Chinas Vorstoß darauf abzielt, irgendwann die gesamte Landeswährung und das gesamte Landesvermögen zu digitalisieren. Jenseits der immer wieder betonten Kosten von Bargeld - eine nationale, voll digitalisierte Währung verspricht noch mehr Kontrollbefugnisse und dürfte einem autoritär geführten Staat wie China verlockend erscheinen.

Doch inzwischen denkt Peking längst über nationale Grenzen hinaus. So untersucht ein gemeines Projekt mit der Bank für internationalen Zahlungsausgleich die mögliche Verwendung des digitalen Yuan im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr . Öffentlichkeitswirksame Nagelprobe dürften dann die Olympischen Winterspielen 2022 in Peking sein, wo sowohl Einheimische als auch Sportler und Besucher aus dem Ausland den E-Yuan testweise verwenden sollen.

Angriff auf den Dollar? Peking wiegelt ab

Die USA mit ihrem Dollar als dominante Weltleitwährung verfolgen derlei Pläne kritisch. So wurden zuletzt Befürchtungen von Biden-Vertrauten laut , China verfolgte mit dem E-Yuan langfristig das Ziel, die weltweit dominierende Reservewährung zu schwächen oder gar zu stürzen. Das Dementi folgte am vergangenen Sonntag . Li Bo, stellvertretender Gouverneur der chinesischen Zentralbank, erklärte: "Unser Ziel ist es nicht, den US-Dollar oder andere internationale Währungen zu ersetzen". Vielmehr sei es das Ziel, "dem Markt die Wahl zu überlassen, um den internationalen Handel und die Investitionen zu erleichtern".

Abgesehen davon, dass die US-Notenbank-Chef Jerome Powell und Finanzministerin Janet Yellen selbst die Möglichkeiten eines digitalen Dollar untersuchen, teilen Experten die Ängste vor dem Yuan nicht. Die Digitalisierung könne die Nutzung der chinesischen Währung bei grenzüberschreitenden Transaktionen begünstigen. Entscheidend für eine globale Rolle des Yuan sei aber, ob China seine Kapitalkontrollen lockere.

"Wenn man eine globale Reservewährung haben will, muss man Ausländern erlauben, sie zu halten und zu benutzen", sagt Shen Jianguang, Chefökonom bei JD.com. Auch müsse China seinen eigenen Bürgern erlauben, mehr ausländische Vermögenswerte zu erwerben und eine größere Wechselkursflexibilität zulassen, um die Internationalisierung des Yuan voranzutreiben.

Anteil des Yuan am Zahlungsverkehr noch recht gering

Zwar ist in letzter Zeit viel Kapital in die chinesischen Finanzmärkte geflossen, was die Menge des weltweit gehandelten Yuan erhöht hat. Doch halten ausländische Investoren laut Bloomberg gerade mal 5 Prozent der chinesischen Aktien und 3 Prozent der chinesischen Anleihen. Auch betrage der Anteil des Yuan am weltweiten Zahlungsverkehr und an den Zentralbankreserven nicht mehr als lediglich 2 Prozent. Ob digital oder nicht - schon vor diesem Hintergrund sei es nicht so einfach, die Dominanz des Dollar zu brechen, sagt Währungsexperte Stephen Chiu von Bloomberg.

Einig sind Experten aber in der Einschätzung, dass Pekings Vorreiterrolle die Entwicklung von staatlich erzeugten und kontrollierten Digitalwährungen beschleunigen dürfte und dass digitalsiertes Geld die Grundlagen des Finanzwesens neu ordnen könnte - so wie Amazon seinerzeit den Einzelhandel kräftig durchgeschüttelt hat.

rei