Warren Buffett kritisiert Spacs und Trading-Apps "Die Märkte wirken wie ein Casino"

Anlage-Guru Warren Buffett hat Anlagevehikel wie Spacs sowie die zahlreichen Trading-Apps wie Robin Hood scharf kritisiert. Sie trügen dazu bei, Finanzmärkte wie ein globales Casino erscheinen zu lassen.
Warren Buffett (Archiv): Preisverzerrungen und Spielrausch an den Märkten

Warren Buffett (Archiv): Preisverzerrungen und Spielrausch an den Märkten

Foto: epa Cavanaugh/ picture-alliance/ dpa

Starinvestor Warren Buffett (90) hat sich in seiner Rede auf der virtuellen Jahreshauptversammlung der Investmentfirma Berkshire Hathaway insgesamt optimistisch gezeigt. "Die Wirtschaft läuft genau jetzt zu 85 Prozent im höchsten Gang." Die amerikanische Wirtschaft sei durch die geldpolitischen Anreize und die Stimulierung der Federal Reserve und des US-Kongresses außergewöhnlich effektiv wiederbelebt worden. Sie laufe viel besser, als er zu Beginn der Corona-Pandemie vorausgesagt habe.

Buffett beklagte jedoch den Zustrom unerfahrener Investoren und sogenannter Zweckgesellschaften (Spac) am US-Aktienmarkt, die die Märkte wie Casinos erscheinen ließen. Das habe es der Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway erschwert, seine Bargeldbestände in Höhe von 145,4 Milliarden Dollar zum Einsatz zu bringen. Berkshire Hathaway hatte am Samstag einen kräftigen Gewinnanstieg um 20 Prozent auf etwa sieben Milliarden Dollar für das erste Quartal 2021 bekannt gegeben.

Entspannt bei Steuererhöhungen

Buffetts langjähriger Geschäftspartner Charlie Munger (97) zeigte sich ebenfalls zuversichtlich. Zugleich zeigten sich Munger und Buffett gelassen mit Blick auf die von Präsident Joe Biden geplanten Steuererhöhungen: Munger sagte, es bedeute "nicht die Welt", wenn der Kongress und das Weiße Haus den Unternehmenssteuersatz auf 25 oder 28 Prozent anheben sollten.

Durch Anlagevehikel wie die Spacs sowie durch Trading-Apps wie Robinhood entstünde an der Börse eine "casino-ähnliche" Atmosphäre, warnte Buffett. Durch die Spacs würde es zu Preisverzerrungen kommen. Die beliebten, kostengünstigen Trading-Apps auf Smartphones würden dazu beitragen, dass der "Casino-Aspekt" des Aktienmarktes immer stärker werde.

Nervös wegen Trading-Apps und Spacs

Trading-Apps hätten eine Vielzahl von Menschen angezogen, die sich vor allem auf kurzfristige Preisveränderungen von Aktien konzentrieren und Spekulation am Aktienmarkt wie einen Casinobesuch oder wie ein Spiel begrefen. "Das ist nicht illegal und auch nicht unmoralisch", so Buffett. "Aber auf solche Leute kann man keine Gesellschaft gründen." Möglicherweise biete eine kurzfristige Spekulation am Aktienmarkt immer noch etwas höhere Gewinnchancen als ein Casinobesuch - allerdings würden eine Menge Menschen dauerhaft bessere Renditen erzielen, wenn sie Anteile an soliden Unternehmen kaufen und diese Anteile auch halten.

Buffetts Compagnon Charlie Munger wurde deutlicher und nahm in seiner Kritik vor allem die Spacs ins Visier: "Das Prinzip ist grundfalsch. Wir bei Berkshire würden nicht damit Geld verdienen wollen, Dinge an Menschen zu verkaufen, die schlecht für sie sind."

"Der Spiel-Impuls im Menschen ist sehr stark", sagte Buffett. Für eine gewisse Zeit entstünde daraus eine eigene Welt, eine eigene Realität. "Und niemand sagt Dir, wann die Party vorbei ist, und auf einmal löst sich alles wieder in Luft auf", so Buffett.

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