Börse Dax fällt, aber Erholung an Wall Street

Kaum jemand rechnet vor dem Wahltag noch mit einem weiteren US-Hilfspaket. Dies bremst zwar den Dax, an der Wall Street können die Aktienkurse jedoch zulegen.
Corona-Leere auf dem US-Börsenparkett (Archivaufnahme von März 2020)

Corona-Leere auf dem US-Börsenparkett (Archivaufnahme von März 2020)

Foto: Kearney Ferguson/ dpa

Die steigende Zahl von Corona-Infektionen setzt den europäischen Börsen zu. "Sollte sich diese Dynamik nicht zeitnah legen, steigt die Wahrscheinlichkeit erneuter größerflächiger Lockdowns, wodurch auch wirtschaftlich Rückschläge drohen", warnte Carsten Mumm, Chef-Analyst der Privatbank Donner & Reuschel. Ermutigende Firmenbilanzen stützten die Kurse von Dax und EuroStoxx50 allerdings. Der deutsche Leitindex Dax  verlor bis zum Handelsschluss am Dienstag 0,9 Prozent auf 12.736 Punkte. Für Unterstützung sorgten jedoch die leichten Gewinne an den US-Börsen am Dienstagnachmittag: Nach Pfizer und Biontech hat auch der US-Konzern Moderna seinen Hoffnungen bekräftigt, noch vor Jahresende eine Notfallgenehmigung für einen Corona-Impfstoff zu erhalten. Der US-Leitindex Dow Jones  notierte zuletzt 0,8 Prozent im Plus bei 28.407 Punkten.

Unterdessen schwanden die Hoffnungen, dass sich in den USA Demokraten und Republikaner im Tagesverlauf auf ein weiteres Konjunkturpaket einigen würden. Diese Frist hatte Nancy Pelosi, die Präsidentin des Repräsentantenhauses, gesetzt, damit die Hilfen noch vor der Präsidentschaftswahl in zwei Wochen verabschiedet werden könnten. "Für die Märkte müssten Weihnachten und Ostern schon zusammenfallen, dass in letzter Sekunde der große Wurf gelingt", sagte Analyst Timo Emden von Emden Research.

Dax

BMW und Daimler steigern Cashflow

Der Autobauer BMW verzeichnete im abgelaufenen Quartal wie auch der Rivale Daimler eine überraschend gute Entwicklung der finanziellen Mittel. Zwischen Juli und Ende September habe der Konzern im Kerngeschäft mit dem Autobau einen Zufluss von 3,07 Milliarden Euro verzeichnet, teilte BMW überraschend am Montagabend mit. Damit übertreffe der Konzern nach vorläufigen Daten die aktuelle Markterwartung, hieß es. BMW-Papiere legten im frühen Handel gegen den Markttrend leicht zu.

Lufthansa steigt nach Zahlen weiter

Die Aktien der Lufthansa haben am Dienstag letztlich mit einem Ausbau der Kursgewinne auf die überraschend vorgelegten vorläufigen Zahlen zum dritten Quartal reagiert. Nach einem Absacker auf 7,95 Euro legten sie zuletzt um 2,65 Prozent auf 8,202 Euro zu. "Die Lufthansa befindet sich weiterhin in einer grundsätzlich prekären Situation", kommentierte Marktexperte Andreas Lipkow von der Comdirect Bank. Es sei weiter ein enormer Kraftakt für die Fluggesellschaft, das auf Massentransport mit geringen Margen ausgelegte Geschäftsmodell an die Gegebenheiten anzupassen. "Die Liquiditätssituation verschafft dem Konzern aber einen guten Wettbewerbsvorteil." Die Lage im Flugverkehr insgesamt bleibe aber vorerst angespannt und nachhaltige Gewinnanstiege damit in weite Ferne. "Kursanstiege vom aktuellen Niveau aus betrachtet dürften keine lange Halbwertzeit besitzen", erklärte Lipkow. Er rechnet nicht vor Mitte des neuen Jahres mit positiven Signale aus der Flugverkehrsbranche.

MDax: Sartorius setzt Höhenflug fort

Der Pharma- und Laborausrüster Sartorius profitiert in der Corona-Pandemie weiter von guten Geschäften. Nach einem starken Wachstum in den ersten neun Monaten werden die Niedersachsen in puncto Umsatz und Profitabilität nun auch optimistischer für das Gesamtjahr. Im frühen Handel verteuerten sich die Aktien des MDax-Schwergewichts und Börsenlieblings um 1,9 Prozent und näherten sich einem Rekordhoch.

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Großaktionär Permira macht bei Teamviewer Kasse

Der rasante Kursanstieg des Corona-Gewinners Teamviewer hat seinen Großaktionär offenbar zum Kasssemachen inspiriert. Das vom Finanzinvestor Permira beratene Anlagevehikel TigerLuxOne gab den Verkauf von mehr als elf Prozent des Aktienkapitals des Anbieters von Fernwartungs- und Videosoftware bekannt. Die 22 Millionen Anteilscheine seien für 42,25 Euro je Stück veräußert worden. Der Schlusskurs im Xetra-Hauptgeschäft hatte bei 46,09 Euro gelegen. Die Aktien von Teamviewer sanken auf Tradegate um 6,7 Prozent auf 43 Euro. Allerdings ist der Kurs seit Jahresanfang auch um fast 50 Prozent gestiegen.

Logitech mit Kurssprung

In Zürich waren die Titel von Logitech mit 89,62 Franken zeitweise ebenfalls so teuer wie nie. Außerdem winkte ihnen mit einem Plus von rund 22 Prozent der größte Tagesgewinn der Firmengeschichte. Dank eines kräftigen Umsatz- und Gewinnanstiegs hob der Anbieter von Computer-Zubehör seine Gesamtjahresziele an. Es werde aber schwierig, dieses Wachstum im kommenden Jahr zu wiederholen, warnten die Analysten der Bank UBS.

Wall Street kaum verändert

An der Wall Street ging es am Dienstag leicht aufwärts. Der Dow Jones Industrial rückte 0,8 Prozent auf 28.407 Punkte vor, nachdem der US-Leitindex am Vortag letztlich mit 1,4 Prozent ins Minus abgerutscht war. Die Themen bleiben die gleichen: Anleger blicken vor den nahenden Präsidentschaftswahlen gespannt auf eine Weichenstellung für ein immer noch erhofftes Konjunkturpaket. Derweil grassieren die Infektionszahlen mit dem Coronavirus in den USA weiter.

Nasdaq 100

Vieles drehe sich derzeit an den US-Börsen um neue konjunkturelle Fördermaßnahmen, um die sich Demokraten und Republikaner in Washington noch immer streiten. Am Dienstag nun soll die zuvor von der demokratischen Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, ausgesprochene Frist für eine Annäherung mit der US-Regierung auslaufen. "Die Mathematik dessen ist simpel: Wenn sie sich heute nicht einigen, wird sich das dringend benötigte Hilfspaket wahrscheinlich bis nach den Wahlen verzögern", kommentierte Analyst Ricardo Evangelista vom ActivTrades.

Moderna hofft auf Impfstoff-Notfallzulassung im Dezember

In der Pandemie steigt aber immerhin die Hoffnung auf einen baldigen Impfstoff: Nach Aussagen auf einer Veranstaltung des "Wall Street Journal" erwartet der Konzernchef des Pharmakonzerns Moderna mit etwas Glück eine US-Notfallzulassung für einen Impfstoff gegen Covid-19 im Dezember. Die Voraussetzung dafür seien im November positive Zwischenergebnisse. Die Aktien des Unternehmens rückten um 2,7 Prozent vor.

Unternehmensseitig macht ansonsten Intel Schlagzeilen mit dem milliardenschweren Verkauf seiner Flashspeicher-Sparte an den südkoreanischen Hynix-Konzern, der insgesamt neun Milliarden US-Dollar zahlt. Laut dem JPMorgan-Analyst Harlan Sur wird sich dieser positiv auf die Margen und den Free Cashflow des US-Chipkonzerns auswirken. Er glaubt, dass Anleger den Schritt weg von diesem Markt begrüßen werden. Vorbörslich ging es für die Papiere denn auch moderat um 0,4 Prozent hoch.

Die Berichtssaison unter den Dow-Werten nimmt derweil nach einer Pause am Montag wieder Fahrt auf. Bei IBM täuschten florierende Geschäfte mit Cloud-Diensten die Anleger zunächst nicht darüber hinweg, dass das IT-Urgestein im dritten Quartal weiter Federn gelassen hat beim Umsatz. Wegen der weiterhin erhöhten Ungewissheit in Pandemie-Zeiten gab der Konzern abermals keinen Jahresausblick ab. Vorbörslich sanken die Papiere um 3,4 Prozent.

Procter and Gamble gefragt

Besser sah es vorbörslich bei Procter & Gamble und Travelers aus mit Anstiegen von bis zu 2,8 Prozent bei den jeweiligen Papieren. Unter anderem dank der Nachfrage nach Hygieneprodukten stiegen die Procter-Erlöse im ersten Geschäftsquartal und so erhöhte der US-Konzern seine Umsatz- und Gewinnziele für das Gesamtjahr.

Der Versicherer Travelers derweil überzeugte die Anleger mit einem verdoppelten Quartalsgewinn, wenngleich dies auch mit Sonderbelastungen im Vorjahreszeitraum in Zusammenhang stand. Im dritten Quartal konnte der Konzern nun sogar Schadenreserven aus den Vorjahren auflösen, was die gestiegenen Belastungen durch Naturkatastrophen abfederte.

Asien: Verluste in Japan

Das langwierige Ringen um ein US-Konjunkturpaket, steigende Infektionszahlen und ein unsicherer Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen lasten auf den asiatischen Anlegern. Auch wenn die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses Nancy Pelosi und Finanzminister Steven Mnuchin bei ihren Beratungen am Montag über Finanzhilfen weitere Differenzen aus dem Weg räumen konnten, blieb offen, ob ein entsprechendes Gesetz noch vor den Wahlen am 3. November auf den Weg gebracht werden kann. Die Vorsicht der Anleger wurde auch durch die zunehmende Besorgnis über das Risiko eines umstrittenen Wahlergebnisses in den USA ausgelöst. "Ein solches Ereignis würde höchstwahrscheinlich die globalen Märkte erheblich verärgern, bis die USA eine akzeptable Lösung erreichen", sagte Keith Creveling, Co-Chief Information Officer von American Century.

Die Börse in Tokio hat sich am Dienstag zunächst schwächer gezeigt. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index lag im Verlauf 0,3 Prozent tiefer bei 23.596 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index sank um 0,4 Prozent und lag bei 1632 Punkten.

Die Börse in Shanghai lag 0,5 Prozent im Minus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen verlor 0,1 Prozent. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans stieg um 0,4 Prozent.

Euro nahe 1,18 Dollar

Am Devisenmarkt richteten Investoren ihre Aufmerksamkeit auf die Brexit-Verhandlungen. Zwar gebe es im Streit über die künftigen Beziehungen noch keine wirkliche Annäherung, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. "Aber immerhin reden sie miteinander, und sowohl Großbritannien als auch die EU wollen einen Deal." Das Pfund Sterling bröckelte dennoch auf 1,2937 Dollar und 1,0961 Euro. Gleichzeitig trieb der Bedarf nach Absicherung gegen Kursausschläge die Preise für bestimmte Pfund-Terminkontrakte auf den höchsten Stand seit einem halben Jahr.

EUR/USD

Ölpreise kaum verändert

Die Ölpreise haben sich am Dienstag kaum bewegt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Morgen 42,85 US-Dollar. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank um zehn Cent auf 41,02 Dollar.

Brent

Zum Start der vergangenen Woche war US-Öl im Zuge der ungewissen Nachfragesituation angesichts weltweit wieder rapide steigender Corona-Neuinfektionen kurzzeitig unter die Marke von 40 US-Dollar gerutscht. Trotz der leichten Preiserholung seither zeichneten Marktbeobachter zuletzt kein optimistisches Bild der Marktlage.

mg/dpa-afx/Reuters
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