Aktienkurse fallen Black Friday - Virusvariante Omikron lässt Börsen einbrechen

Die Sorgen vor einer neuen, in Südafrika aufgetretenen Coronavirus-Variante schlagen Anleger in die Flucht. Der Dax bricht um 4 Prozent ein, auch die Wall Street schließt tief im Minus. So genannte Stay-at-Home-Aktien und Impfstoffhersteller hingegen sind gefragt.
Neue Furcht: Passantin vor Kurstafel in Tokio

Neue Furcht: Passantin vor Kurstafel in Tokio

Foto: Koji Sasahara / AP

Ausgerechnet am "Black Friday" gibt es an den Börsen auch kursmäßig einen rabenschwarzen Tag. Die Furcht vor einer neuen Coronavirus-Variante, von der Weltgesundheitsorganisation am Abend als "Besorgnis erregend" eingestuft und auf den griechischen Buchstaben Omikron getauft, zog auf allen Kontinenten eine Verkaufswelle nach sich. Der Dow Jones Industrial  sackte am Nachmittag um 3 Prozent ab und schloss mit einem Verlust von 2,5 Prozent auf 34.899,34 Punkte. Am Tag nach "Thanksgiving" endete der US-Handel drei Stunden früher als üblich. Der marktbreite S&P 500  gab 2,3 Prozent nach. An der Nasdaq gerieten die Technologiewerte, die von Anlegern teilweise als mögliche Profiteure einer verlängerten Corona-Krise angesehen werden, weniger stark unter Druck. Der Auswahlindex Nasdaq 100  konnte sich dem Abwärtsstrudel mit einem Abschlag von 2,1 Prozent aber nicht entziehen.

Nasdaq

Gegen den Trend stiegen die Kurse so genannter "Stay-at-Home-Aktien", die als Gewinner von Homeoffice und einem Rückzug ins Private gesehen werden. So stieg der Kurs der Videokonferenplattform Zoom um 9 Prozent, der Heimfitnessanbieter Peloton legte 4 Prozent zu. Auch die Aktien von Impfstoffherstellern waren gefragt. Moderna  verbuchte an der Nasdaq 23 Prozent Plus, die deutsche Firma Biontech  schloss 14 Prozent höher, der US-Partner Pfizer  gewann knapp 5 Prozent. Biontech erklärte, die Forschung an der neuen Variante Omikron bereits begonnen zu haben. Spätestens in zwei Wochen erwarte man weitere Labordaten, die verraten könnten, ob die neue Variante mit ihren zahlreichen Mutationen den Impfschutz ausschaltet. Für den Fall werde man auch den Impfstoff anpassen. Als Antwort auf die seit Jahresbeginn zirkulierenden Corona-Varianten Alpha und Delta wurden bereits neue Impfstoffformeln entwickelt, die Zulassungsverfahren dazu laufen jedoch noch. Aus Sicht der Hersteller ist der Schutz des Standard-Impfstoffs gegen diese Varianten auch noch ausreichend. Die Aktie des Pfizer-Rivalen Merck & Co. verlor jedoch 4 Prozent, nachdem bekannt wurde, dass die von Merck hergestellte Corona-Pille in einer neuen Studie eine geringere Wirksamkeit zeigte als anfangs gemeldet.

Biontech

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Dax knickt um 4 Prozent ein

In Deutschland knickte auch der Dax  ein: Der deutsche Leitindex schloss mit einem Verlust von 4,2 Prozent auf 15.257,04 Punkten. Auch für den MDax  mit 3,3 Prozent auf 33.849,95 Zähler und das Eurozonen-Barometer EuroStoxx 50  mit minus 4,7 Prozent auf 3607 Punkte ging es am Freitag deutlich abwärts.

Dax

Schwache Vorgaben kamen aus Asien, wo die Sorgen um die Ausbreitung einer womöglich gefährlicheren und ansteckenderen Coronavirus-Mutation im südlichen Afrika bereits für hohe Kursverluste sorgten. Experten befürchten, dass die Variante B.1.1.529 wegen ihrer ungewöhnlich vielen Mutationen nicht nur hoch ansteckend sei, sondern auch den Schutzschild der Impfstoffe leichter durchdringen könnte. Die Weltgesundheitsorganisation stufte sie am Abend als "Besorgnis erregende Variante" ein und gab ihr im griechischen Alphabet den Buchstaben Omikron. Zugleich warnte die Organisation vor Panikreaktionen wie dem Schließen von Grenzen - doch dieser Ruf verhallte. Nachdem etwa Großbritannien bereits Flüge aus Südafrika und fünf anderen Nachbarländern gestoppt habe, folgten andere Länder dem Beispiel. Auch die Europäische Union will den Flugverkehr aus dem südlichen Afrika wegen der neuen Virusvariante kurzfristig kappen.

Eine erste Infektion mit der neuen Corona-Variante in Europa wurde allerdings bereits aus Belgien gemeldet: Der belgische Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke sagte am Freitag in Brüssel, ein aus dem Ausland kommender ungeimpfter Mensch sei positiv auf die Variante B.1.1.529 getestet worden.

Luftfahrtaktien tief im Minus

Verlierer am Aktienmarkt sind am Freitag vor allem die Unternehmen, die unmittelbar von den aktuellen Entwicklungen betroffen sind, also etwa Touristik- und Luftfahrtwerte. Im Dax brachen die Papiere des Flugzeugbauers Airbus und des Triebwerksherstellers MTU um etwas mehr als 11 Prozent ein. Im MDax sackten die Anteile der Lufthansa um fast 13 Prozent ab und die des Flughafenbetreibers Fraport um 11,5 Prozent. Die Lufthansa erklärte, sie halte vorerst an ihren Flügen nach Südafrika fest. Während andere EU-Staaten wie Frankreich, Italien oder die Niederlande bereits einen Stopp des Luftverkehrs mit dem südlichen Afrika verkündeten, rief Deutschland die Region bislang lediglich zum Virusvariantengebiet aus. Dies gilt ab der Nacht zu Samstag. Fluggesellschaften dürften dann nur noch deutsche Staatsbürger nach Deutschland befördern.

Corona-Gewinner auch im Dax

Dagegen waren solche Aktien gefragt, die als Gewinner der Corona-Pandemie gelten: Onlinewerte wie Delivery Hero, Hellofresh und Zalando, der Laborausrüster Sartorius, das Diagnostikunternehmen Qiagen und der Pharmakonzern Merck KGaA waren die einzigen Gewinner im Dax mit Kursaufschlägen zwischen 2,6 und 5,5 Prozent.

Zalando

K+S passiert Bilanz-Tüv

Anleger des Düngerkonzerns K+S können derweil wohl aufatmen. Nachdem die Finanzaufsicht Bafin Zweifel an der Bilanz für 2019 sowie dem ersten Halbjahr 2020 angemeldet hatte, ist dieser große Unsicherheitsfaktor nun nach Ansicht des Unternehmens aus der Welt geräumt, denn die endgültigen Feststellungen der von den Aufsehern beauftragten Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) machen laut Unternehmen keine Wertanpassungen erforderlich. Die K+S-Aktie legte 6 Prozent zu.

Software AG vor möglichem Verkauf

Aktuelle Verkaufsgerüchte sorgten am Freitagmorgen vorbörslich für einen Kurssprung der Aktien der Software AG. Sie legten an der MDax-Spitze mehr als 9 Prozent im Vergleich zum Xetra-Schluss zu. Laut informierten Kreisen prüft der Software-Anbieter strategische Optionen, darunter auch den Verkauf, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet hatte. Die Überlegungen sollen sich aber noch in einem frühen Stadium befinden und ein Verkauf sei nicht sicher. Die Gerüchte brächten neue Fantasie in die Aktie, sagte ein Händler. Allerdings bezeichnete er es als "Armutszeugnis", dass ein Verkauf erwogen werde, anstatt den Übergang zur Cloud voranzutreiben.

Übernahmespekulation um Siemens Gamesa

Ein Gewinner ganz ohne Corona-Einfluss waren derweil die Aktien von Siemens Gamesa . Hier gingen vage Spekulationen weiter, dass der Mutterkonzern Siemens Energy eine Komplettübernahme des Herstellers von Windkraftanlagen anstreben könnte. Als Treiber für den Anstieg um 3,5 Prozent verwiesen Börsianer auf einen neuen Bericht des Researchdienstes Betaville, wonach Banken derzeit für den Mutterkonzern in diese Richtung tätig seien.

Euro und deutsche Staatsanleihen als sichere Häfen

Der Euro  profitierte von der Suche der Anleger nach sicheren Währungen. Die Gemeinschaftswährung stieg deutlich und kostete am frühen Abend 1,1317 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1291 (Donnerstag: 1,1223) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8856 (0,8910) Euro. Auch Anleihen waren gefragt. Die Umlaufrendite fiel von minus 0,36 Prozent am Vortag auf 0,42 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,35 Prozent auf 145,44 Punkte. Der Bund-Future kletterte am Abend um 0,75 Prozent auf 172,33 Punkte.

Bitcoin gibt nach

Die weltweit bekannteste Digitalwährung Bitcoin erwies sich als weniger krisenfest und fiel wieder unter die Marke von 55.000 US-Dollar. Bitcoin und andere Kryptowährungen waren in den vergangenen fünf Handelstagen ebenso wie die Aktienkurse unter Druck geraten. Am Freitag betrug das Kursminus des Bitcoin zuletzt 8 Prozent.

Bitcoin

Ölpreise fallen um ein Zehntel

Die Ölpreise erlitten den größten Sturz im Tagesvergleich seit April 2020. Am Abend kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 73,45 US-Dollar. Das waren 10,7 Prozent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI fiel um 11,6 Prozent auf 69,27 Dollar.

Brent

Während der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 waren die Erdölpreise abgestürzt. Kurzzeitig wurden Ölkontrakte sogar mit negativen Preisen gehandelt, das heißt, wer Öl kaufte, bekam noch Geld dazu - musste dann aber auch das Problem lösen, angesichts voller Speicher einen Aufbewahrungsort für den Brennstoff zu finden. Ausschlaggebend waren Gegenmaßnahmen wie die Schließung vieler Bereiche des Wirtschaftslebens. Neue Varianten des Coronavirus wecken Erinnerungen an diese Zeit und schüren Ängste vor wirtschaftlichem Schaden, der auch auf der Energienachfrage lasten würde.

Aktuell ist die Lage am Ölmarkt jedoch grundlegend anders. Noch zu Beginn dieser Woche hatten die USA und mehrere weitere Verbraucherstaaten gezielt Öl aus ihren strategischen Reserven auf den Markt gebracht, um die in den vergangenen Monaten gestiegenen Preise zu drücken und der empfundenen Übermacht der Anbieter entgegenzutreten. Die wollen Ende kommender Woche in der Runde der Opec+-Staaten über ihr weiteres Vorgehen beraten.

Mit Nachrichtenagenturen
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