Börse Dax beendet "Handelswoche des Grauens" im Minus

Die 30 größten deutschen Börsenfirmen verlieren in der letzten Oktoberwoche mehr als 8 Prozent ihres Werts – die US-Börsen so viel wie seit März nicht mehr.
Apple-Store in Australien: iPhone-Verkäufe brachen vor dem Start des iPhone 12 um ein Fünftel ein

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Foto: LOREN ELLIOTT / REUTERS

Rekordwerte bei den Corona-Neuinfektionen und ein erneuter wirtschaftlicher Stillstand in Deutschland zehren an den Nerven der Anleger in Europa. Die Aussicht auf geldpolitische Hilfen der EZB und ein überraschend starkes Wachstum der deutschen Wirtschaft im Sommer bewahrte die Börsen am Freitag allerdings vor einem neuen Absturz. 

Mit einem moderaten Minus hat der deutsche Aktienmarkt eine desaströse Woche und einen desaströsen Monat Oktober beendet. Der Dax  schloss mit einem Rückgang von 0,36 Prozent bei 11 556,48 Punkten. Der MDax  der 60 mittelgroßen Börsentitel büßte 0,31 Prozent auf 25 721,00 Punkte ein.

Dax, Dow und Aktien auf einen Blick: Hier geht es zur Börsenseite 

Angesichts der verschärften Corona-Krise mit einem neuen Teil-Lockdown in Deutschland vom kommenden Montag an verbuchte der Dax eine rabenschwarze Woche. Letztlich belief sich der Wochenverlust auf 8,6 Prozent. Für den gesamten Monat Oktober sieht es mit einem Minus von 9,4 Prozent noch etwas schlimmer aus.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx50  sank um rund 0,1 Prozent auf gut 2958 Punkte. Der Cac 40 in Paris stieg hingegen um rund 0,5 Prozent. Der britische FTSE 100 stagnierte auf Vortagesniveau. In den USA notierte der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss ebenfalls im Minus – und könnte den höchsten Wochenverlust seit März verzeichnen.

"Es ist und bleibt eine Handelswoche des Grauens", resümierte Analyst Timo Emden von Emden Research. "Sollte die europäische Wirtschaft wieder zum Stillstand kommen, könnte ein Abgleiten in die Rezession unmittelbar bevorstehen, zumal sich mit den sinkenden Ölpreisen die ersten Vorboten bereits bemerkbar machen. Zu größeren Engagements dürften sich Börsianer ohnehin nicht hinreißen lassen. Mit der US-Wahl steht eines der wichtigsten Events des Jahres an, welche die Weichen in entscheidender Art und Weise neu stellen könnte."

RWE-Aktie im Dax gefragt

Top-Wert im Dax waren RWE-Aktien  mit plus 1,3 Prozent. Das Analysehaus Jefferies empfiehlt die Titel des Energiekonzerns nun zum Kauf und wird optimistischer für die Windkraft-Aktivitäten des Unternehmens. Die Anteile des Essenslieferdienstes Delivery Hero  zollten ihrem jüngst guten Lauf Tribut und verloren 1,5 Prozent. Ähnlich schwach waren die Titel der Deutschen Börse , die mit minus 2 Prozent ihre jüngste Talfahrt beschleunigten. Auch SAP  gaben rund 2 Prozent nach.

Aktien von Continental notierten zuletzt rund 1 Prozent im Plus, nachdem sie am Morgen 1,8 Prozent verloren hatten. Chef Elmar Degenhart nimmt nach mehr als elf Jahren an der Spitze des Autozulieferers Ende November den Hut.

Siltronic  wurden im MDax  von einer Kaufempfehlung der Deutschen Bank beflügelt. Die Papiere des Waferherstellers gewannen 3 Prozent.

"Wir haben an den Börsen gerade einen extrem starken Unsicherheits-Cocktail, gemixt aus den Zutaten Covid-19-Pandemie, US-Präsidentschaftswahl und Brexit", fasste Stratege Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners zusammen. "Und diese Unsicherheit ist Gift für die Börse." Mark Dowding, Chefinvestor bei der Vermögensverwaltung BlueBay, sprach von einem Deja-vu. "Es gibt keine Garantie, dass die jüngsten Eindämmungsmaßnahmen ausreichen werden, um die Corona-Kurve wieder abzuflachen." Im Kampf gegen die Infektionswelle wird im November das öffentliche Leben in der Bundesrepublik massiv eingeschränkt.

Euro gibt wieder nach

Der Euro sank auf zuletzt 1,1652 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,1698 Dollar festgesetzt.

EUR/USD

Twitter und Apple enttäuschen die Anleger

In Asien waren die Anleger vor dem Wochenende aus Aktien geflüchtet. In Japan schloss der Nikkei mit einem Verlust von 1,5 Prozent auf 22.977 Punkte. An der zuvor erholten Wall Street waren die Futures nach den am Vorabend veröffentlichten Quartalsberichten von Twitter, Apple, Amazon und Alphabet sofort wieder auf Tauchgang gegangen. Vor allem der Kurzmitteilungsdienst Twitter enttäuschte mit geringem Nutzerzuwachs massiv.

Twitter-Aktie

Apple-Gewinn fällt, Amazon verdreifacht ihn

Für Furore sorgten dagegen andere Tech-Werte. Der Gewinn von Apple  fiel im abgelaufenen Quartal um rund 7 Prozent auf 12,67 Milliarden Dollar. Der Konzern stellte dank boomender Absatzzahlen bei Mac-Computern und AirPods-Kopfhörern einen Umsatzrekord auf, doch der Erlös des wichtigsten Gewinntreibers iPhone brach vor dem verzögerten Start des neuen Modells iPhone 12 um ein Fünftel ein. An der Börse verlor Apple zwischenzeitlich mehr als 100 Milliarden Dollar an Wert.

Apple-Aktie

Amazon hingegen verdreifachte seinen Gewinn auf 6,3 Milliarden Dollar. Konzernchef Jeff Bezos versprach zudem eine "beispiellose Weihnachtssaison" im laufenden Quartal. Dennoch drehte auch die Amazon-Aktie  zeitweise ins Minus.

Facebook steigerte seinen Umsatz im dritten Quartal um 22 Prozent auf fast 21,5 Milliarden Dollar. Anscheinend konnte der Werbeboykott vieler Konzerne wegen der Verbreitung von Hassbotschaften dem Geschäft kaum etwas anhaben.

Auch der Google-Mutterkonzern Alphabet hat im abgelaufenen Quartal von aktiveren Werbekunden profitiert. Der Umsatz kletterte um 14 Prozent auf 46,2 Milliarden Dollar, wie der weltgrößte Suchmaschinenanbieter mitteilte. Vor allem Werbung auf der Videoplattform YouTube sorgte für rege Einnahmen.

Nasdaq 100

Brent

rei/ak/dpa-afx/reuters