EZB-Spitze zur Inflation "Wir dürfen die Zinsen nicht zu früh erhöhen"

Rasant anziehende Inflationsraten setzen die Europäische Zentralbank zunehmend unter Druck. Präsidentin Christine Lagarde sowie Direktorin Isabel Schnabel betonen jedoch erneut, dass sie vorerst kein Handlungszwang verspüren.
"Bemühen uns, komplexe Zusammenhänge einfach zu erklären": EZB-Direktorin Isabel Schnabel bleibt beim Thema Inflation gelassen

"Bemühen uns, komplexe Zusammenhänge einfach zu erklären": EZB-Direktorin Isabel Schnabel bleibt beim Thema Inflation gelassen

Foto: Tobias Schwarz/ AFP

Beim Thema Inflation halten die Köpfe der Europäischen Zentralbank (EZB) an der Zurückhaltung fest, die sie bereits in den vergangenen Monaten demonstriert haben. Die Notenbank werde im Kampf gegen die hohe Inflation zwar ihr Möglichstes tun, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde (66) am Freitag auf der Konferenz der Ausschüsse für Unionsangelegenheiten der Parlamente der EU (Cosak)ihr Möglichstes tun. "Wir werden alle nur nötigen Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass wir unser Inflationsziel von 2 Prozent mittelfristig erreichen." Die Europäische Zentralbank stehe unerschütterlich zu ihrem Preisstabilitätsziel.

Es sei jedoch zu erwarten, dass die Treiber der Teuerung im Laufe des Jahres nachließen, wiederholte Lagarde ihren Standpunkt, den sie bereits häufiger deutlich gemacht hat. Der EZB-Rat sei auf der jüngsten Sitzung zu dem Schluss gekommen, dass weiterhin eine laxe geldpolitische Linie nötig sei, damit sich die Teuerungsrate mit der Zeit auf dem Zielwert einpendeln könne.

Auch EZB-Direktorin Isabel Schnabel (50) warnt davor, die Zinsen vorschnell zu erhöhen. Die EZB gehe davon aus, dass die Inflation in ein bis drei Jahren deutlich sinken werde, sagte sie der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe). "Darum dürfen wir die Zinsen nicht zu früh erhöhen. Das könnte dazu führen, dass der Aufschwung abgewürgt wird."

Die Inflation im Euro-Raum war im Dezember überraschend auf ein erneutes Rekordhoch gestiegen. Angetrieben von teurer Energie kosteten Waren und Dienstleistungen durchschnittlich 5,0 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Am gegenwärtig deutlichen Anstieg der Preise könne die EZB nichts ändern, so Schnabel. "Wenn wir heute Maßnahmen ergreifen, wirken diese erst mit Verzögerung", sagte sie. Bei Öl- und Gaspreisen sei die Zentralbank sogar machtlos: "Die Geldpolitik kann den Öl- oder Gaspreis nicht senken."

Die Kritik an der Nullzinspolitik der EZB liegt nach Schnabels Ansicht auch in einem Kommunikationsproblem begründet. "Wir bemühen uns, komplexe Zusammenhänge möglichst einfach zu erklären. Manchmal gelingt uns das vielleicht nicht." Daraus könne aber nicht folgen, "dass wir eine aus unserer Sicht falsche Geldpolitik betreiben, nur weil wir Sorge haben, dass unsere Maßnahmen schwierig zu erklären sind", sagte die EZB-Direktorin. "Das würde großen Schaden anrichten."

cr/Reuters
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