Twitter-Konkurrent Sina-Weibo macht den Anfang Chinas Konzerne prüfen Rückzug von der Wall Street

Für chinesische Konzerne wie Alibaba gehörte es einst zum guten Ton, auch an der US-Börse gelistet zu sein. Doch der Handelskrieg der Weltmächte sorgt nun für die Gegenbewegung: Der Twitter-Konkurrent Sina-Weibo macht den Anfang.
Ende des Wall-Street-Abenteuers: Twitter-Konkurrent Weibo

Ende des Wall-Street-Abenteuers: Twitter-Konkurrent Weibo

Foto: STRINGER/CHINA/ REUTERS

Die Order ist klar: Rückzug! Der chinesische Twitter-Konkurrent Sina-Weibo wird durch eine Milliardeninvestition von der US-Technologiebörse Nasdaq genommen. Eine von Firmenchef Charles Chao (54) angeführte Holdinggesellschaft werde den Mutterkonzern Sina privatisieren, hieß es. Der Angebotspreis von 43,30 Dollar entspricht einem Aufschlag von 18 Prozent auf den Schlusskurs vom 2. Juli, dem letzten Handelstag vor einem vorläufigen Angebot. Insgesamt hat der Deal ein Volumen von 2,6 Milliarden Dollar. Bisher hält die von Chao kontrollierte Holding New Wave 12,15 Prozent der Aktien. Vorbörslich stiegen die Aktien von Sina-Weibo um rund acht Prozent.

Mit dem chinesischen Tech-Konzern verbindet sich nun schon zum zweiten Mal ein Epochenwandel an der Wall Street. Sina-Weibo hatte durch seinen Börsengang an der Nasdaq im April 2014 für Feierlaune an der US-Technologiebörse gesorgt. Nachdem sich die Nasdaq beim Börsengang des US-Techriesen Facebook zwei Jahre zuvor verschiedene technische Fehler erlaubt hatte, hatte ihr der US-Konkurrent NYSE etliche junge Technologieunternehmen als lukrative Kunden abgejagt. Mit dem rund 500 Millionen Dollar schweren Börsengang des chinesischen Tech-Unternehmens hatte die Nasdaq diese Durststrecke beendet.

Es folgte die Phase des China-Booms an den US-Börsen. In den Folgejahren bestimmten immer mehr Tech-Unternehmen aus China die Schlagzeilen an der Wall Street. Der chinesische Online-Händler Alibaba sorgte im Herbst 2014 sogar für einen Rekord-Börsengang an der NYSE: Der Handelsriese nahm durch das US-IPO rund 25 Milliarden Dollar ein und ließ damit Unternehmen wie Facebook (16 Milliarden Dollar) klar hinter sich.

Trump droht mit Delisting von bis zu 200 chinesischen Unternehmen

Doch die Zeiten, in denen Konzerne aus China für Rekordeinnahmen an der Wall Street sorgen, gehen offenbar zu Ende: Die Handelsstreitigkeiten zwischen den beiden weltgrößten Wirtschaftsmächten haben inzwischen eine Gegenbewegung ausgelöst. US-Präsident Donald Trump (74) hatte bereits im Sommer angekündigt, ausländische Unternehmen das US-Börsenlisting zu entziehen, wenn sie nicht bestimmten Transparenzpflichten folgen. Rechtliche Grundlage dafür ist der Sarbanes-Oxley-Act (SOX) aus dem Jahr 2002, der als Reaktion auf die Finanzskandale der US-Konzerne Enron und Worldcom geschaffen worden war. Börsianern zufolge zielt Trump damit vor allem auf chinesische Firmen: Nach Einschätzung von Forbes könnten bis zu 200 börsennotierte Konzerne aus China  auf dieser Grundlage von den US-Börsen verbannt werden, darunter auch Börsenriesen wie Alibaba oder Baidu.

Die Folgen zeigen sich jetzt. Da der US-Präsident Trump den Dualismus zwischen China und den USA zu einem zentralen Bestandteil seines Wahlkampfes macht, prüfen verschiedene Unternehmen aus China den Rückzug von den US-Börsen. Stattdessen könnten sie an die Börsen in Shanghai, Shenzhen oder Hongkong wechseln. Sina-Weibo hat mit seinem Delisting nun den Anfang gemacht.

la/rtr
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