Brexit und Energiekrise Britisches Pfund so wenig wert wie zuletzt 1985

Das britische Pfund verliert gegenüber dem Dollar immer weiter an Wert. Am Freitag fiel der Kurs auf den niedrigsten Stand seit fast 40 Jahren. Eine ganze Reihe von Faktoren setzt die Währung unter Druck.
Britisches Pfund: Die Queen ist tot, das Pfund fällt

Britisches Pfund: Die Queen ist tot, das Pfund fällt

Foto: A2800 epa Pfund/ dpa

Unter der Stärke des Dollar leidet nicht nur der Euro-Kurs: Auch das britische Pfund steht massiv unter Druck. Der Kurs der britischen Wirtschaft ist gegenüber der US-Währung zuletzt so stark abgerutscht, dass manche Analysten in der City of London bereits Parallelen zu »Schwellenländer-Währungen« zu erkennen meinen.

Solche Vergleiche sind zwar übertrieben, die Bilanz des Pfunds im Jahr 2022 allerdings ist nachweislich schlecht. Gegenüber dem Dollar hat die britische Währung seit Jahresbeginn 16 Prozent verloren. Seit 1992 hatte es bislang überhaupt nur vier Jahre gegeben, in denen das Pfund mehr als zehn Prozent an Wert verloren hatte. Zuletzt notierte die britische Währung bei einem Kurs von 1,13 Dollar. Das war der niedrigste Stand seit 1985.

Ähnlich wie der Euro, der seit Januar sogar 20 Prozent an Wert zum Dollar verloren hat, setzen eine Reihe von Faktoren das Pfund unter Druck. In Großbritannien zeichnet sich eine tief greifende Wirtschaftskrise ab. Die Lebenshaltungskosten schießen in die Höhe. Grund dafür sind nicht nur die durch Russland ausgelösten Energiepreis-Steigerungen in Europa, sondern auch der britische Austritt aus der Europäischen Union (EU).

Und die schlechten Nachrichten reißen nicht ab. Die am Freitag veröffentlichten Daten zu den Einzelhandelsumsätzen seien »schrecklich«, zitiert die Nachrichtenagentur »Bloomberg« den Londoner Analysten Derek Halpenny (hier geht es zu dem Bericht ). Der Pfundkurs werde »angesichts der zunehmenden Volatilität weiter fallen«. Die neue Premierministerin Liz Truss teht vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen, scheint aber ebenso wie ihr frisch ernannter Wirtschaftsminister Jacob Rees-Moog überfordert.

Truss hat angekündigt, die Staatsausgaben in der Krise auszuweiten. Das aber könnte die Inflation in Großbritannien weiter befeuern. Diese war im Sommer auf den höchsten Stand seit vier Jahrzehnten gestiegen. Die Pfundschwäche könnte die Teuerung ebenfalls befeuern, weil in Dollar bezahlte Einfuhren für britische Kunden teurer werden.

beb
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