Tagesausblick Verpuffte Fantasien

Die Erwartungen des Handyherstellers Nokia enttäuschten, die Börse bekam einen Dämpfer. Auch vor der IAA-Show wartet keiner der großen Hersteller mit positiven Überraschungen auf. Auf Tiefflug eingestellt sind zudem die Aktien von Klinikbetreibern, nachdem klar ist, dass die Ausgaben für die angestellten Ärzte steigen.

Hamburg/Frankfurt am Main - Anders als bei Fußballturnieren steigert sich die Spannung auf einer Automesse selten bis zum letzten Tag. So haben auf der IAA in Frankfurt die Global Player unter den Automarken ihr Pulver vermutlich schon verschossen - feuchtes Pulver.

Dass 2004 alles besser wird, ist Kernaussage der Prognosen, die Pischetsrieder, Panke und Schrempp bereits einen Tag vor Eröffnung der IAA über die Medien unters Volk bringen. Weil Anleger sich aber nur ungern vertrösten lassen, war die Performance der Autowerte im Dax  bescheiden - die IAA bringt keine neuen Impulse ans Parkett, weckt keine Hoffnungen, präsentiert keine Modelle, die á la Smart oder Mini mit Aha-Effekten aufwarten.

Nach den gestrigen Kursverlusten von zwei bis drei Prozent ist für die Aktien von BMW , Volkswagen  und DaimlerChrysler  auch heute keine nachhaltige Erholung zu erwarten.

Laue Vorgaben aus New York und Tokio

Zumal die Vorgaben der Börsen in New York und Tokio ebenfalls lau sind. Im Sog der Enttäuschung über die jüngste Umsatzprognose des größten Handyherstellers Nokia  wurden in Tokio Sharp  -Aktien und andere Technologiewerte verkauft, der Nikkei verlor 0,31 Prozent. Bessere Zahlen zum Wachstum der japanischen Volkswirtschaft kamen vor allem Bank-Werten zugute. Aktien von Fluggesellschaften waren durch Berichte über einen neuen Fall der lebensgefährlichen Lungenkrankheit Sars belastet.

Auch die wichtigen Indizes in Hongkong, Taiwan und Australien tendierten im Minus. In New York hatte der Dow Jones  nach Nokias enttäuschendem Umsatzausblick um 0,83 Prozent niedriger mit rund 9507 Punkten geschlossen. Der breiter gefasste S&P-500-Index verlor 0,82 Prozent auf etwa 1023 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq  fiel um 0,8 Prozent auf rund 1873 Punkte.

Weil die erhoffte Erholung der US-Konjunktur unter den Investoren beileibe keine abgemachte Sache ist, konnte der Dollar seine Verluste gegenüber dem Euro vom Vortag (mehr als ein Prozent) nicht wettmachen. In New York wurde der Euro zum Börsenschluss zum Dollar-Kurs von 1,1222 gehandelt.

Das einzige eindeutig positive Signal aus den USA sandte nach Börsenschluss der Halbleiter-Spezialist Texas Instruments (TI)  aus Dallas an die Anlegergemeinde. Aufgrund einer starken Nachfrage im dritten Quartal würden Umsatz und Gewinn je Aktie das obere Ende der eigenen Erwartungen zu treffen. Der Umsatz werde bei 2,39 bis 2,49 Milliarden Dollar liegen, der Gewinn je Aktie (EPS) bei 20 bis 22 Cent, so die hochgeschraubte Prognose. Als möglicher Profiteur der guten Meldung gilt im Dax Infineon .

Mehr Geld für die Ärzte - Privatkliniken unter Druck

"Schön, nun gilt auch in Deutschland, dass Ärzte in Krankenhäusern nicht mehr übermüdet arbeiten dürfen", fasste ein Verdi-Sprecher die weitreichenden Wirkungen eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs vom Vortag zusammen. Bereitschaftsdienste in Krankenhäusern müssen künftig auf demselben Niveau entlohnt und angerechnet werden wie jede normale Arbeitsstunde.

Flugs hatten die Fachverbände errechnet, dass damit ein Personalbedarf von 15.000 neuen Arzt-Stellen in Deutschland entsteht. Selbst wenn diese Dimension noch nicht stimmt - die Anleger sind überzeugt, dass auch in Privatkliniken künftig erheblich mehr Geld an die dort arbeitende Ärzteschaft gezahlt werden muss.

Die Aktien von Marseille Kliniken  und Rhön-Klinkum  verbuchten in Folge des Urteils zeitweise zweistellige Verluste - und werden heute vermutlich erneut unter Druck stehen.

Adobe Systems, Heineken und Credit Agricole melden Zahlen

Kursbewegende Geschäftszahlen werden an der Frankfurter Börse heute Mangelware sein. Der Ludwigsburger Spezialist für Automatisierungstechnik, Jetter , hält seine Hauptversammlung ab. Nachdem die Aktie im vergangenen Herbst einen Tiefstand von unter 1,50 Euro markiert hatte, notiert der Wert heute fast exakt doppelt so hoch, der Umsatz an der Börse hat ebenfalls zugenommen. Gelingt es Vorstandschef Martin Jetter, seine Strategie überzeugend darzustellen, hat die Aktie trotz der allgemein flauen Konjunktur weiteres Potenzial, zum Anlegerliebling aufzusteigen.

International bedeutsame Zahlen sollte heute der Halbjahresbericht des niederländischen Bier-Giganten Heineken  bringen, außerdem meldet der US-Marktführer bei Grafik-Software, Adobe Systems , Neun-Monats-Zahlen. In Frankreich gibt die Credit Agricole  ihre Q2-Zahlen bekannt. Börsianer erwarten hier Ähnliches wie von der IAA: Keine überraschenden Impulse in einer Zeit des Leidens.

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