Tagesausblick Wilder Ritt erwartet

Am heutigen Hexensabbat brauchen Investoren starke Nerven. Der große Verfallstag sorgt meist für einen wilden Ritt auf dem Parkett. Scharfe Töne aus Washington gen Bagdad haben den Dax bereits unter 3000 Punkte gedrückt: Nun wackelt die nächste Unterstützungslinie.

Hamburg – Derzeit sind die Investoren am entspanntesten, die ihre Bücher vor einigen Tagen geschlossen haben und dem Markt bis zum nächsten Jahr fernbleiben. Täglich gibt es neue schlechte Nachrichten aus dem Irak: Die Indizes sind weltweit auf Talfahrt und der Preis der Krisenwährung Gold steigt. Der Dax hat bereits gestern die Marke von 3000 Punkten durchschlagen und schloss zwei Prozent schwächer bei 2961 Zählern. Der Dow Jones baute seine Verluste im späten Handel leicht aus und schloss ein Prozent schwächer bei 8364 Punkten.

Irak: Waffendossier "unzureichend"

Ein Turnaround ist nicht in Sicht. Nach seiner 1500-Punkte-Rallye zwischen Oktober und November hat der Dow Jones in den vergangenen Wochen wieder 600 Punkte abgegeben. Die Talfahrt beschleunigte sich, als gestern bekannt wurde, dass die USA das Waffendossier des Irak als Bruch der Uno-Resolution wertet. Ein Krieg rückt damit immer näher. US-Außenminister Colin Powell nannte das irakische Waffendossier "völlig unzureichend".

Auch die Worte von Alan Greenspan vor dem US-Kongress, der von einer sich langsam erholenden US-Wirtschaft sprach, konnten die Stimmung nicht nachhaltig heben. Auch der Notenbankchef betonte noch einmal die "geopolitischen Risiken", die einer Erholung der Konjunktur im Wege stehen.

Großer Verfallstag an den Terminbörsen

Wer noch am Markt engagiert ist, sollte heute besonders vorsichtig sein: Am heutigen "Hexensabbat", dem großen Verfallstag von Futures und Optionen an der Terminbörse Eurex, rechnen Händler erneut mit starken Schwankungen. Institutionelle Investoren versuchen, die Indizes punktuell in die von ihnen gewünschte Richtung zu drücken.

Konjunktur- und Unternehmensdaten stehen an einem großen Verfallstag im Hintergrund. Die Kursbildung folgt an diesem Tag anderen Gesetzen. Außer der Bilanz-Pk von ThyssenKrupp stehen heute um 14.30 Uhr die Zahlen zum US-Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal an.

Wall Street: Nike überrascht

Finanztitel unter Druck – Investmentbanker überraschen

Ein besser als erwartet ausgefallene Index der Frühindikatoren hatte die Wall Street nur kurzzeitig beflügelt. Er war im November im Vergleich zum Vormonat um 0,7 Prozent gestiegen. Volkswirte hatten lediglich mit einem Anstieg um 0,4 Prozent gerechnet.

Angesichts der schleppenden Konjunktur und der wachsenden Kriegsgefahr nimmt der Druck auf Finanztitel zu. Zwar hatten die Investmenthäuser Goldman Sachs, Lehman Brothers und Morgan Stanley mit ihren Quartalszahlen die Märkte positiv überrascht. Doch auch diese Titel konnten sich dem schwachen Gesamttrend nicht entziehen.

Nike steigert Umsatz

Der weltgrößte Sportartikelhersteller Nike könnte zum Wochenschluss von guten Quartalszahlen profitieren: Das Unternehmen hat im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2002/2003 von seinem glänzenden Geschäft in Europa und Asien profitiert, während das Unternehmen im heimischen Markt schlechter abgeschnitten hat als in der Vorjahresvergleichszeit. Der Quartalsumsatz legte in der Berichtszeit gegenüber dem zweiten Quartal des Vorjahres um acht Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar zu, teilte Nike am Donnerstag nach Börsenschluss mit.

Nikkei leicht erholt

Die Börse in Tokio ist in uneinheitlicher Verfassung in ein verlängertes Wochenende gegangen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte stieg am Freitag leicht um 19,31 Punkte oder 0,2 Prozent und ging beim Stand von 8406,88 Punkten aus dem Handel. Der breit angelegte TOPIX gab dagegen knapp um 0,43 Punkte nach und endete mit 822,46 Zählern. Am Montag bleiben die japanischen Finanzmärkte wegen eines Feiertages geschlossen.

Dax: Bruch der nächsten Unterstützung droht

Starke Schwankungen im Dax erwartet

Investoren brauchen heute starke Nerven. Bereits einen Tag vor dem heutigen Hexensabbat hat sich der Dax enorm schwindsüchtig gezeigt: Die Schwankungsbreite lag bereits gestern bei rund 150 Punkten. Händler schließen auch einen Test der 2900 Punkte nicht mehr aus. Zu den größten Verlierern gehörten Finanz- und Versicherungswerte, aber auch die zuletzt vergleichsweise stabilen Pharmatitel.

Der Markt werde gegenwärtig nicht fundamental getrieben, sondern stehe im Zeichen des Verfallstags, erklärte ein Händler die hohe Volatilität. Charttechnisch habe sich das Bild deutlich eingetrübt. Mit dem Durchschlagen der wichtigen Unterstützung im Bereich von 3.020 Zählern sei Druck aufgekommen. Eine Bewegung Richtung 2.890 Punkte sei nun nicht mehr auszuschließen.

"Geisterstunden" um 12, 13 und 20 Uhr

"Geisterstunden" um 12, 13 und 20 Uhr

An der Eurex laufen heute die Dezemberkontrakte auf Aktienindizes wie den Dax und auf zahlreiche einzelne Aktien aus. Um 12 Uhr verfallen die Optionen und Futures auf die europäischen Stoxx-Indizes. Um 13 Uhr sind die Dax-Derivate dran und zum Handelsschluss um 20 Uhr wird schließlich festgelegt, mit welchem Wert die Optionen auf Einzelaktien auslaufen.

Blick auf Adidas und ThyssenKrupp

Einzelne Aktien stehen heute im Schatten des Verfallstages. Dennoch könnte Adidas von den guten Nike-Zahlen profitieren. Die Finanztitel könnten dagegen durch die Gewinneinbrüche bei den US-Investmentbanken belastet werden. ThyssenKrupp hat bereits vor der heutigen Bilanz-Pk seine Anleger darauf vorbereitet, dass der Jahresüberschusses um zwei Drittel auf 216 Millionen Euro zurückgegangen ist.

Mit der Börse ins Neue Jahr

Der Energiekonzern RWE erwägt eine Trennung von seiner Entsorgungssparte. RWE sei enttäuscht über die schwache Profitabilität des Bereichs, berichtet die FTD. Dagegen kommen die Übernahmeverhandlungen des viertgrößten deutschen Versicherers HDI mit dem angeschlagenen Gerling-Konzern nicht voran: Der Deal stehe vor dem Scheitern, berichtet das Handelsblatt.

Der Bauelemente-Hersteller Epcos wird heute zum letzten Mal im Dax gehandelt. Ab Montag, rechtzeitig vor Weihnachten, rückt dann die Deutsche Börse selbst in den Elite-Index auf: Anlegern bleibt die Hoffnung, dass nach drei Jahren Kursrutsch mit dem Aufsteiger Deutsche Börse das kommende Börsenjahr ein wenig besser wird.

Weitere Marktberichte:

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