Wochenausblick Der Optimismus wächst

Die schlechten Nachrichten sind raus. Und die Unternehmen haben wohl die Talsohle durchschritten, sagen Händler und Analysten. Sie rechnen mit steigenden Kursen. Sperrfeuer seien kommende Woche nicht in Sicht.

Frankfurt - Verbesserte Aussichten der Unternehmen sowie Hoffnungen auf eine Zinssenkung im Euro-Raum dürften Marktteilnehmern zufolge den deutschen Aktienmarkt in der kommenden Woche freundlich tendieren lassen. Im Blickpunkt der Anleger dürfte dabei unter anderem der Maschinen- und Nutzfahrzeughersteller MAN stehen, dessen Quartalszahlen am Dienstag erwartet werden.

Für einen weiteren Anstieg des Dax spreche unter anderem die sich zuletzt entspannende weltpolitische Lage, sagte Aktienstrategin Gertrud Traud von der Bankgesellschaft Berlin. So sei der Ölpreis zuletzt deutlich gefallen, weil der Irak offenbar willens sei, die Abrüstungsresolution der Vereinten Nationen (UNO) zu akzeptieren. Damit scheine der von den weltweiten Börsen befürchtete US-Militärschlag gegen den Irak unwahrscheinlicher zu werden.

Alle schlechten Nachrichten im Kurs enhalten?

Ein Händler einer Großbank begründete seinen verhaltenen Optimismus damit, dass die Kursverluste in der vergangenen Woche selbst bei "katastrophalen" Zahlen nur gering ausgefallen seien. Die Anleger glaubten offenbar, dass selbst die schlimmsten Nachrichten angemessen im Kurs berücksichtigt seien. Viele Absicherungsgeschäfte seien noch offen, deshalb werde bis zum Jahresende noch mit deutlich anziehenden Kurse gerechnet.

Auch die Analysten der DZ Bank schrieben in einer Studie hinsichtlich der Unternehmenssituation, die Talsohle scheine hinter den meisten Konzernen zu liegen. Bislang halten sich die Firmen mit Prognosen für 2003 aber noch zurück.

Zudem habe der Markt in der zurückliegenden Woche den Eindruck bekommen, dass die Unternehmen für dieses Jahr sämtliche Abschreibungen verbucht hätten und es daher in Zukunft zu besseren Firmenergebnissen kommen könne, ergänzte Aktienhändler Martin Siegel von Sal. Oppenheim. "Jetzt hofft der Markt auf Besserung, sieht aber noch keine harten Fakten, weswegen es weiter zu starken Schwankungen kommen wird", gab er aber zu Bedenken.

Analysten erwarten schwächere Zahlen bei MAN

Von den Dax-Unternehmen werden kommende Woche lediglich die Kennziffern von MAN  erwartet. Nach den durchschnittlichen Schätzungen der von Reuters befragten Analysten hat sich das Geschäft von MAN im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal geringfügig verschlechtert. Beim Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) werden im Schnitt 107 Millionen Euro prognostiziert, nach 112 Millionen Euro im zweiten Quartal.

Im LKW-Bereich seien keine großen Überraschungen zu erwarten, während die anderen Unternehmenseinheiten durchaus Schwächeanzeichen zeigen könnten, sagte Mark Troman, der MAN für Merrill Lynch analysiert.

Konsumflaute bringt KarstadtQuelle in Bedrängnis

Bei den Unternehmen aus dem Nebenwerte-Index MDax werden unter anderem die Zahlen von KarstadtQuelle  erwartet. Europas größter Warenhaus- und Versandhandelskonzern wird angesichts der Konsumflaute den Prognosen der Analysten zufolge in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2002 vor Steuern einen Verlust 311 Millionen Euro ausweisen.

Neben Karstadt werden voraussichtlich auch die MDax-Firmen Stada Arzneimittel , Dürr , Agiv , MG Technologies , IVG Holding und Hannover Rück  Zahlen vorlegen. Am Neuen Markt präsentieren ACG  und United Internet  ihre Geschäftszahlen.

Märkte hoffen auf die EZB und neue Konjunkturdaten

Einige Marktteilnehmer hoffen zudem auf eine Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB). Die EZB habe zuletzt eine Zinssenkung vorbereitet, indem sie die gleiche Argumentation wie die US-Notenbank Fed verwendet habe, ohne jedoch die Leitzinsen Anfang des Monats zu senken, sagte Aktienstrategin Traud.

Die Fed hatte ihren Schritt mit weltpolitischen Risiken angesichts eines möglichen Irak-Krieges sowie der lahmenden Konjunkturlage in den USA begründet. Die EZB wird am kommenden Donnerstag tagen. In der Regel trifft die Zentralbank auf ihrer zweiten Sitzung eines Monats jedoch keine Zinsentscheidung.

Des Weiteren erwarten Börsianer in der kommende Woche eine Reihe von Konjunkturindikatoren. Zu den wichtigsten dürften das deutsche Bruttoinlandsprodukt für das dritte Quartal und in den USA die Frühindikatoren für Oktober zählen.

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