Wochenausblick Bären wetten auf 2600

Der Dax siecht auf einem Sechsjahres-Tief dahin. Sollten Yahoo, General Electric und neue Konjunkturzahlen enttäuschen, ist auch für den Dax der Fall auf 2600 Punkte möglich. Nur wenige setzen auf einen Überraschungscoup der EZB.

Frankfurt am Main - Die Sorge um eine weitere Abschwächung der Konjunktur und der drohende Militärschlag im Irak sorgen weiterhin für schlechte Stimmung an den Börsen. "Der Abwärtstrend bleibt intakt", sagte ein Händler mit Blick auf den Dax, der nach einem Verlust von rund sechs Prozent innerhalb der vergangenen Woche aktuell nur knapp über seinem Sechsjahres-Tief notiert.

Keine Kraft für echte Erholung

Trotz des enormen Kursrutsches sehen Experten wenig Chancen auf eine Erholung. Allenfalls könnten technische Gegenreaktionen für kurzfristige Aufwärtstrends sorgen. Bislang ist solchen Gegenbewegungen spätestens nach ein, zwei Tagen wieder die Luft ausgegangen: Nach Einschätzung von Marktbeobachtern wird es erst dann zu einer nachhaltigen Erholung kommen, wenn die Unternehmen ihre Gewinne wieder deutlich steigern. Doch die zahlreichen Gewinnwarnungen vor Beginn der Ertragssaison in den USA stimmen alles andere als optimistisch.

Zweite Voraussetzung für eine echte Erholung ist eine Stabilisierung in der Krisenregion Irak. Derzeit drängen die USA auf eine verschärfte Resolution der Vereinten Nationen (UNO), die auch den Einsatz militärischer Mittel enthält. Dass es nach den ersten irakischen Zugeständnissen, die von den USA als taktische Winkelzüge abgetan werden, zu einer diplomatischen Lösung kommt, ist aktuell ebenfalls unwahrscheinlich.

Rückfall auf 2600 Punkte möglich

Aus charttechnischer Sicht ist für den Dax ein Rückfall bis auf 2600 Punkte möglich. "Im Vorfeld eines mögliches Krieges mit unkalkulierbaren Konsequenzen wird kein Investor im großen Stil neue Engagements eingehen", heißt es in einer Studie der LBBW.

Market Movers: Yahoo, GE und Zahlen aus Michigan

Konjunkturdaten in Deutschland und USA

Kurz nach der Wahl sieht die konjunkturelle Situation in Deutschland alles andere als erfreulich aus. In Deutschland werden am Montag die Auftragseingänge der Industrie und am Dienstag die Arbeitsmarktdaten für September bekannt gegeben. Experten rechnen mit rückläufigen Auftragseingängen, nachdem auch Finanzinstitute wie die Deutsche Bank bereits von einer "leichten Rezession" zum Jahresende in Deutschland gesprochen haben. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte dagegen saisonbedingt wieder leicht unter vier Millionen Menschen gesunken sein.

Die entscheidenden Impulse werden erneut aus den USA kommen. Allerdings stehen dort neue Konjunkturdaten erst zum Wochenschluss an, und bis dahin regiert die Unsicherheit. Am Freitag werden die vorläufigen Einzelhandelsumsätze und der Index der Universität Michigan zum Verbrauchervertrauen bekannt gegeben. Bei beiden Kennzahlen wird ein weiterer Rückgang erwartet.

Befreiungsschlag durch die EZB am Donnerstag?

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist bislang eher durch ihr stoisches Abwarten denn durch entschlossenes Handeln aufgefallen. Die Rufe nach einer Leitzinssenkung werden immer lauter. Einer Reuters-Umfrage zufolge erwarten 36 der 52 befragten Volkswirte inzwischen wieder sinkende Zinsen. Allerdings rechnet nur eine kleine Minderheit damit, dass die EZB bereits an diesem Donnerstag das Leitzinsniveau von derzeit 3,25 Prozent senkt.

Yahoo und Juniper melden Zahlen

Der Start der Berichtssaison in den USA zum dritten Quartal wird auch die deutschen Märkte bestimmen. Am Dienstag meldet PepsiCo seine Ergebnisse, und am Mittwoch wird der Internet-Konzern Yahoo! mit seinen Zahlen für die Technologiebranche die Richtung weisen. Am Donnerstag wird der Netzwerkausrüster Juniper Networks über die Geschäftsentwicklung im vergangenen Quartal berichten, bevor am Freitag das Schwergewícht General Electric in den Ring steigt: GE hat eine deutliche Gewinnsteigerung angekündigt. Ob dies auch die Aktionäre zum Umdenken bringt, bleibt offen.

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