Börsenschluss Die Käufer kehren zurück

Die deutschen Märkte hatten am 1. Mai geschlossen, die US-Börsen tendierten überwiegend freundlich. Gefragt waren vor allem Standardwerte. Sun Micro geriet nach einem Wechsel im Management stark unter Druck.

New York - Die Standardwerte an den US-Börsen sind am Mittwoch im späten Geschäft ins Plus gedreht. Händler begründeten dies mit verstärkten Käufen preisgünstiger Aktien. Die Technologiewerte seien dagegen durch die Senkung der Gewinnprognose der Agile Software und die Ankündigung des Computerkonzerns Sun Microsystems über Änderungen im Vorstand belastet worden.

Der Blue-Chip-Index Dow Jones, der zunächst in Reaktion auf die am Mittwoch veröffentlichten US-Daten deutlich nachgegeben hatte, notierte zum Handelsschluss 1,14 Prozent höher auf 10.059,63 Zählern.

Der Nasdaq-Index schloss 0,63 Prozent niedriger auf 1677,53 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index lag mit plus 0,89 Prozent auf 1086,46 Punkten.

Die Anleger setzten offenbar darauf, dass die schlechten Konjunkturnachrichten bereits in den Kursen enthalten seien, sagten Börsianer. "Wir sind immer noch im Abwärtstrend, aber momentan kaufen die Leute Aktien, weil sie sie für billig halten", sagte Todd Leone, Leiter Aktienhandel bei SG Cowen Securities. Die US-Notenbank (Fed) werde die US-Zinsen "wahrscheinlich nicht so bald anheben, und die Leute denken, dass das jetzt die Zeit zum Einstieg ist."

Der Aktienkurs von Sun Microsystems rutschte am Mittwoch in der Spitze um rund 17 Prozent ab, nachdem das Unternehmen mitgeteilt hatte, der Präsident und Chief Operating Officer Ed Zander wolle von seinem Amt zurücktreten. In den vergangenen Wochen hatten bereits mehrere hochrangige Sun-Manager angekündigt, sie wollten das Unternehmen verlassen.

Die Aktie notierte zum Schluss rund 15 Prozent schwächer auf 6,97 Dollar. Das Ausscheiden Zanders, der in dem Unternehmen als Chefstratege galt, weckte nach Angaben von Analysten Sorgen um die Zukunft des Konzerns. Die Investmentbank Bear Stearns senkte ihre Bewertung der Aktien auf "Neutral" von "Kaufen".

Die Aktien des Softwareherstellers und SAP-Konkurrenten Oracle gaben 5,88 Prozent auf 9,45 Dollar nach. Die Investmentbanker von Lehman Brothers hatte die Ertragsprognosen für das Ende Mai auslaufende vierte Quartal deutlich zusammengestrichen. Zudem hatte sich bei Oracle ebenfalls ein weiterer führender Verkaufmanager zurück gezogen.

Die Papiere des Herstellers von E-Business Software, Siebel Systems, verloren 4,26 Prozent und schlossen bei 23,16 Dollar. Auf den Verkaufslisten standen zudem Check Point Software, BEA Systems und Rational Software.

Der Aktienkurs der Agile Software brach um rund 26 Prozent auf 6,80 Dollar ein. Das Unternehmen hatte seine Gewinnprognose für das vierte Quartal des Geschäftsjahres gesenkt. Der Kurs des Internet-Werbeunternehmens Overture Services sank um rund 36 Prozent auf 21,99 Dollar. Die zur AOL Time Warner gehörende America Online hatte zuvor mitgeteilt, sie habe die Werbe-Vertriebspartnerschaft bei Internet-Suchdiensten mit Overture beendet und arbeite nun mit Google zusammen.

Der Telefonkonzern WorldCom gehörte zu den Hauptverlierern im Nasdaq-Index. Die Papiere sanken um 10,85 Prozent auf 2,21 US-Dollar. Am Vortag hatte der Anteilsschein nach einer wilden Berg- und Talfahrt trotz negativer Analystenkommentare noch im Plus geschlossen, nachdem Vorstandschef Bernie Ebbers Anfang der Woche zurückgetreten war.

Schlechter als erwartet ausgefallene US-Konjunkturdaten hätten die Stimmung an der Wall Street im frühen Geschäft getrübt, sagten Händler. Sowohl der Einkaufsmanagerindex des Instituts for Supply Management (ISM) als auch die Bausausgaben waren schwächer als von Analysten erwartet ausgefallen und bestärkten damit jene Investoren, die an der Erholung der US-Konjunktur noch zweifeln.

Der ISM-Index fiel im April auf 53,9 Zähler, nachdem der Indikator im März mit 55,6 Punkten den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren erreicht hatte. Analysten hatten nur einen Rückgang auf 55,2 Zähler prognostiziert. Ein Wert von über 50 Punkten deutet allerdings weiter auf eine Expansion im Verarbeitenden Gewerbe hin.

Die Bauausgaben waren im März um 0,9 Prozent auf 874 Milliarden Dollar gefallen. Analysten hatten dagegen mit einem unveränderten Stand gerechnet.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,45 Milliarden Aktien den Besitzer. 1918 Werte legten zu, 1212 gaben nach und 213 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,17 Milliarden Aktien 1651 im Plus, 1849 im Minus und 272 unverändert. An den US-Kreditmärkten stiegen die zehnjährigen Staatsanleihen um 4/32 auf 98-15/32. Sie rentierten mit 5,073 Prozent. Die 30-jährigen Bonds kletterten 11/32 auf 97-06/32 und hatten eine Rendite von 5,572 Prozent.