Wochenausblick Emotionen schlagen Fakten

Die Börse ignoriert schlechte Unternehmensdaten. Psychologie beherrscht den Markt. Doch der Optimismus birgt Risiken. Können hohe Liquidität und niedrige Zinsen die Rallye am Leben halten?

Frankfurt - Können die Aktienmärkte ihre positive Tendenz halten? Diese Frage drängt sich um so mehr auf, als der Dax unter dem Strich die vergangene Woche erneut im Plus beendet hat: 3,1 Prozent legte der Index für die Standardwerte in den vergangenen fünf Handelstagen zu, rund zwölf Prozent waren es auf Sicht von vier Wochen.

Dabei hatten sieben von zwölf Dax-Konzernen in der vergangenen Woche drastische Gewinneinbrüche gemeldet. Vier weitere Unternehmen berichteten von tiefroten Quartalszahlen. Einziger Lichtblick war MLP  . Der Finanzdienstleister konnte nach neun Monaten bei Umsatz und Gewinn mit Wachstumsraten von mehr als 30 Prozent aufwarten.

Wirklich alle schlechten Nachrichten drin?

Dennoch kletterten die Kurse. Offenbar ignoriert die Börse schlechte Unternehmensnachrichten und hofft auf einen Aufschwung im kommenden Frühjahr. Marktbeobachter gehen davon aus, dass die Konzerne in den letzten Quartalsbericht alle kränkelnden Geschäftszweige hineingerechnet haben, um dann beim nächsten Zahlenreigen die Anleger auch 'mal mit positiven Nachrichten zu überraschen. Darauf sollten sich die Investoren allerdings nicht verlassen: BASF  -Vorstandschef Jürgen Strube zum Beispiel kündigte für das vierte Quartal einen weiteren Umsatz- und Gewinnrückgang an.

Einige Marktbeobachter halten Aktien nach der Rallye in den vergangenen Wochen mittlerweile für sehr ambitioniert bewertet und raten zu Gewinnmitnahmen.

Die Commerzbank  , die in der zurückliegenden Woche in ihrem Neun-Monatsbericht einen Gewinneinbruch von mehr als 90 Prozent auswies, sieht die Aktienmärkte zur Zeit mehr von psychologischen Einflüssen als von fundamentalen Daten bestimmt.

Niedrige Zinsen und hohe Liquidität als Antriebsmotor?

Positiv auf die Kurse wirkten sich auch die zuletzt veröffentlichten Unternehmenszahlen von Siemens  und Vodafone aus. Im gesamten Telekommunikationsbereich, insbesondere beim Mobilfunk, würden deutliche Gewinne erzielt. Andererseits quittierte die Börse die enttäuschenden Ergebnisse von Infineon  mit Kursaufschlägen. Dies zeige die derzeit große Bedeutung von emotionalen Entscheidungsgründen und Marktpsychologie, heißt es auf der bankeigenen Internetseite.

In nächster Zeit könnte sich die Kombination aus niedrigen Zinsen und hoher Liquidität einerseits sowie eine allmähliche Besserung der Unternehmensnachrichten andererseits zum Antriebsmotor der Aktienmärkte entwickeln und die Kurse zum Jahresende deutlich nach oben führen. Der wachsende Optimismus der Börsianer berge nach Ansicht der Analysten von Helaba Trust auch Risiken. Denn mit dem starken Stimmungshoch wachse die Gefahr von Kursrückschlägen, schreiben die Experten.

Andere Experten knüpfen die weitere Entwicklung der deutschen Aktienmärkte eng an die Wall Street und neue US-Konjunkturdaten. "Entscheidend werden die Zahlen zum US-Verbrauchervertrauen am Mittwoch sein, denn diese werden zeigen, ob die Konsumenten derzeit Geld ausgeben und die Nachfrage stützen", sagt ein US-Marktbeobachter einer Münchener Großbank. Am Freitag berichtet das Conference Board über die Stimmung unter den US-Geschäftsleuten. Bereits am Mittwoch werden Zahlen zum Geschäftsklimaindex für Deutschland erwartet.

Analysten erwarten bei Epcos schwache Zahlen

Der Reigen der Quartalszahlen der wichtigsten Unternehmen ist im wesentlichen gelaufen. Am Dienstag wird noch Epcos  seine Geschäftszahlen vorlegen. Nach Ansicht von Analysten wird der Bauelementehersteller einen Nettoverlust zwischen 22 und 38 Millionen Euro ausweisen. Im vergangenen Jahr hatte Epcos noch einen Gewinn von 82,1 Millionen Euro erwirtschaftet. Abzüglich einmaliger Aufwendungen für Restrukturierungsmaßnahmen gehen die Analysten von einem positiven Nettoergebnis im vierten Quartal der Siemens-Tochter aus.

Rechne man allerdings Sonderaufwendungen für Stellenkürzungen und die Verlagerung von Produktionsstätten in Deutschland und Österreich in Billiglohnländer ein, werde das Unternehmen in die roten Zahlen rutschen. "Wir glauben jedoch, dass Epcos das Schlimmste hinter sich hat", sagt Analyst Theo Kitz vom Bankhaus Merck Finck.

Nachdem der MAN  -Kurs in den vergangenen Tagen kräftig zugelegt hat, wird sich am Mittwoch zeigen, ob der Optimismus der Anleger berechtigt ist. Der Maschinenbau- und Nutzfahrzeugkonzern wird die Zahlen für das dritte Quartalwerden vorlegen.

Von den in den Nemax 50 aufgenommenen Unternehmen wird der Chipkarten-Experte ACG  am Montag seine Ergebnisse präsentieren. Die Internetbranche wartet zudem gespannt auf die Zahlen von Pixelpark  , die am Dienstag erwartet werden.