Börsenschluss Freudentag in Frankfurt und New York

Einen Tag vor Thanksgiving sorgen gute US-Konjunkturdaten für einen Freudentag an den Börsen. Der Dax hängt sich an den erstarkten Dow und schließt nur knapp unter Tageshoch. Allianz, T-Aktie und Infineon legen deutlich zu.

New York / Frankfurt am Main – Klettern die US-Börsen, hüpfen die Indizes in Frankfurt. Der Dow Jones baute nach den starken Konjunkturdaten seine Gewinne bis zum Handelsschluss in Deutschland auf 2,9 Prozent aus, während der Technologieindex Nasdaq Composite sogar um 3,0 Prozent auf 1487 Zähler stieg.

Der Dax hat daraufhin seine Gewinne auf 4,8 Prozent ausgebaut und beendete den Handel bei 3346 Punkten. Damit schloss der Index nur knapp unter Tageshoch. Alle 30 Dax-Werte legten zu. Der Nemax 50 legte 2,6 Prozent auf 450 Punkte zu. Auch am Donnerstag, wenn die US-Börsen geschlossen bleiben, können Anleger auf einen freundlichen Handelstag hoffen: Die US-Börsen haben ihre Gewinne im späten Handel sogar noch leicht ausbauen können.

US-Konsumenten kaufen unentwegt

Auf das schwächer als erwartet ausgefallene Verbrauchervertrauen am Vortag folgten am Mittwoch gleich mehrere positive Überraschungen von der Konjunkturseite. Die Zahl der Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe ist in der vergangenen Woche auf den niedrigsten Stand seit knapp zwei Jahren gesunken. Auch das anhaltende Powershopping der US-Bürger begeistert die Anleger: Die Konsumausgaben seien um 0,4 Prozent zum Vormonat geklettert, teilte das Handelsministerium am Mittwoch in Washington mit. Am Wochenende startet in den USA zudem die vorweihnachtliche Einkaufssaison.

Chicago-Index deutet auf Erholung

Auch der Einkaufsmanager-Index für die Region Chicago ist auf 54,3 Punkte und damit sehr viel stärker als erwartet gestiegen. Volkswirte hatten einen Anstieg auf 48,8 Punkte erwartet. Ein Wert über 50 Punkte zeigt wieder eine Expansion der wirtschaftlichen Entwicklung an.

Zu den größten Gewinnern in den USA gehörte Cisco Systems . Technologiewerte wie Infineon  und Epcos  profitierten davon, dass Cisco am Vorabend einen vergleichsweise guten Quartalsausblick gegeben hat.

Dax startet Aufholjagd bei dünnen Umsätzen

"Wir sehen den ersten Funken einer Erholung", fasste Fondsmanager Boris Böhm von Nordinvest die Stimmung am Markt zusammen. Insgesamt blieben die Aktienumsätze aber weit unter dem Durchschnitt. "Niemand will vor dem langen Wochenende (in den USA) in den Markt gehen", sagte ein Händler. Am Donnerstag bleibt die Wall Street wegen Thanksgiving geschlossen, und am Freitag endet der Handel bereits um 19 Uhr MEZ. Besonders Versorgerwerte legten deutlich zu. Die Titel von Eon  und RWE  stiegen jeweils rund sechs Prozent. Neben der Reaktion auf die jüngsten Verluste ließen die Berichte über eine geplante Übernahme des spanischen Versorgers Union Fenosa durch den italienischen Konkurrenten Enel die Kurse der gesamten Branche steigen, sagten Händler. Außerdem sei nach der Entscheidung der Europäischen Union (EU) zur Liberalisierung der Energiemärkte Erleichterung zu spüren, ergänzte ein Analyst. Goldman Sachs hat die Eon-Aktie zudem als Outperformer bestätigt und sieht gute Chancen, dass die Ruhrgas-Übernahme doch noch klappt.

Commerzbank und HVB deutlich erholt

Die Aktien der Commerzbank  verteuerten sich um 6,6 Prozent auf 8,35 Euro. Börsianer verwiesen darauf, dass die Titel in den vergangenen Monaten besonders stark verloren haben. Zudem verharre das Papier in der aktuellen Handelsspanne zwischen 6,70 Euro bis 8,40 Euro. Erst bei einem Ausbruch aus diesem Korridor werde es interessant, sagte ein Marktteilnehmer. Auch die Aktie der HypoVereinsbank  legte knapp sieben Prozent zu.

Hohe Abschreibungen bei Münchener Rück erwartet

Etwas verhaltener war die Erholung bei der Münchener Rück . Hier befürchten Anleger Händlern zufolge angesichts der Börsenflaute Abschreibungen, die über dem von Analysten prognostizierten Wert von rund einer Milliarde Euro liegen. Die Aktien wurden dennoch am Nachmittag vom stark anziehenden Gesamtmarkt ins Plus gezogen und schlossen 3,5 Prozent höher bei 149 Euro.

Der weltgrößter Rückversicherer hat die Präsentation seiner Geschäftszahlen für Donnerstag angekündigt. Deutlich stärker kletterte der Versicherer Allianz , obwohl die Lebensversicherungstochter Allianz Leben seine Überschussbeteiligung drastisch auf 5,3 Prozent gesenkt hat.

Lufthansa: Weber geht früher

Die Aktie der Lufthansa legte ebenfalls deutlich schächer zu als der Gesamtmarkt. Der langjährige Vorstandschef der Lufthansa , Jürgen Weber, wird nach Angaben aus unternehmensnahen Kreisen früher als bisher erwartet in den Aufsichtsrat wechseln und dort den Vorsitz übernehmen. Weber wolle sich bereits von der Hauptversammlung im Juni 2003 in das Kontrollgremium wählen lassen und damit nicht erst auf das Auslaufen seiner Amtszeit Ende nächsten Jahres warten.

Telekom will 2002 vor allem durch Mobilfunk wachsen

Die Deutsche Telekom  drehte mit dem freundlichen Gesamtmarkt ins Plus und schloss mit einem Zuwachs von sechs Prozent nur knapp unter 12 Euro. Im Mobilfunkgeschäft sollen das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im Gesamtjahr um mehr als 50 Prozent und der Umsatz um über 30 Prozent steigen, wie in dem am Mittwoch veröffentlichten endgültigen Neunmonatsbericht des Konzerns ausgeführt wird.

Hohe Abschreibungen bei WCM

Aktien der im MDax notierten Beteiligungsgesellschaft WCM  legten im späten Handel zwei Prozent zu und schlossen bei 2,55 Euro. Die Immobilien- und Beteiligungsgesellschaft rechnet nach tiefroten Zahlen im dritten Quartal im Gesamtjahr mit einem deutlich negativem Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit.

Medigene klettert, Euro etwas schwächer

Am Neuen Markt kletterten die Aktien des Biotechnologie-Unternehmen Medigene  um rund 13 Prozent auf 4,82 Euro. Das Unternehmen hat in den USA ein Patent auf ein Verfahren zur Gewinnung therapeutisch einsetzbarer Viren erhalten.

Der Kurs des Euro ist am Mittwoch nach den starken US-Konjunkturdaten leicht unter Druck geraten. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Referenzkurs am Mittag auf 0,9927 (Dienstag: 0,9910) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 1,0074 (1,0091) Euro.

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