Börsenblick Rot, rot, rot

Die Aktienmärkte präsentieren sich in tiefrotem Gewand. Pessimismus macht sich auf dem Parkett breit.

Hamburg - An dem traurigen Anblick hat sich nichts geändert. Die deutschen Aktienmärkte notieren weiter im tiefroten Bereich. Der Dax verliert zwei Prozent, bei den Wachstumswerten im Nemax-50 sind es rund vier.

Die schwachen US-Börsen versetzen den ohnehin schon angeschlagenen deutschen Aktien einen weiteren Dämpfer. Die Händler zeigen sich ratlos. Keiner wisse, wie es an den europäischen und amerikanischen Börsen weitergehen werde. Pessimismus macht sich auf dem Parkett breit: "Die Weihnachtsrallye können wir uns abschminken", sagt ein Börsianer.

Weiter stark belastet wird der Dax durch die anhaltenden Verluste bei Technologie- und Finanztiteln. Infineon wird die Rote Laterne im Dax nicht los, notiert mit einem Minus von 6,81 Prozent auf 47,35 Euro.

Die vom Mutterkonzern Siemens beabsichtigte Trennung als auch die Herabstufung durch das Investmenthaus Lehman Brothers am Tag zuvor lassen viele Anleger angesichts der ohnehin großen Schwäche von Chipwerten an Infineon-Titeln zweifeln - sie verkaufen.

Dabei ist nicht auszumachen, dass sie zugleich in Siemens-Papiere einsteigen, wie dies zugleich das Tauschprogramm des Siemens-Chef vorsieht. Auch die Siemens-Aktie gehört am Abend trotz des vorgelegten Rekordergebnisses mit Verlusten von drei Prozent klar zu den Verlierern im Dax.

Zugleich bemerken Analysten, dass der komplette Verkauf von Infineon-Anteilen bei Anlegern den Eindruck erwecken müsse, dass Siemens der eigenen Tochtergesellschaft nicht mehr traue.

Einziger Lichtblick bei den Standardwerten sind am Abend die Papiere von Adidas. Der Sportartikelhersteller setzt sich mit Zuwächsen von mehr als vier Prozent mit großem Abstand an die Dax-Spitze. Der Wert profitiert offenbar ebenso wie ThyssenKrupp und Degussa-Hüls von einer Umschichtung in konservative Titel bzw. Konsoumwerte.

Börse um 16 Uhr: US-Gewinnwarnung drückt Finanzsektor

Der Dow Jones (minus 1,1 Prozent) und Nasdaq (minus 0,5 Prozent) lassen derzeit keine positiven Signale für die deutschen Aktienmärkte erwarten. Zudem lassen die kurz vor Handelsbeginn veröffentlichten Konjunkturdaten eine weiche Landung der US-Wirtschaft wieder etwas unwahrscheinlicher erscheinen und könnten die Wall-Street zusätzlich unter Druck setzen.

Belastend vor allem auf die Finanztitel dürften sich die Gewinnwarnungen der fusionswilligen US-Banken J.P. Morgan und Chase Manhatten auf den Handel auswirken. Beide Aktien stehen gegenwärtig mit fünf Prozent im Minus.

Diese Hiobsbotschaft verstärkt den ohnehin hohen Abgabedruck auf deutsche Bankenwerte. Das Minus der Deutsche Bank beläuft sich mittlerweile auf rund fünf Prozent, das der Dresdner Bank auf knapp drei Prozent. Schwach notieren ebenso die Finanztitel Allianz (minus zwei Prozent) und Münchener Rück (minus 2,95 Prozent).

Gegen den Trend unter den Finanztiteln stemmten sich nach wie vor die Papiere der HypoVereinsbank mit einem Plus von 1,01 Prozent. Möglicherweise profitiert der Titel von seiner höheren Gewichtung im Dax, die am Mittwoch nach Handelsschluss von der Deutschen Börse festgelegt worden ist.

Die Schwäche der Finanztitel ist auch europaweit zu beobachten. So gibt die Branche im Eurostoxx-50 derzeit rund 2,6 Prozent nach.

Am Neuen Markt verzeichnet die Internetbranche gegenwärtig mit minus 6,68 Prozent die größten Verluste. Nemax-50-Schwergewichte wie Intershop und Broadvision verzeichnen Verluste von rund elf Prozent und ziehen die gesamte Branche als auch den Index mit nach unten.

Dagegen verzeichnen Internethändler wie Ricardo.de, Buch.de und mediantis deutliche Zuwächse. Hier scheint das fallende Rabattgesetz die Fantasie der Anleger zu beflügeln. Bei Buch.de lassen vor allem die hohen Umsätze vermuten, dass hier institutionelle Anleger am Werk sind, die den Kurs nach oben treiben.

Unter den wenigen Gewinner im Nemax-50 finden sich die Logistik-Unternehmen Teleplan und D. Logistics mit Zuwächsen zwischen knapp zwei und 3,60 Prozent wieder.

Börse um 13 Uhr: Deutsche Bank verliert deutlich

Bank-Aktine Bush ist Präsident, und die Märkte fallen. Das Gegenteil von dem ist eingetreten, was alle gehofft haben. Die viel zitierte "Bush-Rallye" findet nicht statt. Unter dieser Schwäche leiden auch die deutschen Aktienmärkte.

Der Markt habe so lange auf das Wahlergebnis gewartet, dass die Rallye bereits eingepreist sei, versuchen Analysten das Phänomen in den USA zu erklären. Als in amerikanischen Gerichten noch die Köpfe rauchten, hatten zum Beispiel jene Aktien, die von einem möglichen Bush-Sieg profitieren würden, bereits zugelegt. Dazu gehörten unter anderem Titel aus den Sektoren Gesundheit, Tabak, Energie und Rüstung.

Die folglich schwache Performance vor allem der Nasdaq vom Mittwoch zieht heute Technolgiewerte im Dax und die Wachstumswerte am Neuen Markt nach unten. Der Dax git derzeit um 1,53 Prozent nach. Der Nemax-50 liegt mir mehr als vier Prozent im Minus.

Nach einer negativen Einschätzung des europäischen Bankensektors durch Goldman Sachs stehen am Donnerstag vor allem Bankentitel unter Druck. Allen voran verliert die Deutsche Bank zurzeit 4,87 Prozent auf 36,85 Euro. Das amerikanische Investmenthaus stufte die Deutsche Bank von "Outperformer" auf "Marketperformer" herab. Analysten sehen die Gefahr, dass die Banken die Ergebniserwartugnen für das vierte Quartal sowie das kommende Jahr nicht erfüllen könntne.

Im Abwärtssog befinden sich ebenso die Titel der anderen Großbanken. Dresdner Bank, die gestern noch unter den Dax-Gewinnern zu finden war, verliert 2,20 Prozent. Commerzbanktitel geben um 1,49 Prozent nach. Lediglich die Aktien der HypoVereinsbank können sich gegen den negativen Branchentrend stemmen und belegen mit Zuwächsen von 0,86 Prozent Platz fünf im Dax.

Am Neuen Markt macht momentan Buch.de mit Zuwächsen von mehr als 50 Prozent auf magere 2,88 Euro das Rennen. Anleger sehen hier offenbar günstige Einstiegskurse. Das Papier ist gefragt. Ebenso auf der Einkaufsliste stehen die Aktien von Matchnet. Der Internet-Single-Service vermeldet einen neuen Werbevertrag im Volumen von 450.000 Dollar. Der Markt honoriert die Meldung mit Aufschlägen von rund 30 Prozent auf 2,75 Euro.

Letsbuyit.com leiden unter Gewinnmitnahmen, nachdem das Papier am Mittwoch mit historischen Kurszzuwächsen von mehr als 200 Prozent glänzte. Gegenwärtig verliert die Aktie rund 25 Prozent auf 1,50 Euro und wird damit wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Stark unter die Räder sind auch die Papiere des Prozessfinanzierers Foris gekommen. Die Gewinnwarnung nehmen die Anleger dem Unternehmen übel und strafen den Wert mit starken Verkäufen ab. Das Papier verliert rund 20 Prozent auf 6,95 Euro und gehört damit zu den größten Verlierern am Neuen Markt.

Börse um 10.15 Uhr: Siemens-Rückzug belastet Infineon

Der Dax hat seine Verluste in der ersten Handelsstunde auf 1,2 Prozent ausgebaut. Noch deutlicher verlieren die Wachstumswerte im Nemax-50. Der Index notiert drei Prozent im Minus.

Die Blue Chips werden vor allem von den Technologiewerten nach unten gezogen. Trotz guter Zahlen verliert Siemens knapp zwei Prozent. Ähnliche Verluste erleiden auch Epcos, SAP und die Deutsche Telekom.

Die rote Laterne hält der Chiphersteller Infineon. Der Mutterkonzern Siemens hat angekündigt, seine Anteile an dem Unternehmen in den kommenden Jahren abzugeben. Das setzt die Aktie unter Druck.

Die Gewinnerliste wird von defensiven Titeln bestimmt. Ganz oben hat sich Thyssen Krupp positioniert. Das Wertpapier legt um rund 2,55 Prozent auf 16,90 Euro zu.

Bei den Wachstumswerten im Nemax-50 sieht es ganz duster aus: Lediglich fünf Titel halten sich knapp im Plus. Abwärts geht es mal wieder für EM.TV. Nachdem die Staatsanwaltschaft München bestätigte, Ermittlungen gegen den Vorstandschef Thomas Haffa und seinem Bruder Florian aufgenommen zu haben, verliert die Aktie im frühen Handel 6,44 Prozent.

Auch die rekordverdächtige Kursrallye von Letsbuyit ist gestoppt. Der Wert hat sich gestern mit Gewalt aus dem Pennystock-Land verabschiedet und stieg um über 200 Prozent. Heute geht es wieder 14 Prozent nach unten auf 1,70 Euro.

Die Börse um 8.30 Uhr: Schwache Vorgaben der Wall Street

Nach den deutlichen Verlusten der Technologietitel am Mittwoch schauen Anleger mit Sorge dem Handelstag am Donnerstag entgegen. Die Vorzeichen aus New York sind schlecht. Die Technologiebörse Nasdaq schloss mit 3,71 Prozent im Minus. Der Dow Jones hielt sich mit 0,2 Prozent im Plus.

Von den asiatischen Börsen kommen im Sog der US-Technologiewerte ebenfalls schwache Vorgaben. Der 225 Werte umfassende Nikkei schloss bei 14.927 Punkten 1,59 Prozent leichter als am Vortag, während der Hang Seng Index mit 0,78 Prozent im Minus bei 15.501 Zählern lag.

Damit müssen die deutschen Aktienmärkte erst einmal fertig werden. Bereits am Dienstag reagierten die Börsen in ganz Europa auf die aus Sicht vieler Börsianer überraschende Schwäche der Nasdaq mit starken Abschlägen.

Möglicherweise werden aber auch die Investoren den Boden bei vielen Aktien erreicht sehen und den Startschuss zu einer Weihnachtsendrallye geben. Diese Signale haben jedenfalls namhafte Analysten in den Vereinigten Staaten ausgesendet. Die in der Nacht zu Mittwoch endgültig gefallene Entscheidung über den zukünftigen Präsidenten in den USA sollte jedenfalls die Unsicherheit bei den Anlegern verringern.

Für Wirbel könnten am Mittwoch Gerüchte sorgen, dass Nokia oder Alcatel den US-Telekomausrüster Lucent Technologies übernehmen wollen. Unbestätigten Gerüchten zufolge führe Lucent Fusionsgespräche mit Nokia und Alcatel. Lucent lehnte am späten Dienstagabend dazu jeden Kommentar ab. Analysten von Merrill Lynch dagegen halten Lucent als möglichen Übernahmekandidaten durchaus als plausibel.

Eine Gewinnwarnung für das Jahr 2000 gab der am Neuen Markt notierte Prozessfinanzierer Foris heraus. Sollten Vergleichsverhandlungen in mehreren Prozessen nicht rechtzeitig zum Erfolg führen, sei mit einem negativen Jahresergebnis bis 6,5 Millionen Mark zu rechnen, teilte Foris nach Handelsschluss mit. 1999 hatte der Verlust 3,5 Millionen Mark betragen. Die Aktie muss am Donnerstag mit deutlichen Abschlägen rechnen.