Börsenblick Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer

Die dramatischen Kurssprünge am Neuen Markt lassen Anleger auf eine Jahresendrallye hoffen. Eine Trendwende ist jedoch noch nicht in Sicht. Das deutliche Plus könnte sich als Strohfeuer entpuppen.

Frankfurt am Main - Nemax und Dax haben nach enormen Kurssprüngen deutlich im Plus geschlossen. Doch Vorsicht: Die heutige Entwicklung lässt noch keine Trendwende erkennen.

Aufgrund der ausbleibenden schlechten Nachrichten aus Japan oder den USA (dort waren die Börsen auf Grund eines Feiertages geschlossen) konnten die deutschen Wachstumswerte unbedrängt wieder steigen.

Analysten und Händler indes sind sich einig: Noch ist der Markt nicht bereinigt. Es werden auch wieder schlechte Nachrichten den Markt beeinflussen und die Kurse nach unten ziehen.

Immer noch ist die Stimmung an der Börse nervös. In diesen Zeiten ist eine normale Kursentwicklung fast unmöglich. Statt dessen wird übertrieben - nach oben und auch nach unten.

Die Börse um 17.30 Uhr: Nemax-50 schnellt nach oben

Ist das die Wende, die lang erwartete Jahresendrallye? Am Neuen Markt ziehen die Kurse derzeit blitzschnell an. Es wird kräftig eingekauft. Doch Vorsicht, Euphorie wäre jetzt der falsche Ratgeber.

Innerhalb kürzester Zeit legt der Nemax-50 deutlich zu und notiert zurzeit mit knapp fünf Prozent im Plus. Heute morgen notierte der Index noch tief im roten Bereich, verbesserte sich bis zum Nachmittag auf ein Prozent Plus, um jetzt im Spurt zu Höchstformen aufzulaufen.

Schwergewichte wie Aixtron, Broadvision, Comdirect, Intershop und T-Online verzeichnen deutlich Zuwächse. Die Liste der Gewinner führt zurzeit Pandatel mit einem Plus von rund 24 Prozent auf 39,48 Euro an.

Ohne Hiobsbotschaften aus New York scheinen Anleger plötzlich in eine Euphorie zu verfallen. Doch Vorsicht ist geboten. Ein ähnliches Szenario spielte sich Anfang vergangener Woche ab. Der Index schnellte in die Höhe, am darauffolgenden Tag gab es ein böses Erwachen.

Börse um 15.30 Uhr: DaimlerChrysler kommt ins Rollen

DaimlerChrysler hat in der Vergangenheit nicht nur von Analysten Prügel bezogen. Die Aktie rutschte von einem Tief zum nächsten. Jetzt scheint eine Bodenbildung in Sicht. Das Papier ist gefragt und führt den Dax an.

Die Anleger setzen auf den Chrysler-Sanierer Dieter Zetsche. Und der greift durch. Die angekündigte Schließung von drei Werken in den USA feiern Analysten als "Befreiungsschlag". Zugleich untersagt der Manager Chrysler-Händlern die Praxis kostspieliger Rabatte.

Die ersten Details des angekündigten Restrukturierungsprogamms bei Chrysler kommen bei Investoren gut an. Auch das Joint-Venture mit dem Nutzfahrzeuge-Hersteller Caterpillar zeigt Wirkung. Die Aktie ist gefragt. Mit drei Prozent Zuwachs auf knapp 48 Euro hält die DaimlerChrysler-Aktie weiter die Dax-Führung.

Die Börse um 14.15 Uhr: Optimisten am Werk

Ein wenig heben sich die dunklen Schleier über dem Aktiemarkt. Der Dax dreht ins Plus. Der Nemax-50 kann seine Verluste reduzieren. Hier sind offenbar unverbesserliche Optimisten am Werk.

Dax-Schwergewichte wie DaimlerChrysler, Infineon und SAP können ihre Zugewinne ausbauen und helfen dem Index damit auf die Beine. Gegen den deutlichen Abwärtstrend bei Finanz- und Bankentiteln verzeichnen HypoVereinsbank Zugwinne. Dresdner und Deutsche Bank gehören dagegen mit Verlusten zwischn drei und vier Prozent zu den Schlusslichtern im Dax.

Die Wachstumswerte am Neuen Markt machen ein wenig Boden gut. Offenbar gibt es immer noch ausreichend Käufer, die annehmen, dass alles gar nicht so schlimm ist. So wird sich nie ein stabiler Boden ausbilden können, auf dem ein verhaltenes aber grundsolides Wachstum möglich ist. Also weg mit den Papieren, umschichten in konservative Dax-Titel!

Ohne ein reinigendes Gewitter, das angeschlagene Unternehmen und verantwortungslose Vorstände hinwegfegt, ist kein Neuanfang möglich.

Börse um 12.40 Uhr: Siemens und SAP legen zu

Ein unerwarteter Auftrag und Fortschritte beim geplanten Börsengang in New York bescheren der Siemens-Aktie Kursgewinne. Auch SAP-Titel legen zu und gehören damit zu den wenigen Gewinnern im Dax.

Der Technologiekonzern wird die Mannesamnn Mobilfunk mit UMTS-Technik ausrüsten. Dieser Auftrag spült eine halbe Milliarde Mark in die Siemens-Kasse. Analysten zeigen sich erstaunt, weil Siemens in diesem Geschäftsbereich bis dato das Nachsehen hatte.

Zuvor hatte der Siemens-Finanzvorstand erklärt, dass der Konzern mit seinen Börsenplänen für New York gute Fortschritte macht. Beide Nachrichten wirken sich positiv auf den Kurs aus. Die Aktie steigert sich derzeit um rund 1,7 Prozent.

SAP-Titel können um rund drei Prozent zulegen und setzen sich damit ganz oben in der Gewinnerliste des Dax fest. Dies stellt sich einerseits als technische Gegenreaktion auf die deutlichen Verluste vom Vortag dar. Andererseits kann SAP mit seiner neu vorgestellten Kundenmanagement-Software punkten. Zahlreiche Großkunden - darunter Peugeot - würden die neue Software bestellen, begründen Analysten den Kursanstieg.

Börse um 11.30 Uhr: Nemax-All-Share auf Jahrestief

Der Nemax-All-Share fällt zum ersten Mal in diesem Jahr unter die Marke von 3000 Punkten. Selbst gute Unternehmensdaten führen zu starken Kursverlusten. Auf dem Abstiegskurs ist der Nemax-50 dem marktbreiteren Index dicht auf den Fersen und notiert ebenfalls bedenklich nahe an der Marke von 3000 Zählern.

Gute Nachrichten werden vom Markt einfach ignoriert: Der Computerkonzern Lintec steigert sein operatives Ergebnis um 170 Prozent. Der Umsatz wächst um 84 Prozent. Mehr Wachstum ist nicht drin, sagen sich verängstigte Anleger und verkaufen. Kurz darauf fällt die Aktie von 32 auf 26 Euro und verliert rund 19 Prozent.

Die Verluste im Dax halten sich dagegen mit minus 0,21 Prozent noch in Grenzen. Im Aufwärtstrend befinden sich aktuell die Papiere der Allianz. Der Versicherer teilt ad hoc mit, dass der Jahresüberschuss in diesem Geschäftsjahr zehn Prozent betragen wird. Die Beitragseinnahmen haben sich in den vergangenen neun Monaten um 15,5 Prozent gesteigert. Der Markt nimmt die Nachrichten positiv auf. Die Aktie kann ihre Anfangsverluste von mehr als drei Prozent wieder wett machen.

Lufthansa-Papiere leiden indes unter einer Abstufung des Investmenthauses Morgan Stanley. Die Titel der Kranich-Linie geben um 2,62 Prozent auf 24,20 Euro nach.

Börse um 9.50 Uhr: Henkel auf dem Vormarsch

Die Standardwerte legen nach gestrigen Verlusten ein kleine Verschnauppause ein. Der Dax notiert mit 0,30 Prozent leicht im Plus. Der Nemax-50 rutschte sofort in den Keller und gibt um knapp drei Prozent auf 3094 Punkte nach. Er testet wieder einmal ein neues Allzeit-Tief - mit Sicherheit nicht das letzte an diesem Handelstag.

Im Dax führen Henkel die Gewinnerliste mit Zuwächsen von mehr als drei Prozent an. Der Titel profitiert von der Nachricht, dass der Konzern der führende Waschmittelhersteller in Russland werden will. Nach dem Kurssturz am Mittwoch können sich Technologietitel wie SAP und Infineon leicht erholen. Sie gehören zu den Gewinnern im Dax.

Am Neuen Markt können die Zahlen von Kabel New Media die Anleger nicht überzeugen. Zwar wurde der Umsatz deutlich gesteigert, das Ergebnis ist aber weiter negativ. Die Anleger verkaufen. Die Aktie verliert aktuell rund fünf Prozent auf 14,65 Euro.

Das Finanzinstitut Fortis hat zwar ordentliche Zahlen vorgelegt und seinen Gewinn steigern können, doch der Titel gibt um rund vier Prozent auf 34,70 Euro nach. Angesichts der angespannten Marktsituation sacken die Aktionäre offenbar jeden Kursgewinn ein, der sich bietet.

Börse um 8.15 Uhr: Warten auf die Bodenbildung

Für die deutsche Börse sind am Donnerstag keine Impulse aus den USA oder Japan zu erwarten. Dort bleiben die Aktienmärkte wegen Feiertagen geschlossen. In Deutschland hofft man auf eine Bodenbildung am Neuen Markt.

Es ist nicht zu erwarten, dass sich die deutschen Börsen am Donnerstag aus ihrem Stimmungstief befreien können. Experten gehen davon aus, dass die Nasdaq schon deutlich zulegen muss, damit sich insbesondere die Wachstumserte am Neuen Markt erholen können. Am Mittwoch schloss die amerikanische Technologiebörse mit minus 4,1 Prozent auf 2755 Zählern.

Der Nemax-50-Index hat seit seinem Höchststand im März rund 67 Prozent verloren. Derzeit notiert das Barometer 38 Prozent unterhalb seines Niveaus vom Jahresanfang. Viele Beobachter fragen sich, wann der Markt endlich seinen Boden erreicht hat, von dem aus es wieder nach oben gehen kann.

Zahlen sind heute unter anderem von dem Software-Unternehmen Gauss Interprise, Teldafax, CE Computer und Winter zu erwarten.

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