Börsenblick Deutsche Aktienmärkte koppeln sich ab

Mit Eröffnung der Wall Street schien sich das Blatt am deutschen Aktienmarkt zum Besseren zu wenden. Doch jetzt koppeln sich Dax und Nemax von den Aktienmärkten in New York ab.

Frankfurt am Main - Der Dax notiert gegen 17.30 Uhr mit 1,53 Prozent im Minus. Die Blue Chips im Nemax-50 verzeichnen wieder Verluste von rund vier Prozent. Der Dow Jones notiert nahezu auf seinem Vortagsnvieau, der Index der Technologiebörse Nasdaq zeigt sich um 0,60 Prozent schwächer.

Nachdem die Autobauer von DaimlerChrysler aufgrund des angeschlagenen amerikanischen Partners ihre Ergebnis-Prognose für das Jahr 2000 jetzt offiziell nach unten korrigiert haben, gibt die Aktie des Konzern weiter nach. Sie fällt zwischenzeitlich auf ein neues Jahrestief. Zuletzt verlor der Wert mehr als drei Prozent und notierte knapp unter der Marke von 50 Euro.

Zwar halten Epcos und Lufthansa mit Zugewinnen um die zwei Prozent die Fahne im Dax hoch. Doch gegen die deutlichen Verluste weiterer Schwergewichte wie Infineon (minus fünf Prozent), Deutsche Telekom (minus 3,85 Prozent) und Siemens (minus zwei Prozent) ist heute kein Kraut gewachsen.

Börse gegen 14.45 Uhr: Wachstumswerte auf Talfahrt

Während sich die Dax-Verluste noch in Grenzen halten führen die Wachstumswerte am Neuen Markt ihren Namen einmal mehr ad absurdum. Die Talfahrt des Nemax setzt sich ungebremst fort.

Nach einer Umsatz- und Gewinnwarnung befinden sich die Aktien des Filmrechtehändlers Intertainment auf Sturzflug. Zahlreiche Anleger entsorgen den Titel aus ihrem Depot.

Zeitweilig fällt der Wert um mehr als ein Viertel seines Wertes. Zuletzt notierte das Papier mit einem Minus von rund 23 Prozent auf 15,55 Euro und führt damit die Verliererliste am Neuen Markt an.

Der angeschlagene Software-Spezialist Brain International profititiert am Markt derzeit von dem Gerücht, dass ein neuer Investor in das Unternehmen einsteigen will. Das scheint risikofreudigen Anlegern offenbar schon zu genügen: Sie kaufen ein. Die Aktie steigert ihren Wert um rund ein Drittel auf 7,80 Euro. Von seinem Jahreshoch bei knapp 37 Euro ist das Papier allerdings noch weit entfernt.

Auch die Aktien von Dino Entertainment befinden sich auf Erholungskurs. Anleger sehen hier offenbar günstige Einstiegskurse. Der Wert legt rund 14 Prozent auf sieben Euro zu. Gleichwohl gehört das Medienunternehmen mit zu den großen Kapitalvernichtern am Neuen Markt. Im März notierte der Titel noch bei rund 90 Euro und befindet sich seitdem auf einer beispiellosen Talfahrt.

Die Börse um 12 Uhr: DaimlerChrysler-Stern sinkt

Der Druck auf die Aktie von DaimlerChrysler wird immer stärker. Das Papier fällt unter die psychologisch wichtige Marke von 50 Euro und testet ein neues Jahrestief.

Kurz vor seiner außerordentlichen Aufsichtsratssitzung sinkt der Stern der Autobauer. Nach einer Herabstufung durch zahlreiche Investmenthäuser erwägt nun die britische Rating-Agentur Moody's eine Abstufung der Kreditwürdigkeit des Konzerns.

Und noch eine Hiobsbotschaft: Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" will DaimlerChrysler am Standort Illinois die Produktion von Neon-Kleinwagen vorerst ruhen lassen. Die Läger sind voll, die Wagen verkaufen sich nicht. 3300 Beschäftigte stünden dann vorerst auf der Straße.

Die Anleger reagieren auf die schlechten Nachrichten und die erwartete Gewinnwarnung des Konzerns mit Verkäufen. Die Aktie fällt unter die psychologisch wichtige Grenze von 50 Euro und markiert zwischenzeitlich mit 48,85 Euro ein neues Jahrestief. Die Aktie hat seit dem Frühjahr 1999 etwa die Hälfte ihres Wertes verloren.

Manche böse Zungen fordern bereits, dass Daimler sich von dem defizitären Partner Chrysler trennen muss, wie auch BMW sein Rover-Abenteuer beendet hat.

Die Börse um 10 Uhr: Ritterschlag für deutsche Aktien

Der Dax und die Wachstumswerte im Nemax-50 arbeiten sich nach schwachem Auftakt wieder nach oben. Eine ganze Reihe von Titeln profitiert dabei von der Aufnahme in den Weltindex von Morgan Stanley Dean Witter.

Epcos, Hugo Boss, Qiagen und ProSiebenSat1 Media haben zum 30. November sozusagen den Ritterschlag erhalten. Sie werden in den Weltindex MSCI des Investmenthauses Morgan Stanley aufgenommen.

Das treibt die Aktienkurse der Unternehmen deutlich in die Höhe. Epcos legt um 3,67 Prozent zu und führt damit die Gewinnerliste im Dax an. Andere Technologietitel notieren dagegen deutlich im Minus.

Hugo Boss steigert sich um knapp sieben Prozent und macht im M-Dax das Rennen vor ProSiebenSat1. Qiagen gewinnt rund neun Prozent hinzu und setzt sich am Neuen Markt an die Spitze der Gewinnerliste.

Die Börse gegen 8.15 Uhr: Schwache Vorgaben

Die Vorgaben für den Handelstag in Deutschland sehen nicht gut aus. Vier Prozent schwächer schloss die Nasdaq in New York und näherte sich damit wieder bedenklich nahe der psychologisch wichtigen Grenze von 3000 Zählern.

Nachdem Analysten von Merrill Lynch gleich fünf der führenden Halbleiterunternehmen zurückgestuft hat, gerieten die High-Tech-Aktien unter Druck und gaben deutlich nach. Die Experten verweisen zur Begründung auf die erhöhten Lagerbestände der Chipunternehmen hin.

Werte der Siemensfamilie aber auch andere Technologietitel könnten unter dieser Vorgabe weiter nachgeben. Die Börse in Tokio schloss angesichts der Nasdaq-Entwicklung im Minus.

Mit weiteren Verlusten ist heute auch bei DaimlerChrysler zu rechnen. In New York fiel das Papier um rund drei Prozent. Zudem will das "Wall Street Journal" erfahren haben, dass den deutsch-amerikanischen Autobauern auch im vierten Quartal ein Verlust ins Haus steht.

Gespannt wird der Handelsstart des Zockerwertes Infomatec erwartet. Nach Börsenschluss war bekannt geworden, dass zwei Vorstandschefs inhaftiert sind. Ihnen wird unter anderem Kursbetrug vorgeworfen. Damit schreibt der Neue Markt ein weiterers unrühmliches Kapitel und der Anleger fragt sich zu Recht, warum hier nicht schärfer kontrolliert und durchgegriffen wird.

Es ist kaum davon auszugehen, dass die Investoren jetzt zu diesem Wert mehr Vertrauen gewinnen. Infomatec muss heute am Markt mit einer Strafaktion rechnen.