Börsenblick Bewegung bei der Schwerindustrie

Der Maschinenbau galt lange Zeit als langweilig. Jüngste Studien zeigen jetzt das Gegenteil: Die Branche wächst rapide, und nun ziehen die Kurse nach. Ein möglicher Rechentrick bei Amazon bedroht dagegen die Internetwerte.

Frankfurt am Main - Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau steht unter Volldampf. Die anhaltende Bestellflut aus dem Ausland und die anziehende Inlandskonjunktur bescheren einer aktuellen Verbandsstudie zufolge Deutschlands industrieller Schlüsselbranche eine Auslastung wie lange nicht.

Davon profitieren vor allem MAN und Linde. Unter Anlegern sind die beiden Werte sonst eher als lahm verpönt, am Montag schlossen beide mit ordentlichen Kurssprüngen ganz oben in der Dax-Gewinnerliste. Und das zu Recht: Die Maschinenbauer erreichen damit zur Zeit eine Auslastung von durchschnittlich 90 Prozent. Und die Nachfrage steigt vor allem im Inland.

Bei den Internetwerten fängt dagegen wieder das große Zittern an. An der Nasdaq ist die Amazon-Aktie im Sturzflug, nachdem das Anlegermagazin Barron‘s Zweifel über die Bilanzierungsmethoden des Webhändlers gemeldet hat.

Sollten sich die Anschuldigungen, die derzeit von der amerikanischen Börsenaufsicht untersucht werden, bewahrheiten, ist mit einem rapiden Kursverfall bei den Internet-Werten an der Nasdaq und am Neuen Markt zu rechnen. Der EM.TV-Rechentrick soll hier als Beispiel dienen.

Die Börse um 18.30 Uhr

Die deutschen Hightech-Werte leiden unter einer Herabstufung des amerikanischen Börsenlieblings Cisco Systems. Lehman Brothers haben das Kursziel für den Netzwerk-Anbieter von 90 auf 60 Dollar fallen lassen. Die negativen Analystenkommentare drücken die Stimmung an der Nasdaq und belasten auch die deutschen Technologietitel.

Kaum verwunderlich also, dass sich der Dax nur mit Schwierigkeiten behaupten kann, während der Neue Markt im Minus notiert.

Volkswagen profitiert noch immer von den guten Ergebniszahlen, die vergangene Woche vorgelegt wurden. Und auch die heute vorgelegten Nissan-Zahlen scheinen die Anleger zu überzeugen: Autowerte haben doch noch Kurspotenzial.

Selbst die Ankündigung von DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp, künftig verstärkt Einsparpotenziale zu nutzen, schlägt sich in einem Kursaufschlag nieder. Dabei gibt der Autobauer ähnliche Versprechen seit der Großfusion aus und ist bislang immer kläglich gescheitert.

Die Börse um 16.30 Uhr

Nach freundlicher Eröffnung des Dow Jones machen die Standardwerte in Deutschland ein wenig Boden gut. Der Dax notiert aktuell leicht im Plus. Die technologielastigte Nasdaq hingegen rangiert im Minus, und zieht die Wachstumswerte am Neuen Markt mit nach unten.

Bei eher schleppendem Geschäft rutschen Metro wie schon am Freitag an die Dax-Spitze. Hier hören Anleger und Investoren wohl bereits das Gras wachsen. Denn nach einem turbulenten dritten Quartal, das mit der Entmachtung des Aufsichtsrats-Chefs Conradi endete, legt der drittgrößte Handelskonzern der Welt am Dienstag seine Neun-Monatszahlen vor. Auf Konzernebene soll Metro mindestens um sieben Prozent wachsen.

Die Börse um 14 Uhr

Nach Kurszuwächsen in der vergangenen Woche leiden heute mehrere Titel am Neuen Markt deutlich unter Gewinnmitnahmen. Mobilcom rutschen um mehr als fünf Prozent in den Keller. Die Papiere von Focus Digital, die am Freitag ein Plus von rund 30 Prozent verzeichnet hatten, verlieren mehr als sieben Prozent ihres Wertes.

Die Titel des Börsenneulings Winter, ebenfalls gerade erst stark gestiegen, müssen gegenwärtig mehr als zwölf Prozent abgeben. Und auch die Aktien des Medienunternehmens EM.TV verlieren mehr als vier Prozent ihres Wertes.

Das entspricht der Stimmung dieses Börsentags. Die Kurse kommen nicht richtig in Gang, die Anleger nehmen deshalb lieber Gewinne mit.

Die Kursrrakete Singulus, von vielen Investoren in den vergangenen Wochen auf "Kauf" bewertet, verliert zuletzt fast 17 Prozent ihres Wertes. Hier hat man einfach noch bessere Zahlen erwartet, die Unsicherheit ist gross.

Auch Norcom brachte auf den ersten Blick gute Zahlen - doch die Zuwächse scheinen wohl doch nicht aus dem Unternehmen, sondern von Zukäufen zu kommen. Den Investoren reicht das nicht, der Wert geht runter.

Die Börse um 13 Uhr

Ob Epcos, Infineon oder SAP; sie alle verzeichnen Verluste. Und auch die Papiere der Deutsche Telekom dümpeln im Minus.

Dagegen befinden sich die Titel der Auto- und Lastwagenbauer auf der Überholspur. Volkswagen, DaimlerChrysler, BMW und MAN hängen die Werte der Neuen Ökonomie vorerst ab.

DaimlerChrysler-Chef Schrempp krempelt die Ärmel hoch. In Zukunft sollen vielmehr US-Karrossen mit Teilen von Mercedes über die Straßen rauschen. Das senkt Kosten verspricht der Chef und kündigt im selben Atemzug an, beim hochverschuldeten Partner Mitsubishi aufzuräumen. Renault habe das ja schließlich auch bei Nissan geschafft, gibt Schrempp ein Beispiel für einen harten Sanierungskurs vor. Das hören Anleger und Börsianer gern.

Die Börse um elf Uhr

Am Freitag hatten sich die deutschen Aktienmärkte noch von den Leitbörsen in New York abgekoppelt und deutlich im Plus geschlossen. Damit ist jetzt erstmal Schluss.

Dax und Nemax rutschen nach gutem Start wieder flott ins Minus. Lediglich Autotitel stemmen sich mit Zugewinnen gegen den Abwärtstrend.

Schering steigert nach seinen neuesten Zahlen Umsatz und Gewinn. Die guten Nachrichten nutzen Investoren gleich aus und verkaufen ihre Papiere. Diese Gewinnmitnahmen drücken die Aktie um drei Prozent in den Keller. Die Aktie war bereits im Vorfeld gut gelaufen. Da haben einige Anleger wohl zittrige Hände bekommen.

Singulus-Zahlen überzeugen nicht

Dass Sinugulus erheblich mehr Umsatz in diesem Geschäftsjahr erwartet, kann die Händler am Neuen Markt nicht überzeugen. Die Papiere des Spezialisten für DVD- und CD-Maschinen rutschten vom Plus auf minus zwölf Prozent.

Camelot tele-communication-online wagen sich mit einem Ausgabepreis bei 8,50 Euro an den Neuen Markt. Die Erstnotiz des Münchner Communication-Center-Dienstleisters wurde unverändert zum Emissionspreis bei 8,50 Euro festgestellt. Zuletzt wurden für die Papiere 8,90 Euro bezahlt.