H&F und EQT Finanzinvestoren wollen Zooplus von der Börse nehmen

Ende eines teuren Übernahmekampfes: Der Online-Tierbedarfshändler Zooplus soll von der Börse verschwinden. Für Anleger ein herber Verlust - schließlich hat die Aktie seit Jahresbeginn fast 500 Prozent zugelegt.
Liefert Tierfutter direkt vor die Haustür: Der Onlinehändler Zooplus ist einer der Gewinner der Corona-Krise

Liefert Tierfutter direkt vor die Haustür: Der Onlinehändler Zooplus ist einer der Gewinner der Corona-Krise

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Die beiden Finanzinvestoren EQT und Hellman & Friedman wollen den Online-Tierbedarfshändler Zooplus von der Börse nehmen. Den noch verbleibenden Aktionären werde eine Bargegenleistung von 480 Euro je Zooplus-Aktie angeboten, teilten die beiden Bieter am Montag in London und München mit.

Nach Ablauf der ersten Annahmefrist halten beide Finanzinvestoren rund 82 Prozent des gesamten Zooplus-Grundkapitals. Die gesetzlich vorgeschriebene zweiwöchige weitere Annahmefrist für das erhöhte Angebot werde am 9. November 2021 beginnen und am 22. November 2021 um Mitternacht enden. Beide Investoren hatten am 25. Oktober ihr Gebot um 10 Euro auf 480 Euro erhöht - das sind 85 Prozent mehr als der Wert der Zooplus-Aktie vor dem ersten Übernahmeangebot überhaupt.

Der schwedische Investor EQT und der kalifornische Investor Hellman & Friedman (H&F) hatten lange Zeit gegeneinander um Zooplus gekämpft und sich immer wieder überboten - um das zu beenden, haben sie sich zusammengetan. Zooplus, das mit der erhöhten Offerte nach eigenen Angaben auf eine Bewertung von rund 3,7 Milliarden Euro kommt, unterstützte das gemeinsame Gebot. Die erste Offerte von H&F im August hatte bei 390 Euro gelegen und damit schon damals deutlich über dem davor an der Börse bezahlten Kurs.

Fast 500 Prozent Kursplus seit Ende Januar

Die Bieter seien "der festen Überzeugung, dass Zooplus als nicht mehr börsennotiertes Unternehmen besser positioniert ist, um sich auf längerfristige Ziele zu konzentrieren", hieß es zur Begründung für den Rückzug von der Börse. Das deckt sich mit den Interessen von Zooplus-Chef Cornelius Patt. Er hatte selbst nach einem finanzkräftigen Investor gesucht, um die Expansion des 1999 gegründeten und seit 2008 börsennotierten Unternehmens voranzubringen.

Zooplus ist einer der großen Gewinner der Corona-Krise. Im zweiten Quartal dieses Jahres kletterte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahresniveau um rund 17 Prozent auf fast 494 Millionen Euro. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 5,1 Millionen nach 8,4 Millionen Euro im Vorjahr. Gemessen am Umsatz ist Zooplus nach eigenen Angaben die führende Online-Plattform für Heimtierbedarf in Europa. 2020 belief sich der Umsatz auf mehr als 1,8 Milliarden Euro, was nach Unternehmensangaben rund 7 Prozent am europäischen Markt für Heimtierbedarf entsprach.

Das Papier zog bereits vor dem Übernahmekampf seit Ausbruch der Pandemie um rund 240 Prozent an. Durch den Kampf der Finanzinvestoren um das Unternehmen summiert sich das Plus inzwischen auf fast 500 Prozent - mehr hat seit Ende Januar 2020 kein Wert im Dax oder MDax zugelegt. Im SDax gibt es mit Westwing (plus 755 Prozent) nur einen Wert mit einem höheren Kursgewinn.

mg/dpa-afx, Reuters
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