Zinsentscheid EZB belässt Leitzins bei null Prozent

Hohe Inflation und wirtschaftliche Gefahren durch den Ukrainekrieg: In dieser Lage hat die EZB ihren Leitzins auf historisch niedrigem Niveau belassen – fährt ihre Anleihenkäufe aber schneller zurück.
EZB in Frankfurt am Main: Die Währungshüter belassen den Leitzins bei 0,0 Prozent

EZB in Frankfurt am Main: Die Währungshüter belassen den Leitzins bei 0,0 Prozent

Foto: Arne Dedert/dpa

Angesichts rasant steigender Preise ebnet die EZB zwei Wochen nach Ausbruch des Ukraine-Krieges den Weg für eine Zinswende. Sie beschloss am Donnerstag, ihre milliardenschweren Anleihenkäufe im dritten Quartal auslaufen zu lassen. Dies allerdings unter der Bedingung, dass der Inflationsausblick sich nicht eintrübe. Den Schlüsselzins beließen die Währungshüter um EZB-Chefin Christine Lagarde auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent.

Zugleich müssen Banken Strafzinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Notenbank horten. Dieser sogenannte Einlagesatz liegt bei minus 0,5 Prozent. Die EZB hält zugleich die Tür für eine Zinserhöhung offen. Die Bank stehe bereit, "alle Instrumente" bei Bedarf anzupassen.

Ihre Inflationsprognosen für die Euro-Zone hat die EZB am Donnerstag kräftig angehoben. Ihre Volkswirte erwarten für das laufende Jahr jetzt eine durchschnittliche Teuerungsrate in der Währungsunion von 5,1 Prozent. Noch im Dezember hatten sie 3,2 Prozent veranschlagt. 2023 soll die Teuerungsrate bei 2,1 (bisher 1,8) Prozent liegen und 2024 dann auf 1,9 (bisher: 1,8) Prozent nachgeben.

"Der Russland-Ukraine-Krieg wird durch höhere Energie- und Rohstoffpreise, die Unterbrechung des internationalen Handels und ein schwächeres Vertrauen erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaftstätigkeit und die Inflation haben", sagte Lagarde nach der Zinssitzung. Das Ausmaß dieser negativen werde davon abhängen, "wie sich der Konflikt entwickelt".

Die EZB strebt mittelfristig 2,0 Prozent Inflation als Idealwert für die Wirtschaft an. Dieses Niveau birgt aus ihrer Sicht für den Euro-Raum die meisten Vorteile. Zuletzt war die Teuerungsrate wegen rasant steigender Energiepreise allerdings immer weiter über die Zielmarke hinausgeschossen. Im Februar markierte sie mit 5,8 Prozent ein neues Rekordhoch. Manche Volkswirte gehen davon, dass durch den Ukraine-Krieg die Energiepreise noch weiter anschwellen werden und im März mit einer Teuerungsrate von über sechs Prozent zu rechnen ist.

Vermindertes Wachstum erwartet

Die EZB-Volkswirte sagen für das laufende Jahr nur noch ein Wirtschaftswachstum von 3,7 Prozent für die Währungsunion voraus. Noch im Dezember hatten sie ein Plus von 4,2 Prozent prognostiziert. Für 2023 rechnen sie nun mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,8 (bisher: 2,9) Prozent. Für 2024 werden weiterhin 1,6 Prozent erwartet. "Die Erholung der Wirtschaft wird durch die nachlassenden Auswirkungen der Omikron-Variante des Coronavirus unterstützt", sagte Lagarde. Lieferengpässe hätten zuletzt nachgelassen, während sich der Arbeitsmarkt weiter verbessert habe

hr/Reuters