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ZEW, Ifo und Co.: Wichtige Frühindikatoren im Überblick

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Frühindikatoren an der Börse Der Blick in die Aktien-Glaskugel

Der Dax auf Rekordniveau, das steigert bei Anlegern die Verunsicherung: Wie geht es weiter? Schön wäre eine Glaskugel, für den Blick in die Zukunft. Die gute Nachricht: Es gibt Frühindikatoren, die nützliche Hinweise liefern können.

Hamburg - Den Seufzer hat vermutlich jeder Anleger im Stillen schon einmal ausgestoßen: Hätte ich doch eine Glaskugel. Denn an der Börse ist es wie im richtigen Leben, je präziser zukünftige Entwicklungen vorhergesehen werden, desto besser. Beziehungsweise: desto ertragreicher, wenn es um den Aktienmarkt geht.

Das gilt umso mehr in der aktuellen Situation: Nach der Entspannung in der Syrien-Frage und der Kehrtwende der US-Notenbank Fed, die ihre Geldschleusen nun wohl vorläufig doch geöffnet lässt, ist der Leitindex Dax  in den vergangenen Wochen auf ein neues Rekordniveau geklettert. Auch das aus Börsensicht unspektakuläre Wahlergebnis hat daran nichts geändert. Schwer zu glauben also, dass es in nächster Zeit noch signifikant weiter nach oben gehen wird. Oder doch? Wo ist die Glaskugel?

Die gute Nachricht lautet: Mit viel Erfahrung und der richtigen Herangehensweise ist der Blick in die Zukunft in der Wirtschaft und damit zum Teil auch am Aktienmarkt bis zu einem gewissen Grad tatsächlich möglich. Und zwar mit Hilfe von Frühindikatoren. Das sind Kennzahlen oder Indizes, die sich parallel zur realen Wirtschaft entwickeln - nur mit einem Vorlauf von einigen Wochen oder Monaten.

Erfahrene Investmentmanager kennen die für ihre Zwecke wichtigen Indikatoren, wissen, auf welche Wirtschaftsparameter diese verweisen, und können recht genau sagen, wie lang der zeitliche Vorlauf ist. Danach richten sie ihr Anlageportfolio aus - und versuchen so, ihre Renditechancen zu erhöhen.

Drei wichtige Indikatoren

Einer, der auf diese Weise vorgeht, ist Harald Preißler, Chefvolkswirt und Leiter des Anlagemanagements beim Anleihespezialisten Bantleon. "Unser Portfoliomanagement basiert nahezu ausschließlich auf der Analyse von Frühindikatoren", sagt er zu manager magazin online. "Dabei konzentrieren wir uns auf den grundsätzlichen Konjunkturtrend, geht es also aufwärts oder abwärts. Danach richten wir unsere Depotaufteilung aus."

Entscheidend sind laut Preißler daher die Wendepunkte im Trend. Denn dort gelte es, die Weichen bei der Portfolioausrichtung zu stellen. Das heißt: Geht es mit der Konjunktur aufwärts, steckt das Geld in Risiko-Assets wie Aktien oder Rohstoffen. Geht es abwärts, wird umgeschichtet, vor allem in sichere Staatspapiere wie etwa Bundesanleihen.

Aber welche Indikatoren zeigen den Konjunkturverlauf am verlässlichsten an? Bantleon-Experte Preißler nennt vor allem drei Beispiele: Den ZEW-Index der Konjunkturerwartungen, den Ifo-Geschäftsklimaindex und den Euro-Einkaufsmanagerindex. "Diese Kennzahlen nehmen unseren Analysen zufolge die Entwicklung der Industrieproduktion in der Euro-Zone mit Vorlaufzeiten zwischen einem und fünf Monaten vorweg", sagt der Ökonom. "Und die Industrieproduktion lässt einen direkten Schluss auf die Konjunkturentwicklung zu."

Für Spezialisten gibt es laut Preißler noch weitere Kennzahlen. Öffentlich zugänglich sei beispielsweise der OECD Leading Indicator für die Euro-Zone. Darüber hinaus führe Bantleon einige interne Frühanzeiger, die Vorläufe von bis zu anderthalb Jahren zur eigentlichen Wirtschaftsentwicklung hätten.

Aber was zeigen die Indikatoren zurzeit an? In welche Richtung also deutet der Konjunkturtrend? Beziehungsweise: Geht es mit den Aktien nun weiter aufwärts, oder nicht?

Experte sieht Aktien-Ampeln noch auf grün

Beispiel ZEW-Index der Konjunkturerwartungen: Mitte September wurde das Stimmungsbarometer zuletzt veröffentlicht. Gegenüber August war es da sprunghaft angestiegen, und zwar auf den höchsten Stand seit drei Jahren.

Oder der Ifo-Geschäftsklimaindex: Den Indikator veröffentlichte das Münchener Institut Anfang vergangener Woche. Auch er tendiert weiter aufwärts, wie die Wirtschaftsforscher mitteilten.

Und schließlich: Der Einkaufsmanageindex für den Euro-Raum, den das Institut Markit herausgibt, notiert ebenfalls deutlich über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Das gab das Unternehmen zuletzt vor einigen Tagen bekannt.

Das Fazit des Experten Preißler ist daher eindeutig: "Derzeit stehen die Ampeln für Aktien noch auf grün", sagt er. "Erst im Frühjahr 2014 erwarten wir die Trendwende. Zu dem Zeitpunkt werden wir unsere Portfolien dann auch umschichten."

Was ist mit der Fed?

Spätestens an dieser Stelle dürften Skeptiker die Augenbrauen hochziehen: Trendwende im Frühjahr 2014? Das kommende Jahr soll doch mehr Wachstum bringen als das laufende, wenn man den Prognosen der Institute glaubt. "Richtig", sagt Preißler. "Aber die Dynamik lässt bereits in der ersten Jahreshälfte nach."

Und was ist mit der Fed? Alle Welt schaut auf die Notenbank in Washington und wartet - Kehrtwende hin oder her - auf ein Ende der Geldflut - muss nicht auch das bei der Anlageentscheidung berücksichtigt werden? "Kaum", pariert Preißler. "Die Erfahrung zeigt, dass ein solcher Liquiditätsentzug die Märkte nur vorübergehend beeinträchtigt. Schon nach kurzer Zeit kehren sie zurück auf den ursprünglichen Wachstumspfad."

Schön und gut also, der Blick in die Zukunft von Wirtschaft und Börse könnte auf diese Weise zumindest zum Teil funktionieren. Immerhin weisen die Bantleon-Fonds, die so gemanagt werden, eine solide Performance auf.

Andererseits sollten Anleger nicht vergessen: Es handelt sich immer noch lediglich um Indikatoren - keine Glaskugel.

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