Dienstag, 26. Mai 2020

Messe für angehende Börsen-Zocker Glücksritter im Hobbykeller

Daytrader bei der Arbeit (Archivfoto): Die Jagd nach dem Börsenerfolg

Tausende Deutsche träumen von einer zweiten Karriere als Daytrader. Auf einer Messe in Frankfurt treffen sich die Möchtegern-Börsenhändler, um sich für das große Geschäft zu rüsten - vielen von ihnen droht die große Pleite.

Frankfurt am Main - Ab Februar hat Hans Eggers endlich freie Bahn. Dann ist er Rentner und kann sich ganz seiner Leidenschaft widmen. Die Lebensgefährtin verschwindet zur Arbeit und er sitzt allein in seinem Hobbyzimmer oben - so stellt er sich das vor. Vier Laptops hat er dort nebeneinander aufgestellt. Wenn es gut läuft, will er sich bald einen neuen Computer kaufen - "mit sechs Monitoren", wie er sagt.

Hans Eggers heißt eigentlich anders, aber seinen richtigen Namen will er nicht veröffentlicht sehen. Seine Leidenschaft ist die Spekulation: Wetten auf Aktien, Indizes, Währungen. Ein richtiger Händler will er sein. Wobei einer wie er nicht von Handeln spricht, sondern von Traden.

Eggers ist zur "World of Trading" gekommen, einer Messe in Frankfurt, auf der sich alles ums Zocken dreht. Hier will er lernen, sich vorbereiten auf das, was bald so etwas wie sein neuer Beruf sein soll. Die Messe zieht jedes Jahr Tausende Menschen an, die eins gemeinsam haben: Sie wollen spekulieren und damit Geld am Finanzmarkt verdienen. Die einen nebenbei, morgens vor der Arbeit, in der Mittagspause, abends oder nachts. Die anderen den ganzen Tag - quasi hauptberuflich.

Viele hier sind moderne Glücksritter. Sie träumen vom schnellen Geld an der Börse. "Manche haben vielleicht mal einen Gewinn gemacht und wollen jetzt ihren normalen Job aufgeben", berichtet ein Aussteller.

"Dreiecke sind die stärksten Signale"

Die Verlockung ist groß. Noch nie war es für kleine Privatanleger so einfach, bei den Großen mitzumischen und sich als große Händler zu fühlen. Sie brauchen nur einen Computer, ein paar Programme und einen Broker, der ihre Aufträge ausführt.

Messestand mit Moderation: Herren unter sich
SPIEGEL ONLINE
Messestand mit Moderation: Herren unter sich
All das gibt es auf der Trading-Messe. Zu den gut 20 Ausstellern zählen bekannte Banken wie die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen, die Commerzbank Börsen-Chart zeigen oder die Schweizer UBS Börsen-Chart zeigen. Doch die größten Menschentrauben bilden sich anderswo: Beim Stand des Internetportals Godmodetrader etwa, wo ein junger Mann mit Haar-Dutt und bedruckter Krawatte die Vorzüge des "Ausbruchstradings" erklärt. "Dreiecke sind die stärksten Signale" sagt er und blickt auf einen Bildschirm mit Zickzacklinien. Die älteren Herren im Publikum nicken.

"Es wollen immer mehr Leute Trader werden", sagt Uwe Wagner. "Einige davon denken, dass sie nach drei Jahren mit 'ner dicken Rolex rumlaufen und schnelle Autos fahren." Wagner ist selbst Trader. Früher arbeitete er bei der Deutschen Bank, heute für einen privaten Familienfonds. Nebenbei gibt er Seminare. "Den Leuten wird viel Quatsch erzählt", sagt er. "Die meisten verlieren ihr Geld, weil sie den Job nicht ernst genug nehmen."

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung