Dax vor neuer Rekordausschüttung Darauf müssen Anleger bei Dividendenaktien achten

Die Top-Konzerne Deutschlands werden für 2017 erneut eine Rekordsumme als Gewinnbeteiligung an ihre Aktionäre ausschütten. Gute Zeiten also für Dividendenjäger - aber wie wählt man eigentlich die richtige Dividendenaktie aus?
Dickes Auto, dicke Dividende: Die Aktie von Daimler erscheint attraktiv für Anleger mit Interesse an Ausschüttungen.

Dickes Auto, dicke Dividende: Die Aktie von Daimler erscheint attraktiv für Anleger mit Interesse an Ausschüttungen.

Foto: Daimler

Wer noch einen Beleg für die Bedeutung von Dividenden für das Aktieninvestment benötigt, sollte sich diese simple Rechnung anschauen: Der deutsche Leitindex Dax  notiert inzwischen auf dem Niveau von 13.000 Punkten - ohne die Dividenden, die bei dem so genannten Performance-Index in die Berechnung einbezogen werden, stünde das Kursbarometer jedoch lediglich bei 6200 Punkten. Die fehlenden knapp 53 Prozent oder 6800 Punkte gehen allein auf die Gewinnausschüttungen der 30 Dax-Konzerne zurück, deren Reinvestition dabei unterstellt wird.

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Dax-Bilanz 2017: Die stärksten Aktien des Jahres ... und die schwächsten

Foto: Boris Roessler/ picture alliance / dpa

Auf diese Kalkulation machen die Analysten der Commerzbank aufmerksam, die vor wenigen Tagen eine Studie zu den Dividendenzahlungen im Dax veröffentlicht haben. Deren wichtigste Aussage: In der Summe werden die Dax-Konzerne für 2017 Dividenden in Rekordhöhe ausschütten. Um satte 11 Prozent wird die Auszahlungssumme demnach im laufenden Jahr steigen, auf insgesamt 35,3 Milliarden Euro.

Ein Grund mehr also, einen Blick auf jene Aktien zu werfen, die als Dividendenpapiere besonders attraktiv sind. Firmen wie Daimler , BMW  oder die Allianz  also, die angesichts niedriger Zinsen ohnehin seit einiger Zeit zunehmendes Interesse von Investoren erfahren.

Die Frage ist nur: Wie sollen Anleger bei der Wahl der richtigen Aktie für das Dividenden-Investment vorgehen? Worauf ist zu achten? Hier der Überblick über die wichtigsten Faktoren, die eine Rolle spielen, und wie sie zu bewerten sind:

Dividende und Dividendenrendite - der feine Unterschied

Dies ist eine recht banale Erkenntnis: Die absolute Höhe der Dividende ist eine vergleichsweise wertlose Information. Erst in Relation zum Kaufpreis der Aktie ergibt sich eine Kennzahl, die aussagekräftiger ist, nämlich die Dividendenrendite.

Anhand der angekündigten Rekordsumme lässt sich das verdeutlichen: 35,3 Milliarden Euro und ein Anstieg um 11 Prozent klingen zunächst einmal beeindruckend. Da der Dax in der Zwischenzeit jedoch ebenfalls stark gestiegen ist, ergibt sich daraus eine Dividendenrendite von lediglich 2,8 Prozent - und das klingt schon deutlich weniger beeindruckend.

Tatsächlich ist diese Rendite eine der niedrigsten, die sich für den Dax bislang überhaupt ermitteln ließ. Nach Angaben der Commerzbank beträgt beispielsweise der Zehn-Jahres-Durchschnitt der Dax-Dividendenrenditen 3 Prozent.

Vernünftiger erscheint es also, zum Vergleich der Aktien deren Dividendenrenditen heranzuziehen. Doch auch dieser Ansatz hat seine Tücken. Denn wer schlicht bei jenen Papieren mit der höchsten Rendite zugreift, macht möglicherweise bereits den nächsten Fehler. Selbstverständlich sollten, wie bei jedem Aktieninvestment, zunächst die wirtschaftliche Situation sowie die Perspektiven des Unternehmens und der Branche, in der es tätig ist, analysiert werden.

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Dax-Bilanz 2017: Die stärksten Aktien des Jahres ... und die schwächsten

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Schließlich kann es für eine hohe Dividendenrendite verschiedene Ursachen geben. Eine - erfreuliche - ist eine gute Gewinnsituation des Unternehmens, das seine Aktionäre mit einer großzügigen Ausschüttung daran teilhaben lässt. Eine andere - weniger erfreuliche - ist ein niedriger Aktienkurs, der womöglich aus mangelndem Investoreninteresse resultiert. Denkbar ist auch, dass ein Konzern allzu hohe Auszahlungen leistet, die gar nicht durch echte Gewinne gedeckt sind, sondern aus der Substanz erfolgen. Auch so lässt sich die Dividendenrendite auf trügerische Weise in die Höhe treiben.

Die Deutsche Telekom , der Chemiekonzern Merck  - einige Beispiele für derart täuschend hohe Dividendenrenditen finden sich in der Übersicht der Dax-Aktien im Jahr 2017.

Wie entwickelt sich die Dividende im Laufe der Zeit?

Vieles spricht daher dafür, anstelle der Dividendenrendite das Dividendenwachstum in den Mittelpunkt der Betrachtung zu rücken: Wie haben sich die Gewinnausschüttungen in der Vergangenheit entwickelt? Und wie werden sie sich voraussichtlich künftig entwickeln? Das Investmenthaus Metzler Asset Management beispielsweise hat seine Anlagestrategie in diesem Bereich genau auf diesen Punkt ausgerichtet. "Empirische Untersuchungen zeigen, dass Strategien, die in Aktien von Unternehmen mit dem höchsten Dividendenwachstum investieren, meist erfolgreicher sind als Investments in Aktien mit der höchsten Dividendenrendite", schreib Metzler-Portfoliomanager Oliver Schmidt dazu in einem Fachartikel.

Dies gelte insbesondere in Phasen mit steigenden Zinsen, so Schmidt. Zu einer solchen Phase wird es nach der aktuellen Niedrigzinszeit ja in Zukunft beinahe zwangsläufig einmal wieder kommen. Dann nämlich, wenn aufgrund höherer Zinsen der aktuell viel zitierte Satz "Die Dividende ist der neue Zins" an Überzeugungskraft verliert.

Der Grund für die Bedeutung des Dividendenwachstums: Steigende Ausschüttungen zeigen eher an, dass ein Unternehmen gesund ist, erfolgreich wirtschaftet und womöglich expandiert. Unerfreuliche Gründe, wie es sie für hohe Dividendenrenditen geben kann, sind bei steigenden Dividenden dagegen kaum denkbar.

Bitte viel ausschütten - aber nicht zu viel

Eine Kennzahl, die ebenfalls Beachtung verdient, ist die Ausschüttungsquote, die mit der Dividende verbunden ist: Welchen Anteil des Gewinns reicht ein Unternehmen an seine Anteilseigner weiter?

Dabei gilt: Anleger wünschen sich womöglich eine hohe Quote, denn sie freuen sich über reichhaltige Ausschüttungen. Allzu hoch sollte die Quote aber dann doch nicht sein. Denn jeder Euro vom Gewinn, der das Unternehmen in Richtung seiner Aktionäre verlässt, kann nicht mehr investiert werden und so womöglich für künftiges Wachstum sorgen. Eine zu hohe Ausschüttungsquote wird von Fachleuten daher auch als Warnsignal betrachtet.

Die aktuell Branchenübersicht scheint das zu bestätigen: Die höchsten Ausschüttungsquoten von 80 Prozent und mehr gibt es bei Versorgungsunternehmen wie Eon  oder RWE  sowie im Öl- und Gassektor. Genau dies sind auch die Branchen, denen aufgrund der Energiewende und des allgemeinen Trends zum Klimaschutz und zur Nutzung regenerativer Energien womöglich eine eher schwierige Zukunft bevorsteht. Metzler-Experte Schmidt jedenfalls meint: "Für mehrere Unternehmen dieser Branchen ist damit zu rechnen, dass künftige Dividendenzahlungen sehr wahrscheinlich stagnieren oder sogar fallen."

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Dax-Bilanz 2017: Die stärksten Aktien des Jahres ... und die schwächsten

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Besser stehen nach Ansicht des Fachmanns dagegen Firmen aus der Finanz- oder Chemiebranche da: Deren Potenzial für künftiges Wachstum sei hoch, meint Schmidt. Die Ausschüttungsquoten in diesen Wirtschaftszweigen liegen derzeit im Schnitt bei kaum mehr als 50 Prozent.

Vorzeigewert Daimler

Nicht zu vergessen: Die Autobranche, die laut Commerzbank einen Großteil der Dividendenlast im Dax trägt. Mit knapp 25 Prozent haben die Autobauer Volkswagen , Daimler , BMW  sowie der Zulieferer Continental  zusammen den größten Anteil aller Wirtschaftszweige am gesamten erwarteten Dividendenaufkommen von 35,3 Milliarden Euro, so die Bank.

Daimler beispielsweise kann dabei als so etwas wie ein Vorzeige-Dividendenwert gelten: Der Aktienkurs des Autobauers bleibt zwar auf Sicht der vergangenen zwölf Monate mit einem Plus von rund 12 Prozent hinter dem Dax zurück, der im gleichen Zeitraum um immerhin 28 Prozent zulegte. Das ist nicht zuletzt einer der Gründe für die vergleichsweise hohe Dividendenrendite von zurzeit mehr als 4 Prozent.


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Attraktiv erscheinen allerdings die weiteren Dividenden-Kennzahlen der Aktie: Der Autobauer hat seine Ausschüttung in den vergangenen Jahren beinahe regelmäßig gesteigert. Für das abgelaufene Geschäftsjahr zahlte Daimler im April eine Dividende von 3,25 Euro je Aktie, und für das kommende Jahr erwarten die Analysten der Commerzbank einen erneuten Anstieg auf 3,50 Euro. Mit insgesamt 3,48 Milliarden Euro war die Dividendensumme der Stuttgarter zuletzt bereits die höchste im Dax - dabei liegt Daimlers Ausschüttungsquote lediglich bei vergleichsweise geringen 41 Prozent des Nachsteuergewinns.

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