Schwellenländer-Börsen im Höhenflug Wo Emerging Markets jetzt noch Renditechancen bieten

Die Börsen der Schwellenländer haben jene in Europa und den USA zuletzt klar abgehängt. Und selbst nach enormen Kursgewinnen gibt es in China, Indien und Co womöglich noch Potenzial.
Börsianer in China: Die Aktien der Schwellenländer sind zuletzt stark gestiegen, doch Experten sehen weiterhin Potenzial.

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Die Börsen weltweit laufen seit Monaten ausgezeichnet - aber einige laufen noch besser als andere. Besonders stark haben sich zuletzt die Aktienmärkte in den Schwellenländern entwickelt. So stieg der Index MSCI Emerging Markets, der diese Märkte zusammenfasst, seit Anfang 2017 um sage und schreibe 45 Prozent. Damit ließen die Börsen in China, Indien, Indonesien und ähnlichen aufstrebenden Volkswirtschaften gemeinsam sogar die Wall Street weit hinter sich, wo etwa der Blue-Chip-Index Dow Jones  im gleichen Zeitraum ein Plus von rund 32 Prozent verzeichnete. Auch der hiesige Leitindex Dax  konnte mit einem Gewinn 16 Prozent mit den EM-Börsen nicht mithalten.

Inzwischen befindet sich der Index MSCI Emerging Markets in der längsten Phase ohne einen zwischenzeitigen Rücksetzer um 10 Prozent oder mehr seit Beginn seiner Berechnung. Kein Wunder also, dass viele Fachleute zunächst mit einer Korrektur rechnen. Jordi Visser etwa, Investmentchef beim 1,3 Milliarden Dollar schweren Hedgefonds Weiss Multi-Strategy Advisers, sagte kürzlich dem Infodienst Bloomberg , die Euphorie sei an einen Punkt gelangt, an dem ein scharfer Rückfall anstehe. Ähnliche Warnungen kamen bereits von Jeff Gundlach, dem prominenten Chefanleger der Investmentgesellschaft DoubleLine Capital, sowie von der US-Bank Goldman Sachs.

Grundlegend jedoch, da sind sich viele Beobachter einig, spricht auch nach den erheblichen Kursgewinnen der vergangenen Monate weiterhin einiges für Aktieninvestments in den Schwellenländern. Die Geschichte dieser aufstrebenden Volkswirtschaften sei per se eine Geschichte der Outperformance, meint etwa Hedgefonds-Chef Visser. In den nächsten fünf oder zehn Jahren werden sie sich seiner Ansicht nach daher verstärkt zum Investment anbieten.

Ähnlich sieht es Mark Mobius, bekannter "Schwellenland-Guru", der sich im Alter von 81 Jahren und nach mehr als 30 Jahren bei der Investmentgesellschaft Franklin Templeton in Kürze aus dem aktiven Geschäft zurückziehen wird. Er erwartet, dass der MSCI Emerging Markets Index im laufenden Jahr sogar noch seinen bisherigen Höchststand von 1338 Punkten aus dem Jahr 2007 übertreffen wird. Bis dahin wäre gegenwärtig immerhin noch ein Anstieg um weitere 6 Prozent erforderlich.

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Ein Faktor, der die Schwellenland-Aktien weiter nach oben bringen kann, ist für Mobius die gegenwärtige Stärke der Währungen dieser Länder gegenüber dem US-Dollar. Auch die US-Analysegesellschaft The Earning Scout macht auf diesen Umstand aufmerksam: Die Dollar-Schwäche müsste vielen Schwellenländern zugute kommen, die in der US-Währung verschuldet sind. Denn dadurch sinken deren Kreditkosten, so die Analysten.

Weitere Gründe, die den Optimismus stützen, nennt beispielsweise die Investmentgesellschaft Raiffeisen Capital Management in einer aktuellen Markteinschätzung, als da wären: Das anhaltend robuste Wirtschaftswachstum, eine zumeist moderate Inflation, sehr niedrige Zinsen, üppige globale Liquidität, verbesserte Unternehmensgewinne, höhere Rohstoffpreise und verbesserte Leistungsbilanzen in vielen der betrachteten Länder.

Fundamental, so Raiffeisen Capital Management, spricht derzeit vieles für Emerging Markets. Und sollte es Risiken oder Unwägbarkeiten geben, so sind diese nach Ansicht des Unternehmens vor allem außerhalb der Schwellenländer auszumachen, wie zum Beispiel ein möglicher, überraschend starker Anstieg der Inflation in den USA oder der Euro-Zone, oder geopolitische Spannungen im Nahen Osten sowie zwischen den USA und Nordkorea.

Hinzu kommt: Auch die Bewertungen der Aktien sind nach Ansicht der Fachleute noch nicht zu sehr in die Höhe gestiegen. Zwar gab es erhebliche Kurszuwächse, gleichzeitig ging es aber auch mit den Unternehmensgewinnen nach oben, meint etwa Raiffeisen. Die Emerging Markets weisen daher insgesamt noch immer einen recht hohen Bewertungsabschlag gegenüber den entwickelten Märkten auf, lautet das Fazit der Investmentfirma.

Mexiko und Türkei besonders günstig

Bleibt die Frage, welche Länder sich besonders zum Investment eignen. Emerging-Markets-Kenner Mobius hält auch die steigenden Rohstoffpreise für einen wichtigen Treiber des künftigen Wachstums. Investmentchancen sieht er daher insbesondere in Rohstoff-starken Ländern etwa in Afrika oder Südamerika, wie er kürzlich in einem Interview mit Bloomberg TV verriet.

Die US-Bank Goldman Sachs dagegen sieht das Wachstum längerfristig vor allem in Asien, also beispielsweise in Korea, Taiwan, China oder Indien. 2018 jedoch, so die Bank kürzlich in einer Analyse, liege der Fokus zunächst auf Ländern mit steigenden Gewinnmargen, als da wären beispielsweise Brasilien sowie Mexiko.

Eine Analyse des Finanzinformationsdienstes Bloomberg  bezog kürzlich zudem gleich eine ganze Reihe volkswirtschaftlicher Faktoren wie etwa das Wachstum, das Zinsniveau sowie die Leistungsbilanzsaldi ein, um künftige Favoriten unter den Schwellenländern zu identifizieren. Ergebnis: Von 20 untersuchten Nationen landeten mit China, Indien, Thailand, Indonesien und den Philippinen fünf Länder aus Asien auf den letzten Plätzen.

Am besten schnitten bei der Untersuchung dagegen Mexiko und die Türkei ab. Der Hauptgrund: Die Entwicklung der Wechselkurse lasse Investitionen dort derzeit vergleichsweise günstig erscheinen.

Anlegern bieten sich also verschiedene Ansätze, um mögliche Investitionsziele zu finden. Eine gute Option ist es allerdings meist, die Mittel etwa über einen Emerging-Markets-ETF breit zu streuen. Doch nicht vergessen: Eine Kurskorrektur erscheint an den Schwellenländer-Börsen gegenwärtig überfällig. Vermutlich ist es eine gute Idee, mit einem Einstieg in den Markt zu warten, bis diese Bereinigung vorüber ist.