Starkes Halbjahresergebnis Kampf um Dax-Platz - Wirecard drängt, CoBa bangt

Aufstrebender Finanz-Technologiedienstleister: Wirecard könnte bald in den Dax aufgenommen werden.

Aufstrebender Finanz-Technologiedienstleister: Wirecard könnte bald in den Dax aufgenommen werden.

Foto: imago/argum
Fotostrecke

Halbjahres-Bilanz am Aktienmarkt: Tech-Dominanz an der Börse - auch Deutsche unter den Stars

Foto: A2800 epa Peter Foley/ dpa

Der Zahlungsdienstleister Wirecard  aus Aschheim bei München wächst weiter rasant. Mit den am heutigen Mittwoch veröffentlichten Geschäftszahlen unterstrich das Unternehmen seinen Anspruch auf einen Platz im deutschen Leitindex Dax  - auch wenn Anleger bei der zuletzt nochmal stark gestiegenen Aktie angesichts der Neuigkeiten am Mittwoch zunächst einmal Gewinne mitnahmen und das Papier mit gut einem Prozent ins Minus schickten.

Wirecard gelang im zweiten Quartal ein Umsatzzuwachs um 40 Prozent auf 477 Millionen Euro, womit das Wachstum allerdings zuletzt leicht nachgelassen hat: Für das erste Halbjahr des Jahres steht damit ein Umsatzplus von 46 Prozent auf 897 Millionen Euro zu Buche. Der operative Gewinn (Ebitda) kletterte von Januar bis Juni um 39 Prozent auf 245,5 Millionen Euro. Im zweiten Quartal betrug das Gewinnplus ebenfalls rund 40 Prozent.

Mit diesen - noch vorläufigen - Zahlen unterstreicht Wirecard seinen Anspruch auf einen Aufstieg in Deutschlands erste Börsenliga. Wie manager-magazin.de bereits berichtet hatte, hat sich das derzeit im TecDax  notierte Unternehmen dank der erfreulichen Geschäftsentwicklung und des rasanten Höhenflugs der Aktie zu einem ernsthaften Aspiranten für den Dax entwickelt - zum Leidwesen der Commerzbank, die nach aktuellem Stand der Wackelkandidat ist, dem der Rauswurf aus dem Dax droht.

Kommt es tatsächlich zu diesem Wechsel im Leitindex, so hätte das durchaus symbolischen Wert: Mit der Commerzbank  müsste ein Vertreter des traditionellen Bankwesens - noch dazu Dax-Gründungsmitglied - den Index verlassen, während mit Wirecard ein Finanzdienstleister dazu stoßen würde, dessen Geschäftsmodell vollständig auf die moderne, stark technisierte und vernetzte Welt ausgerichtet ist. Wirecard fungiert unter anderem als Intermediär zwischen Kreditkartenfirmen und anderen Unternehmen, die bargeldloses Bezahlen ermöglichen. Zudem bietet Wirecard seine Dienste als Zahlungsabwickler für den Online-Handel an. Das Wachstum des Unternehmens basiert damit auf der Teilhabe an verschiedenen Zukunftstrends.

Die Vergangenheit des Unternehmens spielt indes in einer eher althergebrachten Umgebung: Wirecard zählte in den Anfangsjahren vor allem Firmen aus der Porno- und Gambling-Branche zu seinen Kunden und musste daher lange Zeit gegen ein erhebliches Schmuddel-Image ankämpfen. Erst später kamen seriösere Branchen wie Airlines oder Retailer hinzu - und das Wachstum nahm Fahrt auf.

Das spiegelt sich auch im Aktienkurs wider: Innerhalb der vergangenen zehn Jahre stieg das Papier von Wirecard um beinahe 3000 Prozent. Allein im laufenden Jahr hat das Unternehmen seinen Aktienkurs bereits mehr als verdoppelt.

So kurz steht Wirecard vor der Aufnahme in den Dax - und die Commerzbank vor dem Rauswurf

Fotostrecke

Halbjahres-Bilanz am Aktienmarkt: Tech-Dominanz an der Börse - auch Deutsche unter den Stars

Foto: A2800 epa Peter Foley/ dpa

Grundlage dafür war vor allem die starke Bilanz für das Jahr 2017, als der Umsatz um 45 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro stieg und der Nettogewinn um 47 Prozent auf 260 Millionen Euro. Zum Vergleich: Zehn Jahre zuvor hatte Wirecard mit einem Umsatz von 134 Millionen Euro noch einen Nettogewinn von etwa 30 Millionen Euro verbucht.

Schier unaufhaltsam scheint der Anstieg der Wirecard-Aktie vor dem Hintergrund zu verlaufen. Verschiedene "Short-Attacken", die in der Vergangenheit gegen das Papier gefahren wurden, konnten dem Kurs nicht nachhaltig schaden. Ein viel beachteter, kritischer Bericht über Merkwürdigkeiten in der Wirecard-Bilanz, den manager-magazin.de Anfang 2017 veröffentlicht hatte, sorgte zwar vorübergehend für Kursverluste von mehr als 5 Prozent. Dauerhaft haben sich die dadurch vermittelten Zweifel in den Köpfen der Anleger aber offenbar auch nicht festgesetzt - obwohl das Unternehmen seinerzeit nicht alle von manager-magazin.de aufgeworfenen Fragen befriedigend beantworten konnte, hat die Aktie inzwischen wieder deutlich zugelegt.


manager magazin und Mynd  erklären: So funktionieren Short-Attacken

Mynd


Angesichts der am heutigen Mittwoch veröffentlichten vorläufigen Halbjahresergebnisse äußerten sich auch Analysten positiv zu Wirecard. Hannes Leitner von der UBS etwa beließ die Aktie bei der Empfehlung zum "Kauf" mit einem Kursziel von 159 Euro, was ungefähr dem aktuellen Stand entspricht. Auch Knut Woller von der Baader Bank bleibt bei seiner Kaufempfehlung, womit er sich ebenfalls in der Mehrheit seiner Zunft befindet: Von insgesamt rund 20 Analysten, die sich mit dem Papier beschäftigen, ist lediglich einer, nämlich Markus Friebel von Independent Research in Frankfurt, der Ansicht, die Wirecard-Aktie sei überbewertet und sollte abgestoßen werden.

Gut möglich also, dass dem Unternehmen tatsächlich der Sprung in den Dax gelingt. Entscheidend dafür wird ein Ranking sein, dass Anfang September auf Grundlage von Börsendaten aus dem August erstellt wird. Dabei geht es um die Marktkapitalisierung, die das Unternehmen mit seinen im Streubesitz befindlichen Aktien erreicht, sowie um den durchschnittlichen Handelsumschlag, der mit den Aktien erzielt wird. Das sind die beiden Kriterien, die für die Aufnahme in den Dax ausschlaggebend sind.

Das derzeit jüngste Ranking zu diesen Kriterien stammt aus dem Juni ist auf der Website www.dax-indices.com  öffentlich einsehbar. Darauf kommt Wirecard in den beiden Kategorien auf die Rangplätze 24 (Marktkapitalisierung) sowie 25 (Handelsumschlag). Das würde dem Leitfaden der Börse  zufolge für einen sogenannten Fast Entry in den Dax ausreichen. Weichen müsste nach aktuellem Stand die Commerzbank als Dax-Wert mit dem aktuell niedrigsten Marktwert.

Die Entscheidung fällt aber - wie gesagt - erst Anfang September. Bis dahin können sich die Werte und Platzierungen durchaus noch ändern.