Deutsche Börse passt Index-Regeln an Wirecard könnte schon im August aus dem Dax fliegen

Ein Pleitekonzern im deutschen Leitindex - so etwas gab es vor Wirecard noch nicht. Die Deutsche Börse reagiert; nachrücken könnte ein Unternehmen ohne eigenes Deutschlandgeschäft.
Wirecard-Zentrale in Aschheim bei München

Wirecard-Zentrale in Aschheim bei München

Foto: Sven Hoppe/ picture alliance/dpa

Der insolvente Zahlungsabwickler Wirecard muss den deutschen Leitindex Dax  wohl vorzeitig schon im August verlassen. Die Deutsche Börse zieht damit Konsequenzen aus der ersten Pleite eines der 30 Unternehmen im Dax überhaupt, die den Ruf ihres Aushängeschilds zu schädigen droht. Nach den geltenden Indexregeln würde Wirecard erst zum 21. September aus dem Index fliegen - wegen des auf nur noch 260 Millionen Euro eingebrochenen Börsenwerts. Der Druck der Investoren, schneller zu reagieren, wurde aber immer größer. "Unsere Diskussionen mit den Marktteilnehmern haben uns gezeigt, dass dieses Verfahren nicht den Erwartungen eines großen Teils (von ihnen) entspricht", erklärte die Deutsche Börse am Freitag.

Nun sollen die Regeln in den nächsten vier Wochen geändert werden. Künftig sollen Unternehmen nach einem Insolvenzantrag "kurzfristig" aus den Dax-Auswahlindizes (auch MDax , SDax  und TecDax ) ausscheiden. Bisher ist das erst bei der nächsten regulären Überprüfung vorgesehen, die alle drei Monate fällig ist. Spätestens am 13. August soll das Ergebnis einer Umfrage unter Fondsmanagern, Händlern und anderen Investoren feststehen. In der zweiten Augusthälfte dürfte Wirecard dann aus dem Dax herausfallen. Der Zahlungsabwickler, der 2018 in den Leitindex aufgerückt war, hatte nach einem Bilanzskandal am 25. Juni Insolvenz angemeldet.

Zu ihrem Allzeithoch Anfang September 2018 waren Wirecard-Aktien für 199 Euro gehandelt worden; aktuell sind Papiere des Unternehmens für etwa 2 Euro zu haben. Schon kleinste Entwicklungen im Krimi um aufgeblähte Bilanzen  reichen derzeit für dicke Kurssprünge oder -abstürze aus.

Delivery Hero könnte nachrücken

Als Nachrücker hat der Essenslieferdienst Delivery Hero  derzeit die Nase vorn vor dem Aromenhersteller Symrise  aus dem niedersächsischen Holzminden. Delivery Hero hatte sein Deutschlandgeschäft an den Konkurrenten Just Eat Takeaway ("Lieferando") verkauft - als Spiegelbild der deutschen Wirtschaft, die der Dax abbilden soll, kann das ehemalige Start-up damit also kaum gelten. Die Börse hat dem Arbeitskreis Aktienindizes allerdings vor einigen Jahren alle Spielräume zur Dax-Zusammensetzung genommen. Er entscheidet nur nach dem Börsenwert des Streubesitzes und dem Handelsumsatz.

Unabhängig von der Blitzumfrage arbeitet die Börse an einer Reform des Dax-Regelwerks. Bis Ende September will sie ihre Vorschläge dem Index-Arbeitskreis vorlegen und dann erneut die Marktteilnehmer darüber abstimmen lassen. Über die Inhalte hält sich der Indexanbieter bedeckt. Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer (60) hatte bereits vor zwei Jahren eine Erweiterung des bisher aus 30 Werten bestehenden Dax ins Gespräch gebracht. Doch dann gäbe es noch weniger Kontinuität in dem Leitindex.

Ein Thema könnten auch die Berichtspflichten für die Index-Unternehmen sein, die bisher alle drei Monate recht ausführlich Rechenschaft über den Geschäftsverlauf ablegen müssen. Allianz-Chef Oliver Bäte (55) hatte sich dafür ausgesprochen, die vorgeschriebenen Mitteilungen zum ersten und dritten Quartal zu streichen - und steht mit der Forderung im Dax nicht allein.

luk/Reuters
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