Montag, 22. Juli 2019

Erneuter Kurssturz Wirecard-Aktien brechen nach weiterem FT-Bericht erneut ein

Wirecard: Neue Short-Attacke auf die Aktie

Neuer Kurssturz: Die Aktien von Wirecard Börsen-Chart zeigen sind am Freitag erneut stark unter Druck geraten. Ein weiterer kritischer Bericht der "Financial Times" ("FT") über den Zahlungsabwickler ließen den Kurs zeitweise um 31 Prozent auf 99,90 Euro einbrechen. Damit rutschten die Papiere deutlich unter den Tiefstkurs vom Mittwoch von 126 Euro ab, auf den der erste "FT"-Bericht die Aktien am Mittwoch hatten absacken lassen. Die Aktien von Wirecard fielen am Freitag Nachmittag zeitweise mit einem Minus von 30 Prozent unter die Marke von 100 Euro und damit auf das tiefste Niveau seit 9 Monaten. Es wurde zeitweise ein Börsenwert von fast 4,5 Milliarden Euro vernichtet.

Bis zum Handelsschluss auf Xetra (17.30 Uhr) verringerten sie ihr Minus auf 27 Prozent und schlossen auf Xetra bei 105,40 Euro.

Das Papier wird damit immer mehr zu einem Spielball von Short-Sellern und anderen kurzfristig orientierten Investoren, die kritische Berichte wie in der "FT" für Leerverkäufe nutzen.

Eine von Wirecard beauftragte Rechtsanwaltskanzlei habe Hinweise gefunden, dass es in der Wirecard-Niederlassung in Singapur zu ernsthaften Regelverstößen und finanziellen Unregelmäßigkeiten gekommen sei, heißt es in dem "FT"-Bericht vom Freitag. Die Ergebnisse der Untersuchung seien der Wirecard-Führung im Mai 2018 vorgetragen worden.

Eine Sprecherin von Wirecard wies den Bericht der "FT" am Freitag erneut als "irreführend und diffamierend" zurück. Laut Staatsanwaltschaft München gebe es keine Anhaltspunkte für Straftaten, wie sie von der Zeitung geschildert würden. Das Unternehmen hatte bereits den ersten Bericht der FT am Mittwoch hart dementiert.

Für Wirecard Börsen-Chart zeigen ist es einer der schlimmsten Kursrückgänge überhaupt, wenn auch nicht der größte. In der Vergangenheit gab es wiederholt Vorwürfe gegen das Unternehmen, denen Aktienkurseinbrüche und Ermittlungen wegen Marktmanipulation durch die Finanzaufsicht folgten.

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Die "Financial Times" hatte bereits am Mittwoch berichtet, ein Wirecard-Manager in Singapur sei im vergangenen Jahr verdächtigt worden, gegen örtliche Gesetze verstoßen zu haben. In einer firmeninternen Präsentation sei von Dokumentenfälschung und Geldwäsche die Rede. Der Manager arbeite weiterhin bei Wirecard. Der von Markus Braun geführte Dax-Konzern wies den Bericht umgehend als "falsch, ungenau, irreführend und diffamierend" zurück. Er entbehre jeder Substanz.

Der Absturz der Aktie des Zahlungsabwicklers Wirecard Börsen-Chart zeigen ruft auch die Finanzaufsicht Bafin auf den Plan. Die Behörde untersuche, ob es sich dabei um eine mögliche Marktmanipulation gehandelt haben könnte, sagte eine Bafin-Sprecherin.

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Bild: Florian Generotzky für manager magazin

Von Kursabstürzen nach ähnlichen Veröffentlichungen profitierten in der Vergangenheit Investoren, die erst geliehene Aktien verkauft hatten und diese dann billiger zurückkaufen konnten, um die Papiere schließlich an ihre Inhaber zurückzugeben.

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Diese so genannten Leerverkäufe sind zwar legal und an der Börse üblich. Wegen der vorherigen Anschuldigungen ermittelten aber die Bafin und die Staatsanwaltschaft wegen Markmanipulation. Vor einigen Jahren wurden deswegen Führungskräfte der Aktionärsvereinigung SdK verurteilt. Gegen den Herausgeber eines Börsenbriefs ist in München ein Strafbefehlsverfahren anhängig.

la/dpa

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