Sonntag, 26. Januar 2020

FT und Hedgefonds TCI legen nach Wirecard-Aktie stürzt weiter - weitere Hedgefonds gehen short

Wirecard: Aktie bleibt Spielball der Spekulanten
Sven Simon / imago images
Wirecard: Aktie bleibt Spielball der Spekulanten

Erneut abwärts: Die Aktie des Zahlungsabwicklers Wirecard Börsen-Chart zeigen hat am Mittwoch ihren Kursrutsch fortgesetzt und ist auf den tiefsten Stand seit neun Monaten gefallen. Am Abend notierte die Aktie nur noch knapp über der Marke von 104 Euro. Anfang Oktober war sie noch 144 Euro wert. Bereits am Dienstag war die Aktie von Wirecard um rund 7 Prozent auf den niedrigsten Stand seit April gestürzt.

Auslöser der starken Verluste war erneut das Bekanntwerden einer Short-Position. Hatte am Vortag der Hedgefonds TCI Fund Management laut Bundesanzeiger eine Netto-Shortposition von 0,54 Prozent gemeldet, so hat er diese nun auf 0,67 Prozent aufgestockt.

Hinzu kam am Dienstag eine neue Netto-Shortposition von Greenvale Capital in Höhe von 0,54 Prozent sowie am Mittwoch ein weiterer Artikel in der "FT", der Wirecard die Überwachung von Kritikern vorwirft. Die Aktie droht nun unter die Marke von 100 Euro zu fallen, unter die sie bereits im Frühjahr kurzzeitig gestürzt war. Mit leer verkauften Aktien versuchen spekulative Anleger, von fallenden Aktienkursen zu profitieren.

Durch mangelnde Transparenz verschafft Wirecard der "Financial Times" sowie den Hedgefonds immer wieder Angriffsfläche. Während Umsatz und Gewinne wachsen, geraten Fragen der Bilanzierung immer wieder in den Blick: Gegenüber der Zahlungsabwickler-Konkurrenz wie Adyen ist Wirecard deutlich geringer bewertet.

Warum Wirecard so stark schwankt: Wirecard - der Kontrollverlust

Der von Christopher Hohn gegründete Hedgefonds TCI ist für deutsche Investoren kein Unbekannter. TCI war mit einem Anteil von 10 Prozent zeitweise größter Einzelaktionär der Deutschen Börse AG. Im Jahr 2005 hatte TCI die Deutsche Börse Börsen-Chart zeigen dazu gezwungen, ein Übernahmeangebot für die Londoner Börse zurückzunehmen und die Barreserven an die Aktionäre auszuschütten. Börsenchef Werner Seifert nahm daraufhin seinen Hut.

Die Aktie war bereits am Montag unter Druck geraten, nachdem die "FT" dem Unternehmen erneut in einem Bericht Bilanz-Trickserei vorgeworfen hatte. Der Zeitung zufolge rechnete Wirecard Börsen-Chart zeigen in seiner Bilanz für 2017 auf Treuhandkonten geparkte Gelder zu den eigenen Bar-Reserven hinzu. Wirecard weist die Vorwürfe der "Financial Times" zurück. Sämtliche Bargeld-Positionen seien gemäß des IFRS-Buchhaltungsstandards verbucht worden, sagte eine Sprecherin des Online-Zahlungsabwicklers am Dienstag. Wirecard wirft der FT seinerseits vor, mit Leerverkäufern gemeinsame Sache zu machen. Die FT weist dies wiederum zurück.

Die "Financial Times" hat in den vergangenen Monaten mehrfach über angebliche Unregelmäßigkeiten bei den Wirecard-Bilanzpraktiken berichtet. Unternehmenschef Markus Braun hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen und angekündigt, die Bücher von unabhängigen Wirtschaftsprüfern durchleuchten zu lassen.

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