Donnerstag, 18. Juli 2019

Leerverkäufe wieder erlaubt, Aktie schwankt stark Wirecard-Aktie dreht ins Plus - trotz möglicher neuer Short-Attacken

Wirecard: Leerverkäufe nicht mehr verboten

Aktionäre des Zahlungsdienstleisters Wirecard Börsen-Chart zeigen brauchen weiter starke Nerven: Nach dem Ende des Leerverkaufsverbots für die Aktien von Wirecard Börsen-Chart zeigen durch die Finanzaufsicht Bafin haben die Papiere des Zahlungsabwicklers am Dienstag stark geschwankt. Die Schwankungsbreite betrug dabei mehr als 10 Prozent: Notierte die Aktie von Wirecard am Morgen noch rund 8 Prozent im Minus bei 110 Euro, drehte sie am Dienstag Nachmittag zeitweise um rund 3 Prozent ins Plus und kletterten wieder über die Marke von 123 Euro. Für Anleger bleibt es ein wilder Ritt.

Spekulanten können mit dem Ende des Leerverkaufsverbots nun wieder auf fallende Kurse wetten. Das zweimonatige Verbot der Finanzaufsicht war eine kontroverse Maßnahme gegen befürchtete Attacken von Börsenspekulanten auf den Dax-Konzern.

Negativberichte der "Financial Times" (FT) über Gesetzesverstöße von Wirecard-Mitarbeitern in Singapur hatten einen Kurssturz ausgelöst. Von Ende Januar bis Anfang Februar waren sie nach den "FT"-Berichten im Tief um fast 50 Prozent bis auf 86 Euro eingebrochen, bevor sie sich unter starken Schwankungen wieder bis auf 130 Euro berappelten.

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Marktmanipulation

Der Wirecard-Vorstand hatte die Berichte zunächst wütend zurückgewiesen und von Diffamierung gesprochen. Mittlerweile hat die von Wirecard selbst beauftragte Untersuchung einer Singapurer Anwaltskanzlei jedoch ergeben, dass Mitarbeiter in dem südostasiatischen Inselstaat tatsächlich gegen Bilanzregeln verstoßen haben - allerdings weniger gravierend als von der Zeitung berichtet.

In der Zwischenzeit ist nicht nur die Börsenaufsicht eingeschritten: Auch die Münchener Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es bei den Kursturbulenzen nicht mit rechten Dingen zuging. Beide Behörden ermitteln. Die Bafin hatte Anfang der Woche rund ein Dutzend mutmaßlich Beteiligter bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Um wen es sich handelt, teilte die Bafin nicht mit.

Analysten raten daher auch weiter mehrheitlich zum Kauf der Papiere. Mit Kurszielen von 220 Euro und 225 Euro sind dabei die Experten von Hauck & Aufäuser und Kepler Cheuvreux besonders optimistisch, trauen sie doch gemessen am aktuellen Kurs den Aktien damit eine Steigerung von mehr als 100 Euro zu.

Short-Attacken sind ein Kursmanöver, bei dem Spekulanten eine Aktie gezielt zum Absturz bringen. Die Leerverkäufer leihen sich gegen Gebühr Aktienpakete und verkaufen diese. Sinkt anschließend der Kurs, können sie die Papiere günstiger einkaufen und den Eigentümern zurückgeben, die Differenz zwischen Ver- und Einkaufspreis bleibt als Gewinn. Wirecard war bereits 2008 und 2016 Ziel von Short-Attacken geworden.

la, mg/dpa-afx

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