Dienstag, 2. Juni 2020

Short-Attacken nach KPMG-Bericht steigen stark Finanzaufsicht will Wetten gegen Wirecard nicht verbieten

Wirecard-Chef Markus Braun: Leerverkäufer halten bereits mehr als 10 Prozent der Wirecard-Aktien
Peter Kneffel/DPA
Wirecard-Chef Markus Braun: Leerverkäufer halten bereits mehr als 10 Prozent der Wirecard-Aktien

Die Finanzaufsicht Bafin will diesmal nicht gegen die stark gestiegenen Wetten auf Kursverluste der Wirecard-Aktie Börsen-Chart zeigen vorgehen. "Wir planen aktuell kein Leerverkaufsverbot bei Wirecard", sagte eine Sprecherin am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. "Hohe Netto-Leerverkaufspositionen allein sind kein Grund dafür."

Anfang 2019 hatte die Bafin Wetten auf Kursverluste der Wirecard-Aktien für zwei Monate verboten - und sich damit viel Kritik eingehandelt. Wirecard sieht sich seit Jahren immer wieder Vorwürfen der falschen Bilanzierung vor allem bei Auslandstöchtern gegenüber. Um diese aus der Welt zu schaffen, hatte der Aufsichtsrat des Zahlungsdienstleisters im Herbst eine Sonderprüfung durch KPMG in Auftrag gegeben. Die Prüfer konnten allerdings viele Vorwürfe nicht entkräften, zudem warfen sie dem Wirecard-Management Versäumnisse bei internen Kontrollen vor.

Seit der Vorlage des KPMG-Berichts Ende April haben Hedgefonds ihre Wetten auf einen Kurseinbruch der Wirecard-Aktie kräftig erhöht, die im Bundesanzeiger veröffentlichten Netto-Leerverkaufspositionen sind auf über 10 Prozent gestiegen. Das ist nur die Spitze des Eisbergs: Im Bundesanzeiger werden die Geschäfte erst veröffentlicht, wenn die Schwelle von 0,5 Prozent überschritten wird.

Wette der Leerverkäufer bislang auf

Bislang scheint die Wette der Leerverkäufer aufzugehen. Vor der Veröffentlichung des KPMG-Berichts notierte die Wirecard-Aktie noch bei mehr als 130 Euro, danach brach sie ein. Freitagmittag notierte die Aktie von Wirecard Börsen-Chart zeigen bei 83 Euro mit 0,7 Prozent in der Verlustzone während der Dax etwa 1,7 Prozent fester notierte.

Mit Leerverkäufen wetten Anleger auf fallende Kurse. Dabei verkaufen sie Wertpapiere, die sie sich zuvor gegen eine Gebühr leihen. Sinkt der Preis bis zum Rückgabe-Datum, können sie sich am Markt billiger mit den Titeln eindecken und streichen die Differenz ein. Steigt der Kurs dagegen, droht den Leerverkäufern Verlust.


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Wirecard bleibt in der Schusslinie

Die Finanzaufsicht ermittelt bereits seit Anfang 2019 in Sachen Wirecard und hat das Unternehmen mittlerweile an zahlreichen Fronten im Visier. Bislang ist die Bafin aber erst gegen Investoren und Journalisten vorgegangen, die sie im April 2019 wegen Leerverkaufs-Attacken bei der Staatsanwaltschaft München I anzeigte. Rund um kritische Berichte der "Financial Times" hatte es mehrere Leerverkaufs-Wellen gegeben. Die Zeitung hat ein Zusammenspiel mit den Spekulanten stets zurückgewiesen.

Im Februar 2019 hatte die Bafin ein zweimonatiges Leerverkaufs-Verbot verhängt - ein einmaliger Vorgang. Nie zuvor hatte sie Wetten auf Kursverluste einer einzelnen Aktie untersagt. Dieses Vorgehen hatte der Behörde viel Kritik eingehandelt. Ihr wurde unter anderem vorgeworfen, sie schlage sich einseitig auf die Seite des Unternehmens. Die Bafin verteidigt ihr Vorgehen bis heute. Sie habe Hinweise auf Marktmanipulation gesehen und hätte dagegen vorgehen müssen, damit das Vertrauen in die Finanzmärkte nicht erschüttert wird.

Wirecard macht sein Geschäft vorwiegend mit der Abwicklung von Zahlungen im Internet für mehr als 300.000 überwiegend kleine und mittlere Händler. Dass das Unternehmen auch in der Corona-Krise weiterhin steigende Umsätze für das erste Quartal meldete, geriet angesichts der hohen Aktivität von Leerverkäufern zuletzt in den Hintergrund. Wirecard hatte kürzlich angekündigt, den Vorstands umzubauen, um die Kritik an der Corporate Governance zu begegnen und Investoren zu beruhigen - offensichtlich bisher ohne großen Erfolg.

rei/Reuters

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