Montag, 19. August 2019

Rasantes Comeback - und ein neuer Kurssturz Das wacklige Comeback des Dax-Exoten Wirecard

Fester Stand? Wirecard-Chef Braun (vorne) hofft auf ein Ende der heftigen Kursschwankungen

Manipulationsvorwürfe ließen die Aktie des Dax-Konzerns Wirecard Anfang des Jahres einbrechen. Inzwischen hat das Papier mit einer Kursrally von 60 Prozent die Verluste wieder wettgemacht. Doch Anleger können den Kurssturz noch nicht abhaken.

Es ist schon jetzt eines der Comebacks des Jahres: Die Aktie des Dax-Mitglieds Wirecard Börsen-Chart zeigen notierte in dieser Woche zeitweise wieder über der Marke von 160 Euro. Binnen sechs Wochen hat das Papier einen Kursgewinn von rund 60 Prozent erzielt - ein solcher Zuwachs ist im Dax Börsen-Chart zeigen eine Seltenheit.

Damit kehrte Wirecard kurzzeitig wieder auf das Kursniveau zurück, auf dem die Aktie vor dem durch Vorwürfe der "Financial Times" ausgelösten Kurssturz notiert hatte. Doch ausgestanden ist die Affäre um mögliche falsche Bilanzierung für Wirecard-Aktionäre noch immer nicht: Kaum hat die Aktie das Vorkrisen-Niveau erreicht, setzte zum Wochenschluss eine neue Verkaufswelle ein und drückte die Aktie wieder unter die Marke von 140 Euro. Wirecard bleibt anfällig und die Aktie schwankt weiterhin extrem - die Gründe dafür sind vielfältig.

Wirecard ist noch immer ein Exot unter den Dax-Werten. Von allen 30 gelisteten Konzernen kann der Zahlungsabwickler aus Aschheim bei München - neben SAP Börsen-Chart zeigen - am ehesten von sich behaupten, bei der Digitalisierung der Welt vorne dabei zu sein, ähnlich wie es in den USA für Tech-Riesen wie Google Börsen-Chart zeigen, Amazon Börsen-Chart zeigen oder Facebook Börsen-Chart zeigen gilt.

Wirecards Wachstum verlief bislang ebenfalls ähnlich rasant wie jenes, das die amerikanische IT-Elite in ihren frühen Jahren hinlegte: Kürzlich gab das Unternehmen für das vergangene Jahr ein Plus bei Umsatz und Gewinn von jeweils mehr als 35 Prozent bekannt. In ähnlichem Tempo geht es bereits seit Jahren voran - der Aktienkurs von Wirecard Börsen-Chart zeigen ist in den vergangenen zehn Jahren um mehrere Tausend Prozent angestiegen. Wirecards Chef Markus Braun wurde dadurch sogar zum Milliardär.

Schwer durchschaubares Geschäftsmodell

Ein Manko hat Wirecard allerdings, und darin unterscheidet sich der Dax-Newcomer, der erst im Herbst des vergangenen Jahres in den Leitindex aufstieg, von den meisten großen IT-Konzernen in den USA: Das Geschäftsmodell des deutschen Highflyers ist schwer durchschaubar und seine Aktivitäten, die sich über den gesamten Globus und auf zahlreiche Tochterunternehmen verteilen, für den Außenstehenden kaum zu überblicken.

Kurz gesagt ist Wirecard ein Finanzdienstleister, dessen Geschäfte vollständig auf die moderne, stark technisierte und vernetzte Welt ausgerichtet sind. Das Unternehmen fungiert unter anderem als Intermediär zwischen Kreditkartenfirmen und anderen Unternehmen, die bargeldloses Bezahlen ermöglichen. Zudem bietet Wirecard seine Dienste als Zahlungsabwickler für den Online-Handel an.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Das klingt einfach - Wirecards Wirklichkeit ist jedoch deutlich komplexer. Aus Sicht von Investoren hat das Nachteile. Zum einen wirkt ein Investment in Wirecard-Aktien riskanter als bei anderen Unternehmen, weil die Perspektiven augenscheinlich - zumal für Privatanleger - schwerer einzuschätzen sind. Zum anderen wirkt das Unternehmen anfälliger für kursbewegende Kritik und ähnliche Attacken von außen. Bei Vorwürfen lässt sich kaum auf die Schnelle überprüfen, was dran sein könnte - der Schaden im Depot entsteht jedoch im Zweifel dennoch.

Kursstürze und Short-Attacken sind für Wirecard keine Seltenheit

Mehrfach wurde der Kurs der Wirecard-Aktie in der Vergangenheit auf diese Weise bereits empfindlich in den Keller befördert. Jüngstes Beispiel ist die Berichterstattung der "Financial Times" von Anfang dieses Jahres, als die britische Zeitung über angebliche kriminelle Manipulationen durch Wirecard-Manager in Singapur schrieb. Endgültig geklärt ist die Sache zwar bis heute nicht.

Eine Untersuchung durch eine von Wirecard beauftragte Kanzlei ergab jedoch später, dass es wohl Verstöße gab, kaum aber von der Schwere und Tragweite wie durch die "FT" behauptet. Im April konnte Wirecard-Chef Braun zudem eine von Wirtschaftsprüfern uneingeschränkt testierte Bilanz für 2018 vorlegen.


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Der Schaden für die Investoren war dennoch immens. Die Wirecard-Aktie brach Ende Januar/Anfang Februar dieses Jahres aufgrund der Berichterstattung um bis zu 40 Prozent ein. Auch ein zeitweiliges Leerverkaufsverbot von Wirecard-Aktien sowie rechtliche Schritte,die das Unternehmen später gegen die Zeitung sowie den federführenden Reporter unternahm, konnten daran nichts ändern.

Aktie bleibt anfällig - für Gewinnmitnahmen und für neue Vorwürfe

Das inzwischen erfolgte Comeback der Wirecard-Aktie hat insofern einen faden Beigeschmack: Das Unternehmen bleibt anfällig für neue Gerüchte und Short-Attacken. Es scheint jederzeit möglich, den Kurs des Papiers erneut zum Einknicken zu bringen. Einen Beleg dafür erhielten die Investoren in dieser Woche: Seit Mittwoch ist das Wirecard-Papier erneut binnen drei Tagen um rund 10 Prozent eingeknickt.

Als Auslöser neben den Gewinnmitnahmen in einem ohnehin schwachen Markt galt ein Bericht des Finanz-Blogs Finanz-Szene.de über eine Wirecard-Tochter in Dubai, die im vergangenen Jahr für die Hälfte des Gewinns des Konzerns gesorgt habe, jedoch weder über einen Internetauftritt noch über einen einsehbaren Jahresabschluss verfüge. Börsianer verwiesen zudem auf einen "Handelsblatt"-Bericht, wonach Wirecard im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen betrügerische Online-Börsenhändler ins Visier der Behörden geraten sei. Dem Bericht zufolge haben betrügerische Internet-Anbieter wie "Option888" über Konten bei der Wirecard Bank Gelder von Kunden für hoch riskante Geschäfte eingesammelt. Das Geld sei aber nie investiert worden, sondern in dunklen Kanälen verschwunden.

Ein Sprecher des Unternehmens wies dies zurück: Seines Wissens gehe niemand in dem Zusammenhang gegen Wirecard vor, hieß es in einer Stellungnahme. "Aufgrund unseres Risikomanagements wurde der Kunde frühzeitig aktiv gekündigt." Alle Kunden würden nach Wirecard-Angaben vorab nach dem Geldwäschegesetz überprüft und laufend überwacht.

Ein neuer Verdachtsmoment also - mehr aber auch zunächst mal nicht.

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