Investoren spekulieren auf Kursverfall Short-Attacken - Lufthansa leidet mehr als Deutsche Bank

Von Arne Gottschalck

Geld verdienen mit fallenden Kursen: Deutsche Unternehmen werden "geshorted", wenn bestimmte Investoren mit einem Kursrutsch rechnen. Um zu "shorten", müssen sie sich die Papiere zum Beispiel von einer Bank gegen eine Gebühr leihen - und die Papiere dann sofort verkaufen. Geht die Rechnung der Leerverkäufer auf und die Aktie verliert tatsächlich an Wert, können sie die Papiere später zum dann gesunkenen Kurs zurückkaufen und dem Verleiher zurückgeben. Die Differenz zwischen ihrem Verkaufskurs und dem niedrigeren Rückkaufkurs ist ihr Gewinn. Ein Geschäft der Stille.

Nur der Bundesanzeiger protokolliert diese Angriffe fein säuberlich.

Üblicherweise sind es Hedgefonds, die so handeln. Aber auch bestimmte herkömmliche Investmentfonds können Aktien "shorten": Sie durchsuchen das Aktienuniversum nach solchen Papieren, von denen sie einen deutlichen Rückgang erwarten. Ein Überblick über die jüngsten Opfer der Short-Attacken - und die Investoren, die laut Bundesanzeiger hinter den Short-Attacken stehen.

Deutsche Bank

Deutsche Bank: Welche Hiobsbotschaften kommen noch?

Deutsche Bank: Welche Hiobsbotschaften kommen noch?

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Die Deutsche Bank  war lange ein Vorzeigeunternehmen Deutschlands. Jetzt ringt das Finanzhaus mit zutiefst irdischen Problemen. Die Niedrigzinspolitik der Notenbanken erschwert das Bankgeschäft. Hohe Strafzahlungen in den USA stehen im Raum, sogar über Staatshilfen wurde spekuliert. Und die Deutsche Bank muss sich mit Investoren wie Marshall Wace oder AQR Capital herumschlagen. Die halten nämlich jeweils eine Short-Position, Marshall Wace von 0,88 Prozent, AQR von 0,5 Prozent.

Marshall Wace? Ist ein Londoner Hedgefonds, der einiges an Geld mit Short-Strategien verdient hat. Im August 2014 zum Beispiel 27 Millionen Euro, nachdem die Manager auf den Kurssturz des Banco Espirito Santo aus Portugal gesetzt haben - und die kollabierte.

AQR Capital ist 1998 vom ehemaligen Goldman-Sachs-Mann Clifford S. Asness gegründet worden und bietet seinen Kunden unter anderem Hedgefonds an. Der Unternehmenssitz? Natürlich in Greenwich, einer der Lieblingsstandorte für amerikanische Hedgefonds.

Ein hartes Los? Viel stärker erwischte es zuletzt die Lufthansa.

Quelle: Bundesanzeiger

Datum: 4. Oktober, 29. September

Lufthansa

Unklarer Kurs: Das scheint die "Shorties" zu locken

Unklarer Kurs: Das scheint die "Shorties" zu locken

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Für das Luftfahrtunternehmen Lufthansa  verzeichnet der Bundesanzeiger seit Anfang Oktober gleich 3 Fonds, die auf fallende Kurse setzen. Marhall Wace hat eine Short-Position von 2,1 Prozent aufgebaut, Blue Ridge Capital eine von 3,12 und World Quant eine von 0,6 Prozent.

Marshall Wace? Siehe oben. Blue Ridge Capital ist ein Hedgefonds mit Sitz in New York. Und weltweit aktiv - das hat auch die Lufthansa erfahren. World Quant wiederum ist ein Hedgefonds aus Greenwich, der vom ehemaligen Millennium-Manager Igor Tulchinsky gegründet wurde. Der Fonds ist zahlengetrieben - die strategischen Visionen vom Lufthansa-Vorstand oder anderen Investments interessiert nicht. Es riecht also nach Long-Short. Die guten ins Töpfchen, Long gehen und damit auf steigende Kurse setzen. Und die schlechten? Eben ins Kröpfchen. Oder Shorten.

Quelle: Bundesanzeiger

Datum: 5. Oktober, 5. Oktober, 4. Oktober 2016

Commerzbank

Commerzbank: Finanzaktien sind derzeit nicht wirklich beliebt

Commerzbank: Finanzaktien sind derzeit nicht wirklich beliebt

Foto: Roman Pilipey/ dpa

Noch eine Bank, über deren Zukunft der eine oder andere Investor offenbar skeptisch ist. Vielleicht, weil über eine Fusion der Commerzbank (Kurswerte anzeigen) mit der Deutschen Bank sinniert wurde? Und man bei Blackrock den Stab über diese Idee brach?.

Gleichviel, Marshall Wace hält eine Short-Position von 0,72 Prozent an der Bank.

Marshall Wace? Sie oben.

Quelle: Bundesanzeiger

Datum: 5. Oktober 2016

Evonik

Das Logo des Chemiekonzerns Evonik

Das Logo des Chemiekonzerns Evonik

Foto: DPA

Spezialchemie scheint ein schwieriges Geschäftsfeld zu sein - immerhin schenkt Citadel dem Haus Evonik offenbar kein Vertrauen. Der US-Fonds sitzt auf einer Short-Position von 0,73 Prozent - und ist damit eine Wette auf den Kursverfall des Unternehmens eingegangen.

Ken Griffin ist Herr über Citadel und einer der bekanntesten Namen der Hedgefondsbranche - vielleicht auch wegen seiner Vorliebe für edle Immobilien, wie er 2015 durch den Kauf einer exklusiven Wohnung in New York für 200 Millionen Dollar unter Beweis stellte.

Quelle: Bundesanzeiger

Datum: 4. Oktober 2016