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Teure Lebensmittel Wie Anleger auf die steigende Inflation reagieren

Stark steigende Lebensmittelpreise heizen die Inflation an. Sparer kostet das bares Geld, denn der durch Notenbanken gedrückte Realzins fällt weiter. Wer Rendite sucht, muss das Risiko steigern - und sich zum Beispiel die Lebensmittel-Riesen genauer anschauen.

Hamburg - Butter plus 30 Prozent, Kartoffeln plus 44 Prozent, Strom plus 12 Prozent: Die Preissteigerungen in vielen Bereichen des täglichen Lebens dürften zahlreichen Menschen bereits Sorgen bereiten. Die amtliche Bestätigung kam in dieser Woche vom Statistischen Bundesamt, das die Inflationsrate für den Juli auf 1,9 Prozent taxierte. So stark war die Geldentwertung in diesem Jahr bislang noch nicht.

Für Geldanleger hat die Inflationsrate eine besondere Signalwirkung. Denn wer wissen will, welche Rendite seine Investments wirklich bringen, muss aus der nominalen Wertentwicklung die Geldentwertung herausrechnen.

Das Ergebnis fällt im aktuellen Niedrigzinsumfeld ernüchternd aus: Viele festverzinsliche Anlageangebote - seien es Festgeld, Tagesgeld oder bundesdeutsche Staatsanleihen - bringen momentan eine Verzinsung unterhalb der Inflationsrate. Dieser sogenannte negative Realzins führt dazu, dass das Vermögen der Anleger de facto schrumpft - trotz eines positiven Zinssatzes.

Damit nicht genug. Auch auf andere Bereiche der Vermögensbildung und Vorsorge wirkt sich das Zinstief aus. Lebensversicherer beispielsweise haben Mühe, das versprochene Leistungsniveau für ihre Kunden zu halten. So kommt es häufiger vor, dass Policen gekündigt werden, weil die Versicherten anderswo bessere Renditechancen vermuten. Zudem geraten Experten zufolge auch Betriebsrenten unter Druck.

Schleichende Enteignung kostet Milliarden

Die Postbank  hat errechnet, dass das Vermögen, das die Deutschen bei Banken und Sparkassen angelegt haben, durch die schleichende Enteignung via Niedrigzinsen allein im laufenden Jahr 14 Milliarden Euro an Wert verliert. Im kommenden Jahr, so das Institut, könnten sogar 21 Milliarden Euro verloren gehen.

Die Krux: Ein Ende dieser Entwicklung ist kaum abzusehen. Auslöser des Zinstiefs sind die Zentralbanken, die rund um den Globus die Leitzinsen niedrig halten und die Märkte zudem mit massenhaft Liquidität fluten. Gleichzeitig drohen die Notenbanken mit dieser Vorgehensweise die Inflation zusätzlich anzutreiben.

Zwar gab es in den USA bereits Anzeichen, dass die ultralockere Geldpolitik der dortigen Notenbank Fed allmählich zurückgefahren werden könnte. In Europa sitzt jedoch die Europäische Zentralbank (EZB) am Ruder, und deren Präsident Mario Draghi machte bislang bei jeder Gelegenheit klar, dass an ein Ende der Niedrigzinspolitik derzeit nicht zu denken sei.

Auch die jüngsten Konjunkturdaten dürften daran nicht viel ändern. In dieser Woche kam die Meldung, dass die Euro-Zone nach anderthalb Jahren erstmals die Rezession hinter sich gelassen hat. Zugpferde dafür waren jedoch vor allem Deutschland und Frankreich. Die wirtschaftlichen Probleme im Süden des Kontinents dagegen, in Griechenland, Italien, Spanien und Portugal, wiegen nach wie vor schwer.

Nicht alle Aktien taugen als Mittel gegen die Geldentwertung

Anleger können daraus vor allem eine Konsequenz ziehen: Wer Rendite sucht, muss das Risiko erhöhen. "Nur wenn man höheres Risiko eingeht, kann man mehr erwarten", sagt Finanzexperte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Statt alles auf eine Karte zu setzen, sollten Sparer nach seiner Ansicht auch Immobilien, Immobilienfonds und weltweit streuende Aktienfonds ins Portfolio nehmen.

Mit der Einschätzung steht der Verbraucherschützer nicht alleine da. Vor allem Aktien und Aktienfonds werden als Anlagealternative häufig genannt, denn sie bringen verschiedene Vorteile mit. So ermöglicht der Aktienmarkt hohe Flexibilität in der Dauer der Anlage sowie im Anlagevolumen. Zudem besteht die Möglichkeit einer sehr individuellen Zusammenstellung des Depots, das dann mittel- bis langfristig - gemessen an Erfahrungswerten - attraktive Renditen verspricht, zusammengesetzt aus Wertzuwachs und Dividenden.

Auf der anderen Seite besteht an der Börse aber auch wie in kaum einer anderen Anlageklasse das Risiko, überraschende und überaus empfindliche Verluste zu erleiden.

Unternehmen müssen Preissteigerungen weitergeben können

In Zeiten steigender Inflation setzen viele auf Aktien: "Als Unternehmensbeteiligungen haben Aktien Sachwertcharakter und bieten Investoren einen vergleichsweise guten Schutz gegen Inflation", sagt etwa Gerald Kichler, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch.

Voraussetzung sei allerdings, dass die Unternehmen Preissteigerungen auch an ihre Kunden weitergeben können. Nur so würden Umsätze und Gewinne ebenfalls inflationiert, so Kichler.

Einen gleich zweigeteilten Inflationsschutz sieht Timo Carstensen, Senior Portfolio Manager bei Gothaer Asset Management bei Aktien. "Zunächst profitiert der Aktionär als Miteigentümer des Unternehmens davon, dass bilanzielle Vermögenswerte wie Immobilien, Grundstücke oder Maschinen einen direkten Inflationsschutz gewähren", sagt er.

Gesucht: Unternehmen mit stabilem Geschäft

Der weit bedeutendere Effekt entsteht nach Ansicht Carstensens allerdings, wenn steigende Produktionskosten über höhere Preise an Kunden weitergegeben werden. "Im Optimalfall kann die reale Gewinnespanne des Unternehmens dadurch konstant gehalten werden", sagt er. "Nominal - also unter Berücksichtigung der inflationsinduzierten Steigerung - nimmt der Unternehmensgewinn sogar zu."

Damit ist die Gretchenfrage allerdings noch nicht beantwortet: Welche Firmen am Aktienmarkt haben in diesem Inflationspoker die besten Karten? "Geeignet sind Unternehmen, die über ein stabiles Geschäftsmodell, hohe Margen und eine sehr gute Wettbewerbsposition verfügen", sagt Kichler. "Wichtig sind zudem die Gewinnausschüttungen. Ein Unternehmen sollte über viele Jahre den Nachweis erbracht haben, ein verlässlicher Dividendenzahler zu sein."

So sieht es auch Gothaer-Manager Carstensen. Sein Augenmerk legt er auf größere Unternehmen, die Produkte des täglichen Bedarfs vertreiben, oder die für Kunden unverzichtbar sind. Die Nahrungsmittelindustrie etwa zählt Carstensen dazu, ebenso wie den pharmazeutischen Bereich. "Auch Rohstoff- und Immobilienaktien können dem Anleger guten Inflationsschutz bieten", sagt er.

Steigen wie gegenwärtig die Lebensmittelpreise, so werden Firmen aus der Nahrungsmittelbranche von den Investmentexperten besonders häufig genannt. Der Lebensmittelriese Nestlé  etwa gilt vielen als eine der solidesten Aktienanlagen überhaupt.

Auch Jean-Charles Mériaux, Aktienspezialist und Leiter des Fondsmanagements bei DNCA Finance in Paris, sieht die Favoriten in diesem Sektor. Als Beispiele nennt er große Handelsketten wie Metro , Casino , Darty  und Reckitt  sowie den Lebensmittelproduzenten Aryzta . "Ebenfalls interessant bleiben Immobilienaktien und Versorgertitel", sagt Mériaux. "Zum Beispiel Veolia ."

Dax liegt ex Dividenden erst bei 4450 Zählern

Bleibt nur noch eine Frage: Sollte das bereits hohe Kursniveau am Aktienmarkt nicht trotz aller guten Argumente vorsichtig stimmen? Die Antworten der Investmentprofis, die ihr Geld in dem Geschäft verdienen, fallen - wenig überraschend - optimistisch aus. "Aus unserer Sicht ist der Aktienmarkt im Vergleich zu anderen Anlageklassen immer noch attraktiv - auch wenn es in den vergangenen Jahren zweifellos Phasen gab, in denen der Markt günstiger bewertet war", sagt etwa Flossbach-von-Storch-Mann Kichler.

Auch vor den vermeintlichen Höchstkursen beim Dax  sollte sich seiner Ansicht nach niemand fürchten. "Rechnet man die Dividenden heraus, notiert der Index bei 4450 Punkten", sagt Kichler. "Das sind fast 30 Prozent weniger als im Rekordjahr 2000."

Ähnlich sieht es Tilmann Galler, Clientportfolio-Manager bei J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt. "Die Bewertungsniveaus von Aktien sind trotz dreijährigen Bullenmarktes noch nicht teuer", sagt er. "Im Gegenteil: Viele Märkte handeln trotz der KGV-Expansion der vergangenen Quartale noch unter ihrem langjährigen Durchschnitt."

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