Sonntag, 21. April 2019

Bazooka 2.0 Womit die Fed die Anleger nun beruhigen will

Fed-Chefin Yellen: Das Anleihe-Kaufprogramm läuft aus. Doch die Notenbank ist weiterhin an Ruhe an den Finanzmärkten interessiert

Lange hat die Federal Reserve Bank Zweifel mit Geld fortgespült - mit dem "Quantitative Easing" (QE) Programm. Doch diese Strategie läuft aus. Womit will die Zentralbank Investoren nun bei der Stange halten?

Hamburg - Lange war die Politik der Federeal Reserve Bank (Fed) klar - mit viel Geld die Probleme fortzuspülen. Wenn Kredite günstig zu haben sind, sollten Unternehmen und Privatleute früher oder später wieder beginnen, auf Pump zu investieren beziehungsweise zu konsumieren.

Flankiert wurde dieser Prozess vom "Quantitative Easing" (QE), dem massiven Aufkauf von Anleihen. Auch damit sollte unter anderem Geld auf den Markt gebracht werden. Doch diese Strategie läuft langsam aus. Und prompt sehen die Börsen wieder wackelig aus.

Müsste die Fed also wieder QE betreiben? Müsste sie vielleicht, doch sie wird es nicht tun, um ihre Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren, indem sie den einmal eingeschlagenen Pfad des "tapering" wieder verlässt.

Was bleibt also Janet Yellen? "Verbal Easing" (VE), so nennt es Priya Misra von der Bank of America, berichtet die Seite business insider.

Verbales Beschwichtigen also, um die Investoren davon zu überzeugen, dass eine Zinserhöhung noch nicht kommt und sie weiter im ähnlichen Umfeld investieren können. Die Fed könnte dazu zum Beispiel die Aufmerksamkeit der Anleger wieder auf Fakten wie die Inflationserwartung lenkt und damit deutlich machen, dass sie noch Zeit braucht, um die Leitzinsen wieder anzuheben.

Verbal easing wäre damit eine Weiterentwicklung der bekannten Strategie der "Forward Guidance", bei der die Zentralbanken genau darauf achten, den Investoren und der Realwirtschaft ihren groben Fahrplan der näheren Zukunft zu erklären, um Überraschungen zu vermeiden.

Diese Lenkung indes war oftmals eher wolkig. Ein klassisches Beispiel ist die Formulierung, die Leitzinsen würden für einen "ausgedehnten Zeitraum" niedrig bleiben. Wie lang so ein Zeitraum dauert, wussten und wissen vermutlich nicht einmal Yellen & Co. Doch allein die Ankündigung so eines Zeitraums macht den Investoren klar, dass erst einmal alles beim Alten bleibt und damit für sie kalkulierbar.

VE wäre nun ein weiterer Schritt - ein bisschen genauer als die "forward guidance". Aber nur ein bisschen. Denn je präziser die Ankündigung, um so wahrscheinlicher, dass sie der Realität angepasst werden muss - und Investoren damit erschreckt werden. Genau das aber wollen die Zentralbanken der Welt auf jeden Fall vermeiden. Egal, mit welcher Strategie.

Folgen Sie Arne Gottschalck auf twitter

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung