Montag, 14. Oktober 2019

Börsengang Ende September geplant Trotz zögernder Investoren - WeWork will an die Nasdaq

Umstrittener Chef: WeWork-CEO Adam Neumann ruft bei Investoren einige Vorbehalte hervor.

Beim Börsengang des US-Büroraumvermieters WeWork wird es konkret: Wie das "Wall Street Journal" berichtet, hat sich die Muttergesellschaft We Company für die Technologiebörse Nasdaq als Handelsplatz für die Aktien des Unternehmens entschieden. Das IPO solle in der Woche ab dem 23. September über die Bühne gehen, zitiert die Zeitung Personen, die mit der Angelegenheit vertraut seien.

Zuvor wolle WeWork noch eine Roadshow veranstalten, um Investoren von einem Engagement zu überzeugen. Die Nachfrage nach den Aktien ist offenbar deutlich geringer als erwartet, weshalb auch die Vorstellungen zur Bewertung von WeWork bereits heruntergeschraubt werden mussten.

Vor wenigen Tagen berichtete das "Wall Street Journal" bereits, WeWork werde beim Börsengang womöglich mit weniger als 20 Milliarden Dollar bewertet. Das wären bereits weniger als die Hälfte der ursprünglich von dem Unternehmen angestrebten Bewertung in Höhe von bis zu 47 Milliarden Dollar. Laut "Financial Times" rechnen die Verantwortlichen inzwischen sogar nur noch mit einem Unternehmenswert von 15 Milliarden Dollar - nachdem WeWork früher von der US-Bank Goldman Sachs schon einmal auf 65 Milliarden Dollar taxiert worden war.

Ein Grund für die Zurückhaltung der Investoren dürften merkwürdige Finanztransaktionen des Managements um Unternehmensgründer Adam Neumann im Vorfeld der Emission sein. Zudem gibt es offenbar Kritik an bestimmten Corporate-Governance-Regelungen an der WeWork-Spitze. Auf letzteres wollen die Verantwortlichen den Berichten zufolge im Vorfeld des IPOs noch reagieren.

So ist der "Financial Times" zufolge beispielsweise geplant, besondere Stimmrechte des Gründers Adam Neumann zu ändern. Neumann verfügt der Zeitung zufolge gegenwärtig über Aktien mit dem 20fachen Stimmrecht gegenüber herkömmlichen Aktionären - das könnte möglicherweise beschnitten werden.

Bei einer weiteren möglichen Änderung im Bereich Corporate Governance spielt Neumanns Gattin Rebekah Neumann, die ebenfalls zu den Gründern des Unternehmens gehört, eine Rolle. Rebekah Neumann befindet sich gegenwärtig in einem Gremium, welches den Nachfolger oder die Nachfolgerin für Unternehmenschef Adam Neumann auswählen würde, sollte dieser sterben oder aus einem anderen Grund als Chef plötzlich ausfallen. Weil diese Rolle der Gattin bei Investoren offenbar auf Skepsis stößt, soll sie geändert werden, so die "Financial Times".

Einer, der schon jetzt vom holprigen WeWork-IPO profitiert, ist indes Mark Dixon, Chef des Schweizer WeWork-Rivalen IWG. Die Zweifel an der Seriosität der WeWork-Offerte haben den Aktienkurs von IWG beflügelt, berichtet Bloomberg. Das kam auch dem persönlichen Vermögen von CEO Dixon zugute.

Der gebürtige Brite stand dem Bericht zufolge bereits kurz davor, seinen Status als einer von Großbritanniens wenigen Milliardären unter den CEOs zu verlieren. Durch den jüngsten IWG-Kursaufschwung sei sein Vermögen jedoch um mehr als 500 Millionen Dollar gestiegen, so Bloomberg. Damit sei zumindest diese Gefahr vorläufig gebannt.

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