Börsengang von Milliarden-Start-up wohl schon im September Warum es WeWork-Gründer Neumann nun sehr eilig hat

Adam Neumann, Gründer des Coworking- und Immobilien-Start-ups WeWork

Adam Neumann, Gründer des Coworking- und Immobilien-Start-ups WeWork

Foto: China Stringer Network / REUTERS

Auf einmal könnte es dann doch viel schneller gehen als gedacht: Offenbar weil Führungskräfte von WeWork ein schlechteres Börsenklima fürchten, soll das Coworking- und Immobilien-Start-Ups schon im September an die Börse gehen, berichtet das "Wall Street Journal" . Der IPO-Prospekt könnte demnach in wenigen Wochen veröffentlicht werden. Früheren Berichten zufolge hatte WeWork den Gang an die Börse eigentlich zum Jahresende geplant.

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Das mittlerweile in WeCompany umbenannte Start-up, war nach einer letzten privaten Finanzierungsrunde, an der sich Softbank beteiligt hatte, mir rund 47 Milliarden Dollar bewertet worden. Ob öffentliche Investoren diese Bewertung ebenfalls so taxieren, ist völlig offen. Schließlich hatte WeWork seinen Verlust zu Jahresbeginn auf 1,9 Milliarden mehr als verdoppelt und - was Investoren vielleicht noch mehr abschrecken könnte - machte damit zuletzt mehr Miese als Umsatz.

Irritierend dürfte zuletzt auf Investoren gewirkt haben, dass WeWork-Gründer Adam Neumann noch vor dem geplanten Börsengang Kasse machte. 700 Millionen Dollar habe Neumann mit dem Verkauf oder Beleihung von Anteilen einspielt, berichtete ebenfalls das WSJ. Potenzielle Investoren sehen es aber lieber, wenn Gründer ihr Kapital bis zum Börsengang in dem Unternehmen belassen. Wieviel Anteile der 40-Jährige an WeWork tatsächlich hält, ist nicht bekannt.

Zweifelsohne dürfte der geplante IPO als letzter größerer Test für das Interesse von Investoren an Unternehmen gelten, die viel Geld verbrennen aber in privaten und somit wenig transparenten Finanzierungsrunden hoch gehandelt werden. Ernüchternde Beispiele gab in der Vergangenheit durchaus:

So verloren die Aktien des zuvor hochgehandelten Fahrdienstvermittlers Lyft in den ersten Wochen gut ein Fünftel ihres Wertes. Gut einen Monat nach seinem Börsengang, der bei einem Ausgabepreis von 72 Dollar rund drei Milliarden Dollar in Kasse von Lyft spülte, stellte Lyft dann seinen verdutzten Anteilseignern noch ein miserables Jahr in Aussicht.

WeWork-Chef und Mitgründer Adam Neumann machte laut "Wall Street Journal" noch vor dem geplanten Börsengang Anteile zu Geld und strich so 700 Millionen Dollar ein - was potenzielle Investoren irritierte und Kritik hervorrief

WeWork-Chef und Mitgründer Adam Neumann machte laut "Wall Street Journal" noch vor dem geplanten Börsengang Anteile zu Geld und strich so 700 Millionen Dollar ein - was potenzielle Investoren irritierte und Kritik hervorrief

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Die Aktie des Wettbewerbers Uber, der Wochen später das Börsenparkett betrat, hatte gleich am ersten Handelstag 20 Prozent eingebüßt - und notieren immer noch weit unter Ausgabepreis. Dabei hatte der Mobilitätsdienst schon vor dem Börsengang viel heiße Luft abgelassen und den Ausgabepreis auf 45 US-Dollar gesenkt, obwohl US-Investmentbanken im Vorfeld von astronomisch Bewertungen geschwafelt hatten.

Gesunde Skepsis gegenüber hohen Bewertungen und Versprechungen ist also angebracht. Das unausgesprochene Misstrauen scheint auch WeWork zu spüren:

Laut "Wall Street Journal"  will das Unternehmen noch in dieser Woche mit US-Banken einen Anleihen-Deal auf den Weg bringen und so bis zu sechs Milliarden Dollar einnehmen. Damit müsste WeWork weniger des benötigten Geldes über den Börsengang einspielen und könnte die Erfolgsaussichten des IPO erhöhen, heißt es.