Mittwoch, 16. Oktober 2019

Adam Neumann stößt Investoren vor den Kopf Chef des milliardenschweren IPO-Kandidaten WeWork verkauft Anteile für 700 Millionen Dollar vor Börsengang

Adam Neumann lässt einen Großteil seines privaten Vermögens offenbar von einem neu gegründeten Familiy-Office verwalten.
China Stringer Network / REUTERS
Adam Neumann lässt einen Großteil seines privaten Vermögens offenbar von einem neu gegründeten Familiy-Office verwalten.

Der Mitgründer und Chef des milliardenschweren Start-ups WeWork, Adam Neumann, soll Anteile des Unternehmens im Wert von 700 Millionen Dollar verkauft haben. Vor dem geplanten Börsengang weckt so ein Verhalten bei Investoren nicht gerade Vertrauen. Neumann ist aber kein Einzelfall.

Schicke Locations in angesagten Stadtvierteln weltweit zu vermieten ist das Geschäftsmodell des Coworking- und Immobilien-Start-Ups WeWork. Mit einer Bewertung von zuletzt 47 Milliarden Dollar zählt es laut US-Berichten zu den teuersten Start-ups weltweit. Der Expansionsdrang ist groß, die Investitionen sind es auch. Der anvisierte Börsengang ist daher nur ein logischer Schritt, um sich frisches Geld für mehr Wachstum zu besorgen.

Dass WeWork hohe Verluste einfährt, ist nicht ungewöhnlich für ein stark wachsendes Start-up, das zugleich Marktführer ist. Dass die Verluste allerdings nach Jahren noch höher sind als die Umsätze, gibt Beobachtern und potenziellen Investoren mittlerweile zu denken.

Bei der letzten Finanzierungsrunde sah sich das Management auch kritischen Fragen von Investoren zur Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells ausgesetzt, das bislang auf kurzfristigen Ertragsvereinbarungen und zugleich langfristigen Darlehensverbindlichkeiten basiert, berichtet der englischsprachige Dienst von Reuters. Zudem stimmte eine sinkende Auslastung bei hohen Kosten Experten zuletzt eher negativ in der Einschätzung, ob sich ein mögliches Investment bei dem anstrebten Börsengang lohnen werde. Das "Platzen der Coworking-Blase ist nur eine Frage der Zeit", warnte kürzlich die "Wirtschaftswoche".

Besonders sensibel reagieren Investoren, wenn Gründer schon vor einem Börsengang ihre Anteile an dem aufgebauten Start-up versilbern. Sie sehen es lieber, wenn sie ihr Kapital bis zum Börsengang in dem Unternehmen belassen.


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Aus Investorensicht dokumentiert so ein Schritt nämlich nicht gerade großes Vertrauen in das eigene Unternehmen. WeWork-Gründer Adam Neumann ist ihn gegangen: Er soll nach einem Bericht des "Wall Street Journal" 700 Millionen Dollar durch den Verkauf von Anteilen oder ihre Beleihung eingespielt haben. Das brachte ihm laut WSJ auch die Kritik von Bill Gurley ein, Partner bei dem WeWork-Investor Benchmark.

Laut Reuters strebt WeWork bis Ende 2019 einen Börsengang an und hat am 31. Juli Analysten und Wall-Street-Banker zu einem Informationstag eingeladen.

Wieviel Anteile der 40-Jährige Neumann an dem 47fachen Unicorn tatsächlich hält, ist nicht bekannt. Doch wurden Neumann beim Kauf und der Vermietung von Immobilien zuletzt auch handfeste Interessenkonflikte nachgesagt.

Wenn auch ungern gesehen: Vorgezogene Anteilsverkäufe wie jetzt offensichtlich durch Neumann sind kein Einzelfall. So hatte der Gründer des Online-Spieleanbieter Zynga, Mark Pincus, vor dem IPO im Jahr 2011 Anteile an der Firma für mehr als 109 Millionen Dollar veräußert. Eric Lefkofsky, Chef und Mitgründer des Schnäppchenportals Groupon hatte vor dem IPO im Jahr 2011 sogar für mehr als 300 Millionen Dollar Groupon-Aktien verkauft. Beide Deals stießen seinerzeit auf heftige Kritik - insbesondere weil die Aktien nach dem Börsengang zu deutlich niedrigeren Bewertungen gehandelt wurden.

In deutlich kleinerem Umfang hätten dem Bericht zufolge vor dem jeweiligen Börsengang auch Snap-Mitgründer Evan Spiegel oder der Chef von Slack, Stewart Butterfield, für einstellige Millionenbeträge Anteile an ihren Unternehmen verkauft.

Neumanns 700 Millionen Dollar indes sollen kürzlich in ein Family Office geflossen sein, mit dessen Gründung der WeWork-Chef einen ehemals in Diensten von Hedgefonds-Legende George Soros stehenden Manger beauftragt habe, berichtet das "Wall Street Journal".

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