Börsenprofi Carsten Klude erklärt Was für steigende Aktienkurse 2018 spricht - und was dagegen

Von Carsten Klude
Banger Blick: Vieles spricht dafür, dass es an der Börse weiter aufwärts geht. Doch es gibt auch Risiken.

Banger Blick: Vieles spricht dafür, dass es an der Börse weiter aufwärts geht. Doch es gibt auch Risiken.

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Die Weltwirtschaft wird 2018 mit noch mehr Dynamik als in diesem Jahr wachsen. Sowohl in den Industrie- als auch in den meisten Schwellenländern haben sich die konjunkturellen Rahmenbedingungen bis zuletzt verbessert, sodass sich die Weltwirtschaft erstmals seit Langem in einem global synchron verlaufenden Aufschwung befindet. Dieser hat die Tendenz, sich selbst zu verstärken, sodass das globale Wachstum im kommenden Jahr positiv überraschen dürfte. Doch wie soll man sich als Anleger nun für das neue Jahr positionieren? Wir gehen davon aus, dass Aktien für Anleger die attraktivste Anlageklasse bleiben werden.

Die erfreuliche Kursentwicklung an den internationalen Aktienmärkten hat in diesem Jahr viele Anleger auf dem falschen Fuß erwischt. So haben sich die meisten Aktienindizes besser entwickelt als es zu Jahresbeginn prognostiziert worden ist. Die weltweiten Unternehmensgewinne sind in diesem Jahr um fast 17 Prozent gegenüber 2016 angestiegen, nachdem das Gewinnwachstum in den vergangenen sechs Jahren nahezu stagnierte.

Carsten Klude

Carsten Klude ist Chefvolkswirt der Privatbank M. M. Warburg in Hamburg.

Der Gewinn je Aktie - gemessen am Factset World Index, der mehr als 20.000 Unternehmen beinhaltet - hat zuletzt einen neuen Rekordwert erreicht, wobei sich vor allem in vielen Schwellenländern die Ertragslage deutlich verbessert hat (siehe Grafik). Wer erfolgreich sein wollte, durfte sich von den vielen, meist negativen politischen Nachrichten nicht beeinflussen lassen, sondern musste die wirtschaftliche Entwicklung im Blick behalten. Der sich verstetigende und beschleunigende globale Aufschwung hat die Unternehmensgewinne rund um den Globus beflügelt und in vielen Regionen zu einem bemerkenswerten Anstieg der Ertragsdynamik geführt.

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Aktien profitieren von der starken Konjunktur

Risikobehaftete Anlagen profitieren von einem wirtschaftlichen Aufschwung überdurchschnittlich stark. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Profitabilität der meisten Firmen in einem günstigen konjunkturellen Umfeld zunimmt, während negative und möglicherweise existenzbedrohende Nachrichten (wie beispielsweise das Ausbleiben wichtiger Aufträge oder eine drohende Insolvenz) weniger wahrscheinlich sind.

Der wichtigste und für den Aktienkurs entscheidendste Einflussfaktor ist dabei der Gewinn je Aktie. Nachdem die Unternehmensgewinne 2017 weltweit deutlich angestiegen sind, halten wir die Voraussetzungen für eine Fortsetzung dieser positiven Entwicklung im kommenden Jahr angesichts des positiven globalen Konjunkturausblicks für gegeben. So gehen die Unternehmensanalysten für fast alle Märkte von Gewinnsteigerungsraten im prozentual hohen einstelligen oder niedrigen zweistelligen Bereich aus. Sollten sich diese Einschätzungen bewahrheiten, dürfte 2018 erneut ein gutes Aktienjahr werden.

Diese Risiken sollten Anleger kennen

Dies dürfte sowohl für die Industrie- als auch für die Schwellenländer gelten. Wir sehen in allen Regionen gleichermaßen Chancen und würden kein regionales Investment besonders präferieren, sondern für eine möglichst breite Diversifikation plädieren. Unter den Schwellenländern sind beispielsweise die Börsen in Russland, in der Türkei und in Brasilien günstig bewertet. Der chinesische Aktienmarkt ist im Durchschnitt zwar etwas teurer, aufgrund der starken Wachstumsdynamik vieler chinesischer Unternehmen sollte aber auch dieser Markt in einem Portfolio berücksichtig werden.

Dax: Weiterer Anstieg Richtung 15.000 Punkte möglich

Die Kurse deutscher Aktien sind in den vergangenen Jahren kräftig angestiegen. Seit 2009 hätte ein Dax-Investment  durchschnittlich 9 Prozent Rendite im Jahr erbracht. Noch besser - und auch im internationalen Vergleich spitze - haben der MDax , der SDax  und der TecDax  abgeschnitten. Da die deutsche Wirtschaft 2018 erneut stark wachsen wird und auch die Weltwirtschaft mitspielt, sollte sich diese Erfolgsserie fortsetzen.

Eine genaue Analyse der verschiedenen Aktienindizes zeigt, dass sich Indizes aus Ländern mit einer sehr guten Konjunktur- und Gewinnentwicklung am erfolgreichsten entwickeln. Unternehmen aus den USA und aus Deutschland haben deswegen in den letzten Jahren immer neue Rekordmarken bei den Gewinnen erreicht. Firmen aus anderen europäischen Ländern litten dagegen unter den dort schlechteren ökonomischen Rahmenbedingungen.

Dies spiegelt sich auch in der besseren Wertentwicklung des S&P 500 oder des Dax gegenüber den europäischen Stoxx-Indizes wider. Deutsche Unternehmen aus der sogenannten zweiten und dritten Reihe (MDax, SDax und TecDax) haben sogar noch erfolgreicher bei der Gewinn- und bei der Kursentwicklung abgeschnitten. Insbesondere der Dax ist trotz der hohen Kurssteigerungen der vergangenen Jahre sowohl gegenüber der eigenen Historie als auch im Vergleich zu anderen Indizes noch nicht hoch bewertet.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Gewinnerwartungen für die kommenden zwölf Monate beträgt 13,5, der langjährige Durchschnitt liegt dagegen bei 15. Multipliziert man den derzeitigen Wert mit den Gewinnerwartungen für das Jahr 2019 errechnet sich ein Kursziel von 14.500 Punkten. Analog zu dieser Vorgehensweise lassen sich Kursziele von rund 4000 Punkten für den Euro Stoxx 50  und von 2850 Punkten für den S&P 500 herleiten.

Eine Veränderung im Kurs-Gewinn-Verhältnis um nur einen Punkt würde dazu führen, dass sich das Kursziel für den Dax um rund 1000 Punkte verändert. Unterstellt man, dass deutsche Blue Chips im nächsten Jahr nur etwas teurer werden, wäre sogar ein Kursziel von 15.000 Punkten erreichbar.

Wo liegen die Risiken?

Trotz des optimistischen Szenarios, das hier vorgestellt wird, gibt es - wie immer - eine Reihe von Risiken, die dazu führen könnten, dass es am Ende doch anders kommt als gedacht. Anleger müssen vor allem die Konjunkturentwicklung im Blick behalten. Sollten die Frühindikatoren im Laufe der nächsten Monate entgegen den Erwartungen eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums signalisieren, könnte Gefahr im Verzug sein. Wenn überhaupt sollte dies aber frühestens im zweiten Halbjahr 2018 (und dann mit Blick auf das Jahr 2019) ein Thema sein.

Daneben könnten auch geopolitische Unsicherheiten zum Spielverderber werden, wobei diese Risiken recht diffus erscheinen. So ist beispielsweise das Thema Nordkorea in den letzten Wochen wieder in den Hintergrund gerückt. Das vielleicht größte Risiko geht davon aus, dass fast alle Anleger im Moment auf das sogenannte "Goldilocks"-Szenario setzten, also eine Fortsetzung der Kombination aus hohem Wirtschaftswachstum und niedrigen Inflationsraten. Denn dies spricht dafür, dass die Notenbanken an ihrer expansiven Geldpolitik nichts ändern werden.

Sollte die Inflation dagegen ein unerwartetes Comeback feiern, könnten die Zinsen stärker ansteigen als erwartet und damit zum Problem für die Aktienmärkte werden. Eine mögliche Korrektur könnte umso schärfer ausfallen, je mehr Akteure in Aktien investiert und je höher Aktien bewertet sind.

Anleger mit ausreichend langem Anlagehorizont können zwischenzeitliche Kursverluste "aussitzen"

Allerdings sollte man sich nicht der Illusion hingeben, dass die Aktienkurse nur noch eine Richtung kennen und bis in alle Ewigkeiten steigen werden. Der nächste Einbruch wird irgendwann kommen, und dieser wird dann wie in der Vergangenheit auch deutliche Kursverluste nach sich ziehen.

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Dax-Bilanz 2017: Die stärksten Aktien des Jahres ... und die schwächsten

Foto: Boris Roessler/ picture alliance / dpa

Investoren mit einem langfristigen Anlagehorizont sollten dennoch keine schlaflosen Nächte bekommen: Wer beispielsweise direkt vor dem Ausbruch der letzten großen Krise im Oktober 2007 auf damaligen historischen Höchstständen in Aktien eingestiegen ist, hat seine zum Teil horrenden Kursverluste längst wieder aufgeholt, wenn das Engagement durchgehalten wurde. Dies gilt vor allem für Anleger, die in den S&P 500 oder in den Dax investiert hatten, weniger allerdings für Anleger, die ihr Geld durchgehend im Euro Stoxx 50 oder im Stoxx 50 angelegt haben.

Die Schuldenkrise in der Eurozone sowie die wirtschaftlichen Probleme der EU haben sich in den vergangenen Jahren in einer schwächeren Gewinnentwicklung der in den jeweiligen Indizes enthaltenen Unternehmen niedergeschlagen. Allein dies zeigt eine der größten Tücken des "passiven" Investierens, dem vor allem (aber nicht nur) institutionelle Anleger ausgesetzt sind: Wer sein Anlagevermögen einfach in Märkte investiert ohne deren realwirtschaftliche Entwicklung genau zu analysieren, läuft Gefahr, die falsche Entscheidung zu treffen. Insofern ist eine vernünftige makroökonomische Analyse im Vorfeld der Investmententscheidung der wesentliche Schlüssel zum Erfolg. Sonst ist man zwar vielleicht in der richtigen Anlageklasse, aber nicht in den richtigen Indizes investiert.