Donnerstag, 19. September 2019

Autobauer widersteht Branchenkrise Warum VW der Konkurrenz enteilt

Aufbruch in die Zukunft: Das neue E-Modell ID3 steht für Volkswagens Wandel und Modernisierung.

Die weltweite Konjunkturschwäche setzt den meisten Autoherstellern heftig zu. Volkswagen jedoch widersteht bislang auf bemerkenswerte Weise der Branchenflaute. Warum eigentlich?

Continental Börsen-Chart zeigen: Gewinnwarnung vor wenigen Wochen, nach bereits zwei solchen Warnungen im Vorjahr. BMW Börsen-Chart zeigen: Eine Gewinnwarnung 2018 und eine im ersten Quartal dieses Jahres, eine weitere halten Beobachter in nächster Zeit für möglich. Daimler Börsen-Chart zeigen: Jüngst zwei Gewinnwarnungen binnen weniger Wochen, nach bereits zwei Warnungen im Vorjahr.

Und Volkswagen Börsen-Chart zeigen: Keine Gewinnwarnung weit und breit.

Irgendetwas machen die Verantwortlichen in Wolfsburg seit einiger Zeit offenbar besser als die Konkurrenz. Während andere Unternehmen der Autoindustrie unter der aufziehenden Konjunkturschwäche und der weltweiten Flaute im Fahrzeugabsatz leiden, bleibt der Volkswagen-Konzern bislang bemerkenswert stabil in der Spur. Dass das auch künftig so bleiben soll, betonten Volkswagens Topmanager erst in dieser Woche beim Presseevent zum großen Marken-Relaunch in der Konzernzentrale in Wolfsburg.

Ein Blick auf die jüngsten Quartalsergebnisse dokumentiert Volkswagens vergleichsweise ordentliche Verfassung: Während bei der Konkurrenz die Geschäfte schwächeln, schraubte der VW-Konzern seinen Umsatz in den Monaten April bis Juni um 7 Prozent auf 65,2 Milliarden Euro in die Höhe. Das Betriebsergebnis stieg sogar um 30 Prozent auf 5,1 Milliarden Euro, was allerdings zum Großteil an einer Milliardenrückstellung lag, die Volkswagen vor Jahresfrist im Zusammenhang mit dem Dieselskandal vornehmen musste.

Beinahe überflüssig zu erwähnen, dass Volkswagen zum Halbjahr auch seine Jahresprognose für 2019 bekräftigte: Die Fahrzeugauslieferungen sollen gegenüber dem Vorjahr leicht steigen, der Umsatz bei Pkw und Nutzfahrzeugen um immerhin 5 Prozent zulegen und die Umsatzrendite stattliche 6,5 bis 7,5 Prozent erreichen.

Wie machen die das?

Klar ist, dass die Autoflaute auch vor den Toren Wolfsburgs nicht Halt macht. So stieg beispielsweise im zweiten Quartal zwar der Umsatz, die Zahl der verkauften Fahrzeuge ging jedoch zurück. Die Erklärung: Volkswagen verkauft immer mehr SUV-Modelle, die vergleichsweise hohe Preise erzielen.

Vor allem in China, dem inzwischen wichtigsten Einzelmarkt, bleibt die generelle Nachfrage jedoch hinter früheren Jahren zurück. 2018 lagen die Verkaufszahlen auf dem chinesischen Markt erstmals seit vielen Jahren unter dem Niveau des Vorjahres.

Das Volkswagen-Management traf allerdings schon vor einigen Jahren Vorkehrungen für schwierige Zeiten. Im Herbst 2016 etwa beschloss der Vorstand gemeinsam mit der Arbeitnehmerseite ein Sparprogramm, demzufolge weltweit 30.000 der insgesamt mehr als 600.000 Stellen abgebaut werden sollten. Im Frühling dieses Jahres erhöhte das Unternehmen die Zahl der Streichungen dann um weitere 5000 bis 7000 Stellen.

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