Sonntag, 19. Mai 2019

Börsenprofi Markus Zschaber erklärt Warum Luxusaktien noch immer Potenzial haben

Bernard Arnault

Die Börsen und damit Kapitalmärkte haben weltweit ein hervorragendes erstes Quartal verzeichnen können und zeigen sich bis zum heutigen Tage sehr stabil. All das in einem Umfeld, welches politischer gar nicht sein könnte, denn nicht abgearbeitete Themen stehen noch auf der Agenda. Die politischen Herausforderungen bleiben somit groß und sind letztendlich auch die Einflussfaktoren, die den zukünftigen wirtschaftlichen Verlauf und damit auch die Börsen bestimmen werden. Da sind zum einen die nicht enden wollenden Diskussionen rund um den Brexit sowie der anhaltende, schwelende Handelsstreit zwischen den USA und China als aber auch das für uns Deutsche sehr wichtige Thema möglicher Zölle auf Automobile und Zulieferer.

Markus Zschaber

Nun stehen wir am Anfang des Mai und natürlich fallen jedem Börsianer die Worte ein "Sell in may and go away" ein, wobei sich diese Strategie statistisch natürlich nicht nachweisen lässt und auch die Argumentation, die Märkt sind ja in diesem Jahr gut gelaufen, ist nur eine Halbwahrheit. Nach der massiven Negativbewegung im vergangenen Jahr, besonders im letzten Quartal, sind viele Unternehmen, gerade in der Dax-Familie, auf ein gutes und faires Niveau gestiegen, denn die Bilanzzahlen, Umsätze und Bewertungen des Jahres 2018 sind sozusagen jetzt gerechtfertigt, man denke nur dabei an unser starkes Exportjahr mit den höchsten Erträgen für viele Unternehmen, das fehlte doch in den Kursen.

Es ist somit die Stunde "Null" und es wird und muss sich nun zeigen, wie gut die globale gesamtwirtschaftliche Verfassung ist, möglicherweise auch mit Negativaktivitäten seitens Donald Trumps, und welche Erträge Unternehmen generieren können, um mit ihren Aktien weiter in diesem Jahr erfolgreich zu sein. Ich glaube nicht, dass die Abbildung eines Marktes mittels eines ETFs oder Indexzertifikats die Formel des Erfolges sein wird, vielleicht ein kleiner Teil. Schauen sie es sich an und vergleichen den Dax und MDax mit seiner Wertentwicklung in diesem Jahr mit einzelnen Perlen innerhalb der Indizes und sie werden schnell erkennen, was ich meine. Der Index liefert beispielsweise 16 Prozent Plus, einzelne Werte bis zu 40 Prozent.

Die grundlegenden Entscheidungen für ein Investment sehe ich daher ganz klar im "Stockpicking" und das bedeutet Trends, Märkt und Aktien zu finden, die auch abseits der Entwicklung ein hohes zukünftiges Potential haben. Natürlich nenne ich Ihnen jetzt nicht unsere Top-Favoriten, denn dafür sind wir Vermögensverwalter und werden für unsere Arbeit bezahlt, aber ich liefere gern ein paar Ideen, in welche Richtung es gehen kann. Wer meine Tipps und Ausführungen bei Aktien die vergangenen acht Jahre verfolgt, wird schnell feststellen, dass einige der dort skizzierten Kandidaten erhebliche Wertentwicklungen aufzeigen, mitunter bis zu 500 Prozent, und wir sprechen von Standardwerten und keinen gering kapitalisierten Aktien.

Nun gut, wo soll die Reise hingehen und da fällt mir zunächst einmal etwas ein, was sich mit dem Thema Luxus beschäftigt, denn die weltweite Nachfrage nach teuren und hochwertigen Gütern ist ungebrochen, nahezu unabhängig vom Auf und Ab der Konjunktur. Wer wie ich viel unterwegs ist, wird sehr schnell feststellen, dass es immer internationaler wird, also sei es die Sprachen aber auch das Konsumverhalten. Gehen sie wie ich einmal in ihrer Großstadt in die Haupteinkaufstraßen, so werden sie eine meist asiatische Käuferschicht sehen, sozusagen die sich entwickelnden Emerging Markets, die neben der heimischen Bevölkerung, sehr stark einkauft, gerade im Luxussegment.

Also man kann auch sagen, zumindest bei Aktien, "Luxus bietet Sicherheit und Rendite", denn man ist mit Luxusgüterherstellern gut bedient. Mehr noch, die Anbieter hochwertiger Kleidung, Lederwaren, Uhren, Accessoires und Getränken bieten nicht nur kurzfristig Sicherheit. Sie profitieren mittel- bis langfristig auch von einer weltweit wachsenden Mittelschicht, wie am Beispiel Chinas erkennbar. Diese Aussichten kommen auch an der Börse wirklich gut an, wie ein Blick auf den World Luxury Index, umfasst die 20 größten und liquidesten Unternehmen der weltweiten Luxusgüterbranche, zeigt.

Vor allem in den bevölkerungsreichen Schwellenländern China und Indien steigen die Einkommen seit Jahren stetig an. Allein im Reich der Mitte zählen aktuell gut 110 Millionen Menschen zur Middle Class und laut dem World Wealth Report 2018 leben mittlerweile bereits 1,3 Millionen Millionäre in China. Viele von ihnen sind geradezu verrückt nach Wohlstand und wollen ihn zeigen, auch deshalb ist die Volksrepublik der wichtigste Markt für die Branche, denn China steht wohl für fast ein Drittel der globalen Nachfrage nach Luxusgütern.

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Positiv für Anleger ist auch, dass sie mit Luxusgüteraktien von den Wachstumschancen der Emerging Markets profitieren und dabei gleichzeitig in Firmen investieren können, die europäische Grundsätze der Unternehmensführung unterliegen. Schließlich hat das Gros der Unternehmen ihren Sitz in Frankreich, Italien und der Schweiz; einige wenige in Deutschland und Großbritannien. Und nicht zuletzt verfügen die meisten Konzerne aus der Luxusgüterbranche über ausgesprochen solide Bilanzen wie beispielsweise "LVMH". Hauptgrund dafür ist die emotionale Bindung der Kunden an die Produkte, dies gibt den Anbietern eine große Preissetzungsmacht, entsprechend hoch sind in vielen Fällen die Gewinne und die Cash-flows.

Ich traue der Branche auch in den kommenden Jahren ein überdurchschnittliches Wachstum zu, aber ganz ohne Risiko sind allerdings auch diese Luxusgüteraktien nicht, wie man dem Chartverlauf auch entnehmen kann. Ein Gang zum Profi, der ihnen die Analyse und Kaufentscheidung abnimmt und dabei noch aktiv managt, schadet natürlich nie.

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