Montag, 24. Februar 2020

Börsenprofi Carsten Klude erklärt Warum Donald Trump Investoren 2020 kaum ärgern wird

Ein paar Monate Pause von der Krawallmacherei? Donald Trump will womöglich im Wahlkampf von einer gut laufenden Wirtschaft profitieren.

Fast genau zwei Jahre hat es gedauert bis der Dax endlich einen neuen Rekord aufstellen konnte. Diese Durstrecke hat vor allem etwas mit der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung zu tun, denn sowohl das Jahr 2018 als auch 2019 verliefen aus konjunktureller Sicht enttäuschend. Hierfür verantwortlich war in erster Linie der Handelsstreit zwischen den USA und China. Vor allem Länder wie Deutschland, deren wirtschaftliche Aktivität stark auf den Export und die Industrie ausgerichtet ist, tragen die Hauptlast der Abschwächung des Welthandels. Darüber hinaus trugen soziale Spannungen, witterungsbedingte Katastrophen und politische Krisen zu einer deutlichen Verlangsamung der wirtschaftlichen Dynamik in vielen Teilen der Welt bei. Im Sommer 2019 sah es zwischenzeitlich sogar danach aus, als ob einige Länder - darunter auch Deutschland - in eine Rezession rutschen könnten.

Carsten Klude
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    Carsten Klude ist Chefvolkswirt der Privatbank M. M. Warburg in Hamburg.

Doch mittlerweile scheint aus wirtschaftlicher Sicht das Schlimmste überstanden zu sein. Darauf deuten einige wichtige konjunkturelle Frühindikatoren hin. Nachdem das Wachstum in Deutschland im zweiten und dritten Quartal letzten Jahres zum Erliegen kam, haben sich das Ifo-Geschäftsklima, die ZEW-Konjunkturerwartungen und die Einkaufsmanagerindizes aus dem verarbeitenden Gewerbe und dem Dienstleistungssektor zuletzt wieder etwas erholt. Im Schlussquartal 2019 war deswegen bereits wieder ein leichtes Wachstum zu verzeichnen.

Ausschlaggebend für den zunehmenden Optimismus der Unternehmen ist in erster Linie der "Phase-1-Deal" zwischen den USA und China. Mit diesem Vertrag verpflichtet sich China in den nächsten beiden Jahren, seine Importe aus den USA gegenüber dem Jahr 2017 um 200 Milliarden US-Dollar zu steigern. Im Gegenzug haben die USA auf die Erhebung weiterer Strafzölle verzichtet und für Importe aus China im Wert von rund 120 Milliarden US-Dollar den Zollsatz von 15 auf 7,5 Prozent halbiert.

Die kompliziertesten Themen (Industriepolitik, Subventionen, Technologiediebstahl) wurden aber ausgespart, sodass völlig in den Sternen steht, ob Verhandlungen über ein "Phase-2-Abkommen" überhaupt jemals aufgenommen werden. Washington dürfte zunächst abwarten, ob China seinen Versprechungen Taten folgen lässt. Schließlich hat das Reich der Mitte 2017 nur Waren im Wert von 120 Milliarden US-Dollar und Dienstleistungen in einem Umfang von 56 Milliarden US-Dollar aus den USA bezogen. Eine gute Verdopplung der Importe in zwei Jahren mutet von daher recht utopisch an.

Allerdings dürfte Donald Trump in diesem Jahr wenig Lust verspüren, den Streit mit China auf die Spitze zu treiben: Seine Wiederwahl ist nämlich umso wahrscheinlicher, je besser die US-Wirtschaft läuft und je höher die Aktienkurse der US-Unternehmen stehen. Ein neuer Disput mit Peking käme da ungelegen. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Vereinbarung zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt mehr ist als ein Burgfrieden. Bekommt Trump eine zweite Amtszeit als US-Präsident, steht eine erneute Verschärfung des Konflikts ab 2021 ins Haus.

Europa für die USA wichtiger als China

Dass die USA weiter wirtschaftlichen Druck ausüben werden, um ihre Interessen durchzusetzen, zeigen die in Davos geäußerten Drohungen des US-Präsidenten gegenüber der EU, Strafzölle in Höhe von 25 Prozent für europäische Autos einzuführen. Dies würde erwogen, falls es zu keinem neuen und umfassenden Handelsabkommen zwischen den USA und der EU käme oder falls europäische Länder eine Digitalsteuer einführen, die US-amerikanische Unternehmen trifft.

Allerdings könnte ein Handelskrieg der USA mit der EU im Vergleich zu dem mit China deutlich kostspieliger werden, da Europa ein wesentlicher größerer Markt für die US-Unternehmen ist. So wurden 2018 Güter und Dienstleistungen im Wert von fast 575 Milliarden US-Dollar aus den USA in die EU exportiert. Mit anderen Worten: Der europäische Markt ist für die USA mehr als drei Mal so groß wie der chinesische. Zudem ist das Defizit der USA im Handel mit Gütern und Dienstleistungen mit der EU (minus 168 beziehungsweise plus 55 Milliarden US-Dollar) deutlich geringer als das gegenüber China (minus 420 beziehungsweise plus 39 Milliarden US-Dollar). Von daher gehen wir davon aus, dass eine Eskalation des Streits mit der EU in diesem Jahr aus wahltaktischen Gründen ebenfalls unwahrscheinlich und somit eher ein Thema für 2021 oder später ist.

Auch beim Brexit, der 2018 und 2019 für Verunsicherung bei Konsumenten und Unternehmen gesorgt hat, stehen die Zeichen im Moment auf Entspannung. Großbritannien ist am 31. Januar 2020 aus der EU ausgetreten und wird für eine Übergangsfrist - bis Ende des Jahres - beim Handel mit den europäischen Partnerländern wie ein normales EU-Mitglied behandelt werden. Zölle werden also nicht erhoben, dies sorgt für Planungssicherheit. Allerdings müssen sich Großbritannien und die EU bis Ende des Jahres auf einen neuen Handelsvertrag einigen, damit es nicht am 1. Januar 2021 doch noch zu einem harten Brexit kommt. Zwar ist dieser Zeitplan sehr ambitioniert, allerdings haben beide Seiten Interesse an einer Einigung, was die Chancen für eine rechtzeitige Vereinbarung erhöht.

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