Tech-Riesen auf Talfahrt Warum Aktien von Facebook, Tesla und Amazon wirklich fallen

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Die Kurseinbrüche an der New Yorker Tech-Börse Nasdaq beherrschen seit Tagen die Finanzmedien. Innerhalb weniger Wochen verloren die zuvor so hoch gehandelten Technologiekonzerne aus den USA viele Milliarden Dollar an Börsenwert: Die Aktie des Elektroautobauers Tesla  etwa fiel seit Mitte März um 23 Prozent. Mit dem Papier von Facebook  ging es im gleichen Zeitraum um rund 16 Prozent abwärts.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei weiteren Branchengrößen: Amazon  notiert inzwischen 13 Prozent niedriger als noch vor rund drei Wochen. Das gleiche gilt für die Google-Mutter Alphabet .

Die genannten Unternehmen büßten damit an der Börse deutlich stärker ein als der Gesamtmarkt, mit dem es, gemessen am Index Nasdaq Composite , im gleichen Zeitraum um etwa 9 Prozent abwärts ging. In dieser Größenordnung bewegen sich übrigens auch die Kursverluste des iPhone-Bauers Apple .

Die Frage ist also: Weshalb lassen Investoren die Kurse von Firmen wie Tesla, Facebook sowie Amazon im Vergleich zum Rest der Tech-Börse so viel stärker einknicken?

Einige Antworten scheinen schnell gefunden: Bei Tesla kamen zuletzt einmal mehr Zweifel an der Leistungsfähigkeit der Selbstfahr-Technologie des Konzerns auf. Zudem sorgte Firmenchef Elon Musk mit einem Aprilscherz für Schlagzeilen, in dem er spaßeshalber den Konkurs seines Unternehmens verkündet hatte. Teslas jüngste Produktionszahlen dürften ebenfalls nicht jeden Beobachter überzeugt haben.

Bei Facebook gilt der Datenskandal im Zusammenhang mit der britischen Firma Cambridge Analytica als Ursache für Kursverluste. Und Amazon befindet sich seit Tagen unter Dauerfeuer von Seiten des US-Präsidenten Donald Trump, der den Online-Handelskonzern per Twitter aufgrund seiner angeblich zu niedrigen Steuerzahlungen kritisiert.

Aber sind dies alles wirklich ausreichende Gründe für derart massive Kursverluste? Zweifel scheinen angebracht. Wer sich beispielsweise den Tweet  anschaut, mit dem Tesla-Chef Musk zum 1. April scherzhaft den Konkurs seines Unternehmens verkündete, dürfte kaum ernsthaft glauben, dass dadurch tatsächlich der Aktienkurs bewegt wurde.

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Wer die Kursverluste richtig verstehen will, muss wohl vielmehr den Fokus ein wenig weiter aufziehen und einen Blick auf das Gesamtbild werfen: Nachdem die US-Börse etwa neun Jahre lang beinahe ununterbrochen gestiegen ist, befindet sie sich nun seit einigen Wochen insgesamt in einer Korrekturphase. Als Hauptauslöser dafür gilt die Zuspitzung des internationalen Handelsstreits zwischen den USA sowie der EU, China und weiteren Ländern.

Im Zuge dieser Korrektur sind die Kurse vieler Aktien bereits gesunken, auch an der Technologiebörse Nasdaq. Investoren nehmen die plötzlich entstandene Unsicherheit offenbar zum Anlass, Gewinne, die sie in den vergangenen Jahren des Aufschwungs angehäuft haben, vorerst in Sicherheit zu bringen - sie verkaufen ihre Papiere.

Es liegt auf der Hand, dass in einer solchen Phase der Gewinnmitnahmen vor allem jene Aktien Federn lassen, die zuvor besonders stark gestiegen sind. Und siehe da: An der Nasdaq handelt es sich dabei exakt um jene Werte, deren immense Verluste zurzeit so sehr die Gemüter erregen: Tesla, Facebook und Amazon.

Der Beleg: Der Tech-Index Nasdaq Composite stieg in den vergangenen fünf Jahren - inklusive der Verluste der letzten Wochen - um etwa 114 Prozent. Mit der Aktie des E-Autobauers Tesla jedoch ging es im gleichen Zeitraum um etwa 508 Prozent nach oben. Bei Facebook beträgt das Plus 480 Prozent und bei Amazon 430 Prozent. Wohl gemerkt: In diesen Zahlen zu den drei Konzernen sind die Kursverluste der vergangenen Wochen ebenfalls bereits enthalten.

Zum Vergleich: Alphabet und Apple, die beim aktuellen Abschwung eher verschont blieben, erzielten in den vergangenen fünf Jahren mit 160 Prozent sowie 173 Prozent lediglich deutlich bescheidenere Kursgewinne.

Selbstverständlich bedeutet das nicht, dass aktuelle Nachrichten zu einzelnen Tech-Konzernen den jeweiligen Aktienkurs nicht in Bewegung brächten. Das Gesamtbild macht aber deutlich, dass bei einigen Aktien von vornherein deutlich größeres Potenzial für Kurskorrekturen besteht, als bei anderen - und dass die Kursausschläge bei solchen Papieren daher per se stärker ausfallen dürften.

Dass Investoren das Vertrauen in die Tech-Riesen offenbar nicht grundsätzlich verloren haben, zeigt sich zudem auch an anderer Stelle: Während die Aktienkurse von Tesla, Alphabet und Co. zuletzt erheblich gelitten haben, konnten sich deren Anleihen wesentlich stabiler halten. Analysten sehen darin ein Zeichen dafür, dass Investoren weiterhin Vertrauen in die Wirtschaftskraft dieser Unternehmen haben. Auch dies also ein Hinweis darauf, dass es sich bei den Verlusten am Aktienmarkt in erster Linie um überfällige Gewinnmitnahmen handelt, wie auch das "Wall Street Journal " schreibt.