Starinvestor steigt bei Top-Bank ein Darum ist JP Morgan die ideale Aktie für Warren Buffett

Stets auf der Suche nach Investments: Berkshire-Chef und Multimilliardär Warren Buffett.

Stets auf der Suche nach Investments: Berkshire-Chef und Multimilliardär Warren Buffett.

Foto: REUTERS

"Man muss nur wenige Dinge im Leben richtig machen, so lange man nicht zu viele Fehler macht", lautet einer jener viel zitierten Aussprüche, die Investmentlegende Warren Buffett den Beinamen "Orakel von Omaha" eingebracht haben (weitere kluge Zitate von Buffett siehe unten). Das heißt: Es ist klar, dass auch der Altmeister hin und wieder mal daneben liegt mit seinen Entscheidungen - doch er scheut sich nicht, dies einzugestehen und nach Möglichkeit zu korrigieren.

Das jüngste Investment Buffetts ist das beste Beispiel dafür: Laut aktuellen Unterlagen der US-Börsenaufsicht SEC ist Berkshire Hathaway, die Beteiligungsholding, deren Chef der Multimilliardär ist, im dritten Quartal im großen Stil bei der US-Bank JP Morgan Chase  eingestiegen. Berkshire habe mehr als 35 Millionen Aktien des Geldhauses im Wert von rund vier Milliarden Dollar (rund 3,6 Milliarden Euro) erworben, so die SEC. Dem "Wall Street Journal " zufolge hält Berkshire damit rund 1 Prozent der Anteile von JP Morgan.

Mit dem Schritt korrigiert Buffett eine Nachlässigkeit, die er schon vor Monaten eingestanden hatte. In einem Interview mit Yahoo Finance  hatte Buffett es als einen "Fehler" bezeichnet, bislang keine Aktien von JP Morgan gekauft zu haben. "Ich hätte investieren sollen", sagte Buffett seinerzeit. "Ganz offensichtlich. Ich meine, es ist ein großartig geführtes Unternehmen. Und es war sehr günstig, wie einige andere auch."

Tatsächlich gibt es gleich eine ganze Reihe von Gründen, die JP Morgan als geradezu ideales Investment für Berkshire Hathaway  erscheinen lassen. Hier die wichtigsten:

  • Mit dem Investment bleibt Buffett seinem Grundsatz treu, sich an führende Unternehmen mit starker Marktposition zu halten. Auch seine Engagements bei Konzernen wie Coca-Cola  oder Apple  spiegeln diese Strategie wider. JP Morgan ist die führende Bank an der Wall Street, dem wohl nach wie vor wichtigsten Finanzplatz der Welt. Das Institut befindet sich seit geraumer Zeit zielstrebig auf der Erfolgspur: Im dritten Quartal 2018 schoss der Gewinn auf rund 8,4 Milliarden Dollar in die Höhe, womit 2018 für die Bank ein Rekordjahr werden dürfte.
  • Buffett liebt den Finanzsektor und hat bereits verschiedene Unternehmen aus der Versicherungs- und Bankenbranche im Portfolio. So ist Berkshire beispielsweise mit je 9 Prozent an der Bank of America  sowie an Wells Fargo  beteiligt. Beide Banken zählen damit zu den größten Positionen Buffetts, dessen Holding zugleich größter Anteilseigner der zwei Banken ist. Im dritten Quartal stockte Berkshire zudem die Anteile an Goldman Sachs , US Bancorp sowie Bank of New York Mellon auf und stieg bei PNC Financial Services aus Pittsburgh ein. Auch an den Kreditkartenunternehmen American Express , Mastercard und Visa  ist das Unternehmen beteiligt. Zudem steckte Buffett zuletzt rund 600 Millionen Dollar in zwei US-Fintech-Firmen.
  • Buffett gilt seit Langem als Fan von JP Morgan-Chef Jamie Dimon, mit dem er Berichten zufolge auch befreundet ist. So lobte der Investmentguru beispielsweise ein Interview des Bankers vor wenigen Jahren als "mit das Beste, das ich je gehört habe" . Zudem liest er dem Vernehmen nach mit Vorliebe Dimons jährlichen Aktionärsbrief. Gemeinsam veröffentlichten Buffett und Dimon im Sommer dieses Jahres einen Artikel, in dem sie sich gegen die Praxis der vierteljährlichen Veröffentlichung von Gewinnprognosen wandten.
  • Auch geschäftliche Verbindungen zwischen Berkshire Hathaway und JP Morgan gibt es bereits. Berkshire Portfolio-Manager Todd Combs etwa sitzt im Board der Bank. Berkshire Hathaway, JP Morgan sowie der Online-Konzern Amazon  taten sich zudem vor einiger Zeit zusammen, um ihren Mitarbeitern gemeinsam eine günstige Krankenversicherung anbieten zu können.

Kurzum: JP Morgan und Berkshire Hathaway, das scheint die ideale Verbindung zu sein. Einen Haken hat die Sache allerdings, und einen Hinweis darauf gab Buffett selbst in seinem Interview gegenüber Yahoo Finance : Die Aktien von JP Morgan waren sehr günstig, sagte der Investor, wie oben bereits zitiert. Sie waren es - aber sie sind es vielleicht nicht mehr unbedingt.

Angesichts der erfreulichen Geschäftsentwicklung ist der Aktienkurs der Bank vielmehr in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen. Allein in den letzten zweieinhalb Jahren hat sich der Kurs der Papiere in etwa verdoppelt. In den vergangenen zehn Jahren hat er sich sogar verdreifacht, womit JP Morgan den US-Bankensektor deutlich outperformt hat.


Denken wie der Altmeister: Die besten Sprüche von Warren Buffett


Gemessen am Kurs-Buchwert-Verhältnis, einer Kennzahl , anhand derer sich die Bewertungen von Unternehmen an der Börse in Relation zu ihrem inneren Wert vergleichen lassen, spielt JP Morgan damit schon in der oberen Liga. Aktuell beträgt das KBV der Bank einer Übersicht der DZ Bank zufolge etwa 1,8.

Zum Vergleich: Der größte Teil der internationalen Bankaktien wird zu KBV-Werten von weniger als 1 gehandelt. Man könnte also sagen: Der Anleger bekommt bei den meisten Instituten deutlich mehr Bank für sein Geld als bei JP Morgan. Allerdings muss auch in Betracht gezogen werden, welche Art von Bank der Investor da erhält. Das KBV der Deutschen Bank beispielsweise beträgt aktuell lediglich gut 0,3, und das hat bekanntlich gute Gründe in den erheblichen Problemen, mit denen die Bank seit Jahren zu kämpfen hat.


Im Video: So investieren Sie wie Warren Buffett

Wochit / manager-magazin.de


Hinzu kommt: Ohnehin werden angelsächsische Banken am Aktienmarkt in der Regel höher gehandelt als beispielsweise die meisten europäischen. Goldman Sachs etwa liegt aktuell zwar mit einem KBV von etwa 1 noch deutlich unter JP Morgan, ebenso wie auch die Bank of America (1,45). Beide sind aber ebenfalls teurer als das Gros der Branche diesseits des Atlantiks. Bei den Instituten Bank of New York Mellon sowie US Bancorp liegt das KBV derzeit zudem deutlich über 2 und damit auch klar über dem Niveau von JP Morgan.

Mit Blick auf die Bewertung nach KBV hat Buffett womöglich ohnehin nicht unbedingt falsch gelegen, als er seinen Einstieg bei der Bank bis ins dritte Quartal dieses Jahres hinauszögerte. Im vergangenen Jahr jedenfalls, so zeigt ebenfalls die Übersicht der DZ Bank, betrug das KBV der Bank noch 1,9. JP Morgan war zu der Zeit an der Börse also relativ zum inneren Wert des Instituts noch ein Stück teurer als heute.

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