Aktionärsbrief des Investmentgurus Starinvestor Buffett schießt Polterer Trump vor den Bug

Milliardär Buffett: "Amerikas wirtschaftliche Magie bleibt am Leben"

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"Die Babys, die jetzt in Amerika geboren werden, sind die glücklichsten in der Geschichte." Das ist einer der wichtigsten Sätze aus dem Brief, den Warren Buffett in diesem Jahr an die Aktionäre seiner Investmentholding Berkshire Hathaway  geschrieben hat, und der jetzt veröffentlicht wurde. Der Satz klingt, als habe Buffett ihn dem US-Immobilienmilliardär Donald Trump, der derzeit den Vorwahlkampf bei den Republikanern dominiert, direkt ins Stammbuch geschrieben.

Einmal im Jahr wendet sich Starinvestor Buffett mit seinem Schreiben an seine Anhänger - die Schriftstücke finden regelmäßig weltweit Beachtung. Und selten war Buffett in seinen Briefen so politisch wie dieses Mal.

Hintergrund ist der laufende Vorwahlkampf zur bevorstehenden Präsidentenwahl: Viele republikanische Kandidaten - allen voran der Populist und Polterer Trump - zeichnen ein düsteres Bild vom Zustand der US-Wirtschaft. Das Land sei dem aufstrebenden Wettbewerber China nicht gewachsen und leide unter einem ungebremsten Zustrom von Immigranten aus ärmeren Ländern. Nur ein angeblich starker Mann wie Trump könne Amerika "wieder groß machen", so Trumps Leitspruch. Der demokratische Aspirant Bernie Sanders, der sich selbst als demokratischen Sozialisten bezeichnet, hat zudem das Thema der Einkommensungleichheit in den USA für sich entdeckt.

Warren Buffett, der bereits seine Unterstützung für die demokratische Bewerberin Hillary Clinton bekannt gemacht hat, hält entschieden dagegen: Der US-Wirtschaft gehe es weitaus besser, als die meisten Präsidentschaftskandidaten ihren Wählern glauben machen wollten, schreibt er. Auch Clinton war der Schwarzmalerei des Republikaners Trump zuletzt entschieden entgegen getreten - Amerika habe nie aufgehört, groß zu sein, so Clinton.

Buffett indes verzichtet in seinem Brief darauf, die von ihm kritisierten Kandidaten beim Namen zu nennen. Und das hat womöglich einen einfachen Grund, wie der Nachrichtendienst Bloomberg  mutmaßt: Einige von Buffetts Geschäftspartnern wie beispielsweise sein Kompagnon Charlie Munger vertreten zum Teil deutlich konservativere Ansichten als der Berkshire-Chef selbst.

"Es ist Wahljahr, und die Kandidaten können nicht aufhören über die Probleme unseres Landes zu sprechen", so Buffett. Viele Amerikaner glaubten daher nun , ihre Kinder würden nicht so gut leben können wie sie selbst. "Die Ansicht ist völlig falsch", so Buffett.

Der Starinvestor untermauert seine These auch mit Zahlen. So sei das Pro-Kopf-Wachstum der US-Wirtschaft gegenwärtig sechs mal höher sei als 1930, dem Jahr also, als Buffett selbst zur Welt kam, schreibt er. Und auch die Zahlen von Berkshire Hathaway zeichnen ein positives Bild.

Rekordgewinn - so lief Buffetts Jahr 2015

Als Grund für die Wachstumsstärke nennt Buffett einen Trend, den er schon vielfach als wichtige Triebfeder der US-Wirtschaft identifiziert hat: die zunehmende Produktivität. Die Amerikaner seien heute weder intelligenter als früher, noch würden sie härter arbeiten, schreibt er. Vielmehr arbeiteten sie schlicht effizienter und produzierten daher mehr. Ein Trend mit Zukunft, wie der Altmeister glaubt: "Amerikas wirtschaftliche Magie bleibt am Leben."

Im US-Vorwahlkampf sind auch die hohe Staatsverschuldung, stagnierende Löhne und die Einkommensungleichheit wichtige Themen, merken US-Medien an. Ausufernde Zinsausgaben ließen manch einen daran zweifeln, ob das Land künftig weiterhin all seinen Verpflichtungen werde nachkommen können, heißt es. Davon, so bemerkt etwa der US-Sender CNBC , habe Buffett aber offenbar noch nichts gehört.

So habe beispielsweise die Universität von Kalifornien herausgefunden, dass die Lücke zwischen den Reichsten und den Ärmsten des Landes so groß sei wie seit 1928 nicht mehr. Ein Umstand, der Buffett offenbar in seinem Optimismus nicht beirrt. Es sei seit 240 Jahren ein Fehler, gegen die Vereinigten Staaten zu wetten, schreibt der Investor in seinem Brief. Jetzt sei es nicht an der Zeit, damit anzufangen.

Doch nicht nur zur politischen Großwetterlage äußert sich Buffett in seinem Brief. Thema ist wie immer auch die Geschäftslage seines Unternehmens Berkshire Hathaway . Obwohl es 2015 an der Börse für Berkshire eher mau verlief, hat Buffett als Chef des Hauses das Jahr seines 50. Dienstjubiläums mit einem Rekordgewinn abgeschlossen.

So stieg der Überschuss von Berkshire verglichen mit dem Vorjahr von 19,9 Milliarden auf 24,1 Milliarden Dollar (rund 22 Milliarden Euro), wie die Investmentgesellschaft mitteilte.

Ein dicker Sondererlös aus der von Buffett mit eingefädelten Fusion der Lebensmittelriesen Kraft und Heinz hob das Ergebnis kräftig an. Buffett hatte den Mega-Deal gemeinsam mit der Beteiligungsfirma 3G im März auf den Weg gebracht.

Berkshire Hathawire profitierte zudem von seinen diversen Firmenbeteiligungen, wie beispielsweise am Eisenbahnunternehmen BNSF. Etwas schlechter lief es hingegen im Versicherungsgeschäft rund um den US-Branchenriesen Geico. Zum Jahresende konnte Buffett noch einmal deutlich zulegen: Im vierten Quartal kletterte der Berkshire-Gewinn zum Vorjahr um 32 Prozent auf unter dem Strich 5,5 Milliarden Dollar.

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Es sei ein "gutes" Jahr gewesen, schrieb Buffett in seinem Brief an die Aktionäre. Die erfolgsverwöhnten Anleger hatten im letzten Jahr allerdings nicht so viel Freude - die Aktien von Berkshire Hathaway fielen um 12 Prozent. Die großen Beteiligungen bei schwächelnden Konzernen wie American Express , Walmart oder IBM drückten die Kursentwicklung.

Kurz erklärt im Video - so investiert Warren Buffett:

Wochit / manager-magazin.de
mit Material von dpa-afx
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