Investitionsstau bei Berkshire Hathaway Buffett vor Meilenstein, den er lieber nicht passieren würde

Probleme im Einkauf: Warren Buffett hat viel Geld und weiß nicht , wohin damit.

Probleme im Einkauf: Warren Buffett hat viel Geld und weiß nicht , wohin damit.

Foto: AP/dpa

Die Geschäftszahlen, die Investorenlegende Warren Buffett Ende vergangener Woche mit seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway vorlegte, waren nicht allzu berauschend: Der Überschuss des Unternehmens sank im zweiten Quartal 2017 verglichen mit dem Vorjahreswert um 15 Prozent auf 4,3 Milliarden Dollar (3,6 Milliarden Euro). Das operative Ergebnis ging um 11 Prozent auf 4,1 Milliarden Dollar zurück. Bereits im Vorquartal war der Gewinn erheblich geschrumpft.

Ein Problem Buffetts kam im Zusammenhang mit der Publikation der Geschäftszahlen allerdings kaum zur Sprache: Der Altmeister hat - auch aufgrund der seit Monaten haussierenden US-Börse - offenbar große Mühe, geeignete Investitionsziele zu finden.

Wie der Veröffentlichung von Berkshire Hathaway zu entnehmen ist, führt das dazu, dass sich die Bargeldbestände auf den Konten des Unternehmens nun einer historischen Marke nähern: Es dauert vermutlich nicht mehr lange, und Berkshire Hathaway verfügt über mehr als 100 Milliarden Dollar Cash.

Wohin nur mit dem Geld?

Ende des zweiten Quartals betrugen die Cash-Bestände des Beteiligungs-Konglomerats 99,7 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor hatte Berkshire noch lediglich gut 70 Milliarden Dollar auf dem Konto. Und in den zwölf Monaten davor waren die Bestände nur um etwa fünf Milliarden Dollar angewachsen, wie einer Übersicht der Finanzplattform Bloomberg zu entnehmen ist.

Warren Buffett ist sich des Problems sehr bewusst. Schon auf dem Aktionärs-Meeting seines Unternehmens im Mai dieses Jahres sagte er, er habe seit einer Weile keine Firma mehr übernommen und sollte eigentlich nicht über längere Zeit so viel Geld auf dem Konto horten, uns zwar insbesondere dann nicht, wenn es dort wie zurzeit nahezu keine Erträge bringe.

"Die Frage ist: 'Können wir es einsetzen?'", so Buffett. "Ich würde sagen, die Geschichte spricht für uns, aber es wäre angenehmer, wenn das Telefon klingeln würde."

Tatsächlich ist das aktuelle Börsenumfeld nicht ideal für Buffetts Investmentansatz: Der Star-Investor ist stets auf der Suche nach Firmen, die verglichen mit ihrem tatsächlichen Wert mit einem Abschlag an der Börse gehandelt werden. Angesichts seit Monaten steigender Aktienkurse an der Wall Street und beispielsweise eines Dow-Jones-Index, der zuletzt von einem Rekord zum nächsten eilte, ist es für Buffett gegenwärtig offenbar schwierig, solche unterbewerteten Firmen ausfindig zu machen.

Zuletzt hatte Buffett für Schlagzeilen gesorgt, als er bis Anfang dieses Jahres eine signifikante Position an Apple-Aktien aufgebaut hatte. Im Juni folgten zwei kleinere Aktien-Deals: Zum einen erwarb Berkshire einen Anteil an einem US-Immobilienunternehmen, zum anderen an einem kanadischen Hypothekenfinanzierer.


Weisheiten vom Meister-Investor - Buffetts beste Sprüche:


Zudem versucht Buffett derzeit die Energy Future Holding zu übernehmen, zu der auch der größte texanische Stromnetzbetreiber Oncor gehört. Der Deal hätte ein Volumen von neun Milliarden Dollar und würde die Kriegskasse zunächst einmal ein wenig erleichtern. Allerdings ist die Oncor-Transaktion noch nicht in trockenen Tüchern: Buffett sieht sich der Gegenwehr des streitbaren Hedgefonds-Managers Paul Singer ausgesetzt.

Manch ein Börsianer sieht in der aktuellen Investment-Flaute Buffetts noch kein ernsthaftes Problem. "Es gibt keinen Grund zur Aufregung", zitiert Bloomberg beispielsweise Jim Shanahan, einen Analysten von der US-Firma Edward Jones. In den kommenden Jahren werde Berkshire "einige wirklich interessante Investments machen".

Die Börse jedoch reagierte auf die Quartalszahlen von Berkshire verschreckt: Die Aktie schloss am Montag mehr als 1 Prozent niedriger als vor den Zahlen.

Kursverluste sind indes womöglich genau das, worauf Buffett und seine Investmentexperten von Berkshire Hathaway  warten. Sollte es an der US-Börse zu einer Korrektur oder gar zu einem Abwärtstrend kommen, wäre für Berkshire womöglich der geeignete Zeitpunkt gekommen. In der Vergangenheit habe sich Buffett stets auf die Gelegenheiten gestürzt, wenn Unternehmen in Schwierigkeiten geraten seien, zitiert Bloomberg einen Investmentmanager. Wenn das erneut passieren sollte, befinde sich Buffett mit dem vielen Bargeld, auf dem er gegenwärtig sitzt, "in einer perfekten Position", sagt der Experte.

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